Erziehungsfalle Nr.7 – Drohungen

4

„Wenn du jetzt nicht sofort dein Zimmer aufräumst, dann darfst du nachher nicht Fernseh gucken“. Zack! Das hat gewirkt. Prima diese Drohungen. Ein bisschen böse gucken, auf 3 zählen und den Satz mit „wenn du jetzt nicht, dann…“ beginnen, und die Kids tun alles was wir von ihnen wollen. Meistens. Und irgendwann auch nicht mehr so richtig. Oder wir müssen einfach ständig auf 3 zählen und drohen, damit sie überhaupt in die Gänge kommen.
Wollen wir das?
Kann es das sein?

Nicht drohen – lieber motivieren

Das Problem mit diesen Drohungen ist, dass sie doch eigentlich ganz gut funktionieren.
Wenn man jemandem etwas androht, wie zum Beispiel: „Du gibst mir jetzt sofort deine Uhr, sonst hau ich dir auf den Kopf,“ macht der Bedrohte das sofort, weil er die Konsequenzen fürchtet.
Bei den Kids ist das genau so.
Und so denken sich viele Eltern: „Ok, drohen funktioniert prima, meine Kinder tun genau das, was ich von ihnen will.“
Aber:
Drohungen verlieren irgend wann mal ihren Reiz. Vor allem wenn Kinder älter werden und wenn Konsequenzen immer nur angedroht und nicht durchgesetzt werden. Kinder wissen mit der Zeit auch: „Ok, so lange Mama und Papa nicht drohen, einen roten Kopf kriegen und auf 3 zählen, meinen die es so wieso nicht ernst.“ Will heissen: Ihr müsst eigentlich ständig, immer und überall nur noch drohen.
Ausserdem fördern Drohungen nicht unbedingt eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
Im Gegenteil. Die Eltern müssen mit der Zeit immer mehr drohen und immer absurdere Drohungen aussprechen. Oft sind das dann Dinge, bei denen man denkt: „Ui. Was sag ich da? Hoffentlich gehorcht er jetzt! Das will ich doch gar nicht umsetzen. 3 Wochen Fernsehverbot? Nie mehr zu Oma? Sofort ins Bett an diesem schönen Sommernachmittag, nie mehr mit zum Einkaufen kommen?
Völlig absurd und unrealistisch.“

Was tun?
Überlegt euch immer vorher, ob das was ihr jetzt grad sagen wollt auch wirklich wichtig ist. Wenn ja, dann geht zu den Kindern hin und formuliert positiv. Also nicht sagen, was sie nicht tun sollen, sondern sagen, WAS sie den tun SOLLEN.
Denkt daran: Viele Dinge, die wir von unseren Kids wollen, sind nicht wirklich soo toll. Oder findet IHR aufräumen, Hausaufgaben machen, Zähne putzen, ein Spiel beenden, ins Bett gehen, lustig? Eben.
Also müsst ihr versuchen ihnen diese Dinge gut „zu verkaufen“ und sie dafür zu motivieren. *lassteuchwaseinfallen

Am besten formuliert ihr das so:
„Schau mal, wenn du jetzt ganz schnell deinen Schlafanzug anziehst, DANN haben wir nachher noch genug Zeit ein Buch zusammen anzuschauen. Ich mach mal die Augen zu und dann schauen wir, ob du ihn angezogen hast, wenn ich die Augen wieder aufmache. Aaachtung, feertig, looos.“

Also nicht:
„Wenn du jetzt deinen Schlafanzug nicht sofort anziehst, dann gibt es nachher kein Buch. Eeeins, zweeei….“

Oder:
„So. Noch eine letzte Runde ums Haus fahren und dann möchte ich dass du rein kommst. Wenn das klappt, dann kannst du nachher noch deine Fernsehzeit einlösen.“

Also nicht:
„Jetzt sag ich’s dir noch ein letztes Mal. Wenn du nicht sofort rein kommst, dann gibt es nachher kein Fernsehen mehr.“

Auch wenn beide Sätze eigentlich das Gleiche bedeuten, kommt Variante 1 deutlich positiver, freundlicher und motivierender rüber. Wenn man nämlich merkt, dass man etwas davon hat wenn man eine Anweisung befolgt, dann hat man automatisch auch mehr Motivation, es zu tun.

Das geht übrigens nicht nur den Kindern so, sondern auch uns Erwachsenen. Überlegt mal, welcher Satz klingt angenehmer:

„Wenn du jetzt nicht sofort für 100 Franken einkauft, gibt es keine Rabatt-Cumulus-Superpunkte.“ oder

„Wer für 100 Franken einkauft, der kriegt Rabatt-Cumulus-Superpunkte gut geschrieben.“

Alles klar, oder? :-)

 

  • Also, keine Panik. Dem sagt man: Trotzphase. Das ist ganz normal, das MUSS sogar so sein.
    In der Trotzphase, so ab 2 Jahren (manchmal auch schon etwas früher) erwacht der eigene Wille des Kindes und zeigt sich immer häufiger in Form von Trotzreaktionen und Gehorsamsverweigerungen. Das bedeutet aber nicht, dass sich das Kind in erster Linie gegen seine Eltern wendet, sondern vielmehr, dass das Kind leidet, dass es seine Wünsche nicht selber erfüllen kann.
    D.h., es ist in dieser Phase nicht mehr in der Lage die Situation zu überblicken oder zu kontrollieren und gerät darum völlig aus den Fugen.
    Euer Sohn versucht immer mehr seine eigenen Wege zu gehen und stösst dabei natürlich und immer wieder an“natürliche“ Grenzen. Und er merkt auch, dass du nicht alles so machst und sagst, wie er das gerne möchten.

    Diese ersten Erfahrungen mit dem eigenen Willen und den damit verbundenen aggressiven Gefühlen und Konfliktsituationen bzw. der Umgang damit, werden zu Grunderfahrungen, die das weitere Leben des Kindes er- oder entmutigend prägen werden. Die Kinder erlernen im Idealfall, dass:

    … es ist gut, einen eigenen Willen zu entwickeln. Dadurch wird es fähig, eigene Entscheidungen zu treffen und zu erproben, und zu erkennen welche Konsequenzen diese Entscheidungen nach sich ziehen.
    … Konfliktsituationen nichts wirklich Bedrohliches sind und zum Leben dazugehören und Lösungen gefunden werden können.
    … Konfliktsituationen innere und äußere Spannungen erzeugen. Diese Spannungen sind aber auszuhalten und müssen nicht durch andere Tätigkeiten (z.B. Essen) abreagiert oder sogar verdrängt werden.
    … es seine Gefühle äußern und zum Ausdruck bringen kann und seine Eltern halten das aus, bewerten sie nicht, sondern helfen ihm dabei, sie zunehmend in Worte zu fassen und auszudrücken. „Auch wenn ich um mich schlage, schreie und tobe, werde ich von meinen Eltern gemocht.“
    … bewältigte Konflikte Ereignisse sind, auf die man gemeinsam zurückblicken kann und welche die Beziehung vertiefen.
    … es macht Spaß, eigene Erfahrungen zu sammeln, auch wenn manchmal Schmerz und Enttäuschung mit dabei sind. Das Kind verzweifelt nicht, da es von seinen Eltern unterstützt wird, es immer wieder neu zu versuchen. >>

    Verhindern kannst du solche Trotzanfälle nicht. Es gibt allerdings ein paar Sachen die du tun kannst, damit es vielleicht nicht gar so häufig vorkommt.
    – Lass ihm genügend Freiraum, renn nicht ständig hinter ihm her und versuch nicht, ihn mit Anweisungen zu zutexten. Normalerweise geben wir immer viel zu viele Anweisungen. Stell Regeln auf, aber nicht zu viele und sei konsequent, wenn diese nicht beachtet werden. Achte darauf, dass du ihm nicht alles abnimmst und ihm dann deine Hilfe anbietest, wenn er nicht weiterkommt. Ganz nach dem Motto: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

    – Oft ist es auch möglich in gewissen Dingen zu verhandeln. D.h du kannst ihm eine Auswahl geben und er kann selber entscheiden, was er möchte. („Soll ich dir die Hand geben, oder willst du alleine raufgehen?“ “ Möchtest du die blaue oder die grüne Hose anziehen.“ usw. Einen Kompromiss eingehen, verhandeln, aber nur dort wo es auch wirklich Sinn macht.

    – In Situationen in denen er sich ärgert, nützt es oft auch, wenn du versuchst ihn abzulenken. Manchmal merkst du auch schon vorher, dass es bald zu einem Trotzanfall kommt, dann kannst du mit dem Ablenkungsmanöver schon etwas früher anfangen.
    Vorausplanen. Sag ihm immer früh genug, was als nächstes passiert, so dass er sich schon frühzeitig darauf einstellen kann.
    Versuche dem Wutanfall möglichst wenig Beachtung zu schenken.

    Zum Thema trotzen hab ich schon mal ein Video gemacht. Schau mal hier:

    http://elternplanet.ch/2011/05/erziehungsbasar-wenn-engel-bengel-werden-trotzphasen/

    Diese beiden Videos kann ich dir ebenfalls empfehlen:

    http://elternplanet.ch/2011/05/erziehungsbasar-erziehungsfallen-teil-1-warum-kinder-nicht-gehorchen/

    http://elternplanet.ch/2011/05/erziehungsbasar-erziehungsfallen-teil-2/

    Und mehr zu den Erziehungsfallen findest du auch hier:
    http://elternplanet.ch/2013/01/erziehungsfalle-nr-1-zu-viele-anweisungen/
    (Ich hab 8 Erziehungsfallen aufgeschrieben, du findest die anderen unter dem Blogartikel)

    Wichtig ist es, dass du immer gut vorausplanst:

    Schau mal hier.
    http://elternplanet.ch/2011/05/vorausplanen-heisst-das-zauberwort/

    Überrasche deinen Sohn nicht mit deinen Anweisungen und wenn er mal etwas nicht darf, dann sag nicht einfach nur „nein“, sondern biete ihm wenn immer möglich eine Alternative an. Versuch diese dann auch möglichst gut zu „verkaufen“. Wenn du ihm helfen willst, dann erledige es nicht einfach für sie, sondern zeig ihr wie, so ein bisschen nach dem Motto: „Hilf mir es selbst zu tun“.

    Schau mal hier:
    http://elternplanet.ch/2012/09/eltern-die-standigen-neinsager/

    Wichtig ist auch, dass du ihn zur Selbständigkeit erziehst. Ich kann dir mal ein paar grundsätzliche Tipps zum Thema Selbstständig werden geben:

    Es ist sehr wichtig ist, dass wir als Eltern und Erwachsene Vertrauen in die Fähigkeiten unserer Kinder haben. Wir müssen ihnen etwas zutrauen und ihnen auch Erfahrungsräume öffnen. D.h nicht immer grad alles selber erledigen (auch wenns oft schneller geht und bequemer ist). Wenn das Kind etwas nicht schafft, vielleicht deshalb auch wütend wird, nimm ihm nicht immer die Arbeit ab und präsentier ihm grad die Lösung. Versuch zusammen mit ihm eine Lösung zu finden. Frag ihn, was er tun wollte und was nicht geklappt hat und überlegt euch, wie er das jetzt anpacken könnte. Gib ihm Tipps und Hilfestellungen aber erledige es nicht für ihn.
    Die Kinder können oft viel mehr, als wir ihnen zutrauen und oft auch mehr, als wir gedacht haben. Viele Eltern und Erwachsene räumen ihnen Kindern jedes Steinchen aus dem Weg und möchten sie auch vor allem bewahren. Sie sind fast pausenlos beschäftigt, ihre Wünsche zu erfüllen. Trotzdem ist das Kind oft unzufrieden und quengelig.
    Lass ihn die Dinge die er selbst tun kann auch selber tun. Beobachte ihn und wenn du merkst, dass er Hilfe braucht, dann sei ihm eine Stütze, zieh dich aber dann auch wieder zurück.
    Gerade wenn Kinder noch klein sind, funktioniert ablenken auch immer ganz gut. Also sprich von etwas anderem, zeig ihm etwas, lass ihn mithelfen, gib ihm etwas zu tun, verwickle ihn in ein Gespräch, dann wird er manchmal vergessen, warum er eigentlich vorher geschrien hat.

    Oft ist auch weniger mehr. Also nicht zu viel reden, texten, sagen. Vorher überlegen: Ist das wirklich wichtig, muss ich das jetzt wirklich sagen und warum?

    http://elternplanet.ch/2011/10/weniger-ist-mehr/

    Und das hier kannst du auch mal noch anschauen:

    http://elternplanet.ch/2013/11/der-schrei/

    Und die Überlebenstipps sind auch immer hilfreich:
    http://elternplanet.ch/2013/09/ueberlebenstipps-fuer-den-erziehungsalltag/

    Dein Sohn ist noch klein und er kann viele Dinge noch nicht so gut. Er muss viel lernen, entdecken und braucht dazu unsere Hilfe. Manchmal vergisst man als Eltern, die Welt wieder etwas mit Kinderaugen zu sehen. Schau mal hier.

    http://elternplanet.ch/2014/01/brief-an-die-eltern/

    Schau mal was du damit anfangen kannst und melde dich einfach wieder. Ok?
    Liebe Grüsse
    Kathrin

  • gast

    er ist 3.5.

    beim nach hause gehen, beim essen, beim nach draussen gehen, beim anziehen, eigentlich bei so gut wie allem. manchmal klappts auch, aber an einigen tagen klappts bei nichts. ich weiss echt nicht mehr was ich tun soll znd wie reagieren. gestern war ich nurnoch am rumschreien :'(

  • Du müsstest mir ein bisschen genauer erklären worum es denn geht und wie alt das Kind ist, dann kann ich dir besser helfen.

  • gast

    und wie soll man reagieren, wenn es auch nach 5 oder 10 mal positiv sagen nichts nützt?