Willkommen in der Negativspirale

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Echt. Manchmal ist es wirklich zum Schreien:
Alles liegt mal wieder in der Wohnung herum und beim Essen wird nur gemotzt.
Will man helfen, ist es auch nicht recht, streiten tun sie auch immer, im Zimmer herrscht ein Mörder-Chaos und irgendwie läuft einfach ALLES schief.
Den Frust schreibst du dir auf Facebook von der Seele, schreibst wie doof sich deine Kinder mal wieder DAUERND benehmen, dass du IMMER schimpfen musst, dass sie NIE das tun, was du von ihnen möchtest.

Je mehr du dich darüber ärgerst, je mehr du darüber schreibst oder dich bei der besten Freundin ausheulst, umso schlimmer kommt dir alles vor.
NIE klappt IRGENDWAS, STÄNDIG benehmen sie sich wie eine Horde wildgewordener Affen und frech sind sie sowieso IMMER.
Und dann gehst du am Abend ins Bett und denkst:
„Ne. SO habe ich mir das alles aber nicht vorgestellt. Den ganzen Tag hab ich nur geredet, war böse und hässig und ALLES ist einfach Scheisse“:

Willkommen in der Negativspirale

Falls euch das ab und zu auch passiert, dann gibt es folgende Möglichkeiten:

Ihr mampft einfach gaaaanz viel Süsses, legt euch vor die Glotze schaut Dschungelcamp oder sonst eine lustige Sendung, macht bei ganz vielen Verlosungen mit und hofft, eine Reise für 1 Person auf 1 einsame Insel zu gewinne oder aber:
Ihr pennt einfach ganz schnell ein um diesen Scheiss-Tag so schnell wie möglich zu vergessen.

Oder aber:
Ihr bleibt noch ein bisschen wach, surft noch ein wenig auf dem Planetchen herum und überlegt euch folgendes:

Ok. Heute war tootaaal doof.
Warum? 
Wie war denn MEINE Laune eigentlich so?
War ich fit, ruhig, geduldig, motivierend?
Hab ich meine Kinderlein vielleicht wieder mit Anweisungen ZUGETEXTET?
Von weit her gebrüllt?
Viele Fragen gestellt?
War ich unfair, gemein, launisch?
Was könnte ich morgen anders machen?

Und dann überlegt ihr euch:
WAS lief denn eigentlich gut?
Er hat sich am morgen ganz alleine die Hose angezogen. Beim Frühstück hat er mir eine tolle Geschichte erzählt. Beim Mittagessen haben sie den Teller selber in die Küche getragen, sie hat ihrem Bruder das Spielzeug gebracht, wir haben friedlich zusammen einen Tee getrunken…

Es gibt jeden Tag so einige Dinge, die gut laufen, bei denen uns auch immer wieder das Herz aufgeht. Manchmal sind es ganze Situationen, die ohne Probleme über die Bühne gehen, manchmal sind es aber auch nur Bruchteile davon.
Leider verpassen wir ganz oft einfach den Moment, ein positives Feedback zu geben oder eine nette Geste zu machen und einfach zu zu zeigen:
„Hey, das hat mich gefreut, das hast du toll gemacht, ich bin stolz auf dich.“
Den Fokus wieder ein bisschen mehr auf genau DIESE Augenblicke zu legen, kann ungeheuer wertvoll sein. Manchmal warten wir einfach zu lange und vergessen, die positiven Situationen hervorzuheben, kurz ein Lob auszusprechen, bestärkend und motivierend zu sein.
Wir warten so lange mit unserem Feedback, bis schon wieder ein Problemverhalten auftaucht (das geht ja bei Kindern immer relativ schnell) und dann sagen wir:
„Müsst ihr eigentlich IMMER streiten, motzen, schreien?“ 

Und eben.
Wenn man es während des Tages mal wieder versäumt hat auf die positiven Dinge zu achten, wenn man total K.O auf dem Sofa sitzt und sehr, sehr froh ist, wenn die Kinderlein im Bett sind, dann sollte man den Tag einfach noch mal kurz Revue passieren lassen und sich an DIE Dinge erinnern, die gut geklappt haben. Sich einfach kurz erinnern, WAS die Kinder denn eigentlich alles schon gut können. Es sind nämlich so einige Dinge.

Das tut gut, lässt die bösen Gedanken ganz schnell verschwinden und die Selbstzweifel werden wieder etwas in den Hintergrund gerückt.
Man fühlt sich etwas weniger hilflos und verzweifelt und merkt dann plötzlich:
„Hey, dieser Tag war eigentlich gar nicht soooo schlimm.“

  • Nicole Ammann

    Ich liebe deine Beiträge. Könnten wie für mich geschrieben sein. Ich nehme mir nun wirklich vor, jeden Abend beim ins Bett bringen, den Kindern etwas zu sagen, was sie an diesem Tag besonders gut gemacht haben. Danke für deine Ermutigung!