Stressfreie Weihnachten

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Gemütlich zu Hause vor dem Bäumchen sitzen, ein paar Kerzlein anzünden, KEINE Weihnachtslieder singen, ein Gläschen Wein geniessen, so viel Dessert essen wie man möchte:
Von SO einem Weihnachtsabend träumen wohl ganz viele.

Stattdessen müssen sie bei der lauten Schwiegermutti in der dunklen Stube sitzen, über Onkel Fréderiks nicht lustigen Witze lachen, die ewig gleichen Weihnachtslieder singen, mit Tante Lotti Blockflöte spielen, den zähen Braten mampfen, die grosse Verwandtschaft abknutschen und dann auch noch so tun, als würde das alles riesigen Spass machen.
Und die Kinder!
Die Kinder sind ja auch noch dabei. Die werden eh wieder durchdrehen, völlig aus dem Häuschen sein, die ganze Zeit um den Baum rennen, sich mit den anderen Kids um die Geschenke prügeln und am Tisch wollen sie auch nicht sitzen bleiben.

Und schnell stellt sich die Frage:
Muss man Weihnachtsfeiern besuchen, auch wenn man überhaupt keinen Bock hat dazu?
Was soll man tun?

In den sauren Apfel beissen und einfach hingehen, nach dem Motto: Augen zu und durch, letzte Weihnachten habe ich auch überlebt?
Eine Magen-Darm Grippe erfinden?
Der Verwandtschaft vorher die Leviten lesen?
Sich einen Tarnumhang kaufen?
Vorher einen Schnaps trinken?

Wie kann man verhindern das Weihnachtsfest bei der Verwandtschaft nicht zum Alptraum wird?

1. Ruhe bewahren und gemeinsam eine Lösung suchen
Durchatmen und dann mal mit dem Ehemann zusammen sitzen und die Bedenken aussprechen.
Warum hat man keinen Bock dort hin zu gehen?
Wo liegt das Problem?
Unter welchen Umständen könnte man es sich vorstellen?
Es gibt ja meistens auch nicht einfach nur ein schwarz oder weiss: Gehen oder zu Hause bleiben. Kompromisse heisst hier das Zauberwort.
Muss es unbedingt ein Abendessen sein? Vielleicht könnte man auch zum Brunch hingehen? Oder einfach nur am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen?
Gemeinsam getroffene Entscheide sollten auch gemeinsam kommuniziert werden:
„Wir als Familie haben beschlossen, dass es dieses Jahr für uns besser ist, wenn…“

2. Sich nicht verunsichern lassen
Gut möglich, dass sich die Verwandtschaft abschätzig über eure Entscheidung äussert, vielleicht auch versucht euch vom Gegenteil zu überzeugen.
„Ach, das könnt ihr doch jetzt nicht machen. Das hat doch Tradition. Wir machen das doch jedes Jahr so. Die Mutti wird wahnsinnig enttäuscht sein, wenn ihr nicht bis zum Schluss bleibt.
Es ist doch das Fest der Liebe.
Also ich könnte das nicht. Es ist doch schliesslich Weihnachten und Weihnachten feiert man nur einmal im Jahr.“

Es ist EURE Entscheidung. Ihr tut das, was IHR für richtig haltet.

3. Gut Vorausplanen
Egal für welche Variante ihr euch entscheidet: Besprecht den Besuch vorher mit euren Kindern.
Das heisst:

Gute Vorbereitung:
Überrascht sie nicht mit euren Anweisungen, erklärt ihnen genau, was ihr vorhabt und bereitet sie gut darauf vor.
Wohin gehen wir?
Wer wird alles dabei sein?
Wie lange bleiben wir dort?

Regeln und Abmachungen besprechen:
Damit die Kids nicht total ausser Rand und Band geraten, können ein paar Abmachungen helfen. Am besten ist es, wenn man mit Fragen und Gegenfragen die Kinder auf mögliche Lösungsmöglichkeiten bringen kann.
Was tun, wenn man zur Türe rein kommt?
Was könnte man reagieren, wenn man das Essen nicht so mag?
Wie sieht das aus mit dem „Danke sagen“? Muss man das überhaupt? Wenn ja wie? Und was, wenn es einem peinlich ist vor allen Leuten? (Evt. vorher eine Zeichnung machen oder als Danke schön, das eigene Geschenk übergeben).

Interessante Beschäftigungen suchen:
Für die Zeit zwischen dem Essen und der Bescherung ist es den Kids oft langweilig. Ein paar Spielideen, Malbücher, Hörbücher oder bei grösseren Kindern auch mal eine DVD können die Wartezeit gut überbrücken. Lasst euch da etwas einfallen und nehmt vielleicht auch ein paar Dinge von zu Hause mit, damit die Kinder untereinander ein bisschen Spielsachen tauschen können. Versucht auch immer wieder den Kids Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn ihr mit den Erwachsenen viel zu besprechen habt.
:-)
Zusammen mal ein Spiel spielen oder auch mal draussen ein bisschen herum zu toben, können die Situation gut auflockern.

Weniger ist mehr
Man muss sich als Eltern nix beweisen. Und schon gar nicht an einer Weihnachtsfeier. Wenn ihr also merkt, dass die Stimmung kurz vor dem Kippen ist, die Kids müde, quengelig und aggressiv werden, dann verabschiedet euch ganz lieb, lobt den Weihnachtsbraten, verteilt noch ein paar Komplimente und dann macht euch auf den Heimweg. Ganz nach dem Motto: Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist.
Es macht nämlich viel mehr Spass und hinterlässt auch einen besseren Eindruck, wenn man die Party mit einem guten Gefühl verlassen kann. Also nicht erst verduften, wenn die Kids die Porzellanvasen runtergeschmissen, die Katze gehauen oder den Nachtisch aufs edle Sofa gekippt haben.

Fröhliche Weihnachten euch allen!