Was tun, wenn das Kind schreit und tobt?

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Manchmal steht man so da, vor seinem lauten, schreienden, tobenden Kind und denkt:
«Oh mein Gott. Was mach ich hier eigentlich?»
«Was tut mein Kind da? Womit hab ich das verdient?»
«Leute, hört bitte auf so mitleidig zu gucken!»
«Das nächste Mal geh ich wieder ohne Kind.»
«Hilfe!»

Und dann geht man zu seinem Kind hin, packt es am Arm und zischt ihm ziemlich unfreundlich ein paar saftige Drohungen ins Öhrchen:
«Jetzt hörst du sofort auf sonst, ist Mami ganz böse, darfst du heute Abend nicht TV gucken, gibt es kein Zvieri, kannst du daheim grad ins Bett!»

Oder man schmeisst noch ein paar ungenaue Anweisungen hinter her:
«Es reicht jetzt!»
«Jetzt benimm dich nicht so blöd!»
«Paatriiiziiiaaaa!»

Oder man stellt ein paar merkwürdige Fragen:
«Hörst du jetzt auf?»
«Warum benimmst du dich immer so unmöglich?»
«Was soll das?»

Oder man beschimpft das Kind als Person:
«Du bist heute wieder unmöglich!»
«Du bist so ein Trotzkopf, ein sturer Bock, ein Schreihals!»

Und das bringt?
Rein gar nix.
Im Gegenteil.
Das Kind brüllt noch lauter, lässt sich zu Boden fallen, es strampelt, stampft und hat einen hochroten Kopf.
Wenn es älter ist kommen noch ein paar sehr nette Schimpfworte dazu…

Der Stresspegel steigt und steigt

Man beginnt auf das Kind einzureden, vielleicht packt man es noch ein bisschen mehr am Arm, oder vor lauter Verzweiflung auch mal am Ohr.
Oder man verspricht Dinge wie:
«Wenn du jetzt aufhörst, kriegst du noch die Gummibäärli, die ich in der Tasche habe.»
«Dann bringt dir der Samichlaus auch ganz bestimmt keine Rute.»
«Dann scheint morgen die Sonne.»

Ach.
Man würde einfach alles tun, damit es aufhört.

So sitzt, kniet oder kauert man da im Supermarkt, auf dem Spielplatz, im Treppenhaus, am Kindergeburtstag, im Schwimmunterricht, an Omas 70. Geburtstag, am Spielgruppen-Schnuppertag und fühlt sich einfach nur überfordert. Man hat doch alles probiert.

Zuckerbrot und Peitsche, aber nix hat geholfen.

Aber WARUM?
Warum hilft weder drohen, schimpfen, predigen, noch Versprechungen machen?
Ich sag’s euch:

Weil zu viel reden, schimpfen, drohen, besserwisserische Kommentare abgeben, zischen, säuseln, schreien und auf das Kind «einschnattern» alles nur noch schlimmer macht.
Manchmal hilft einfach nur noch eines:

Ein «Ortswechsel»

Nicht dass ihr jetzt grad auf einen anderen Kontinent ziehen müsst.
Nein.
Oft hilft es einfach, wenn man mit dem Kind kurz aus der Situation rausgeht.
(Manchmal muss man es auch kurz tragen…)
Am besten schon bevor es den ganzen Laden zusammen brüllt.

Also, wenn ihr merkt, dass ihr beide in der Situation so ein bisschen gefangen seid, versucht die Situation etwas aufzulösen:

Am besten aus dem Zimmer gehen
Weg vom Spielplatz
Raus aus dem Geschäft und draussen zusammen kurz auf die Treppe sitzen
Mit dem Kind rasch ins Auto gehen
Die Geburtstagsfeier schnell verlassen

Oder mit anderen Worten:
Versucht die Situation kurz zu unterbrechen, wechselt den Ort/Raum und wartet dann bis der Sturm vorüber ist.
Warten, das heisst: Nicht aufs Kind einreden, ruhig atmen, es nicht zu persönlich nehmen.
Wenn sich das Kind schon wieder etwas beruhigt hat, dann hilft oft auch ABLENKEN ganz gut. Sprecht von einem spannenden Thema, verwickelt sie wieder  in eine Tätigkeit.

Je weniger Aufsehen ihr darum macht, kommentiert und referiert, umso schneller ist es wieder vorbei.
Nach dem Anfall, am besten nicht gleich wieder alles aufwärmen und davon sprechen oder am Schluss auch noch fragen:

«Warum hast du dich jetzt so daneben benommen?
Das sag ich dann dem Papi heute Abend.
Oder dem Samichlaus.»

 

Mehr zum Thema Trotz- und Autonomiephase findet ihr übrigens HIER. 

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