„Lieber Nikolaus“

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Hallo Nikolaus
Ja, ich weiss, du bist ein lieber Mann. Du hast den Schmutzli (Knecht Ruprecht) dabei und manchmal sogar noch einen lustigen Esel. Du bringst Geschenklein und Nüsse, Schokolade, Clementinen und manchmal auch trockene Lebkuchen mit viel zu wenig Zuckerguss drauf.
Meistens nimmst du aus deinem Sack auch noch das dicke Buch hervor und liest daraus vor.
Ganz viele Sachen sagst du dann jeweils, meistens sprichst du dann in der 3. Person und das klingt dann etwa so:

„Hohoooh.
Der Nikolaus hat gehört dass ihr zwei immer so viel streitet. Das hört der Nikolaus aber gar nicht gern. Das muss sich ändern.“

„Aha. Was liest der Nikolaus da?
Ihr helft der Mutti nicht so gut im Haushalt? Sie muss dann immer mit euch schimpfen. Oh, das ist aber gaaar nicht gut.“

„Oh.
Gehorchen könnt ihr beide noch nicht so gut? Da hat der Nikolaus aber nicht Freude.“

„Der Nikolaus hat gesehen, dass in eurem Zimmer eine grosse Unordnung herrscht.
Das müsst ihr noch ein bisschen besser machen und mehr aufräumen.
Ordnung ist wichtig im Leben, gell Schmutzli?“

Klar. Manchmal sagst du auch noch ein paar positive Dinge. Auch meistens in der 3. Person.
Aber fast immer liegt der Fokus auf dem, was bei den Knirpsen nicht so gut läuft.
Und hier muss die Frau Elternplanet ein bisschen mit dir schimpfen, lieber Nikolaus.

Oder vielleicht noch besser:

Dir ein paar Tipps geben, wie du das vielleicht etwas anders machen könntest.
Also lies ruhig weiter.

Kinder bekommen eh schon den ganzen Tag immer zu hören, was sie alles nicht so gut können, was schlecht läuft. Das ist frustrierend und kein bisschen motivierend.
Lieber Nikolaus, versuch doch den Fokus mehr auf das Positive zu legen. Sag den Kids, was sie gut können, was toll ist und womit sie weiterfahren sollen.
Sprich doch bitte auch nicht nur von dir und tu so, als würdet nur DU, dieses Verhalten mögen. Sag den Kindern, dass ihre ELTERN das toll finden und stolz auf sie sind.
Die Kinder sollen bestärkt werden, in dem was sie gut können. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist, ermutige sie und gib ein positives Feedback auch für kleine Fortschritte, die sie gemacht haben.

Wenn du unbedingt etwas kritisieren musst, dann sag ihnen doch nicht einfach was schlecht war, sondern sag ihnen lieber, WIE sie es besser machen können.
Vielleicht gibst du ihnen ja sogar einen Tipp, du als alter Chlaus hast sicherlich einige auf Lager…
Und sonst schau einfach mal auf www.elternplanet.ch vorbei dort hat es einige Ideen und Vorschläge.
Oder Frag die Frau Elternplanet auf Facebook, die hilft dir bestimmt weiter. :-)

Die Kinder sollen nicht Angst haben vor dir und wenn du ihnen schon ein paar Feedbacks gibst, dann gib doch auch noch gleich den Eltern ein paar Tipps.
Die haben es nämlich manchmal fast nötiger, als die Kleinen…

Vielleicht runzelst du jetzt deine Stirn und denkst:
„Soso. Was muss ich mir hier denn eigentlich anhören?
ICH kann ja nix dafür, die Eltern schreiben mir ja jeweils auf, was ich den Kindern aus meinem dicken Buch vorlesen soll.“

Das denkst du jetzt sicher, stimmt’s?

Dann hab ich dir grad noch einen Tipp:

Sag den Eltern doch am Besten vorher, dass du nicht nur zum Schimpfen vorbei schaust.
Sag ihnen, dass du die Kinder bestärken und motivieren willst und dass du eigentlich nicht die Erziehungsarbeit der Eltern übernehmen möchtest. Schon gar nicht in der kurzen Zeit, in der du ja jeweils dort bist und vor allem nicht auf das Negative fokussiert.

Kannst sie ja vorher anrufen oder einen Brief schreiben.
Oder schick ihnen eine Mail.
Aber sag es ihnen, ok?

PS.
Und schau, dass diese elenden Lebkuchen nicht immer so trocken sind.
Mach einfach ein bisschen mehr Zuckerguss drauf oder so.

Liebe Grüsse
Frau Elternplanet