Gib dem Mönsterchen ein Zückerchen!

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Stellt euch folgendes vor:
Ihr seid mit einem  lieben kleinen Kind im Auto unterwegs, ihr geht einkaufen, alles friedlich und ruhig, doch beim Einsteigen passiert es:
Aus völlig unerfindlichen Gründen beginnt das Kind zu trotzen und schreien. Es verwandelt sich innerhalb von 0,23 Sekunden von Dr. Jekyll in Mr. Hyde. Also vom Kind zum Mönsterchen sozusagen.
Beim ersten Mal denkt ihr noch so: „Wow. Ein mega Trotzanfall!“
Und ihr tut das, was ihr normalerweise immer tut:
Ablenken, ignorieren, von was Anderem sprechen oder manchmal eben auch schimpfen.
Aber nix hilft, es wird immer schlimmer.
Das Kind ist völlig von der Rolle, lässt sich nicht mehr beruhigen. Ihr seid völlig perplex, könnt euch nicht erklären was da gerade abgeht.

Oder diese Situation:
Ein etwas grösseres Kind kommt von der Schule am Nachmittag nach Hause. Es sieht schon etwas „knurrig“ aus, als es zur Türe rein kommt. Ihr denkt euch nix Böses, fragt vielleicht nach dem Befinden oder nach Hausaufgaben und dann wieder die gleiche Situation:
Das Kind brüllt, die Augen werden grösser, es ist ausser sich, wie verwandelt, sozusagen nicht mehr euer Kind.
Stellt euch vor, ihr hättet zufälligerweise ein Stück Traubenzucker, Schoggi oder eine Banane in der Tasche und ihr würdet dem Kind dieses geben und es auffordern zu essen?
Ok. ihr habt Recht. Kommt einem wohl nicht grad als Erstes in den Sinn, einem tobenden, völlig ausgeflippten Kind ein Stück Schoggi in den Mund zu stopfen.
Ihr tut es aber trotzdem und nach etwa 5 Minuten ist der Spuk vorbei.
Hä? Wieso? Warum? Was ist da los?

Das ist kein Ausschnitt aus einem Science-Fiction Roman. Das kann tatsächlich so passieren.
Diese Art von „Unterzuckerung“ (in Anführungszeichen, weil es eben keine Unterzuckerung wie bei einem Diabetiker ist), setzt das Hirn des Kindes sozusagen einen Moment ausser Gefecht und verwandelt es in ein Wesen von einem anderen Stern. Fragt man das tobende Kind, ob es denn vielleicht Hunger hat, dann sagt es meistens „Neeeeinnn. Ich habe keinen Hungerrrr!“
Auch wenn das Kind nicht an Diabetes leidet, (wurde bei uns abgeklärt) kann eine solche Reaktion eben vorkommen.
Hätt ich das vorher gewusst, wären uns viele schwierige, laute und ausgeflippte Situationen erspart geblieben.

Was ist wichtig?

Augenkontakt halten, auf die Stimme hören: Hört sich das Kindlein „knurrig“ an, ist es sehr laut, aufgebracht, leicht von der Rolle, nicht mehr ganz sich selber – ZACK! Schnell ein Traubenzückerli oder sonst etwas aus dem Hut zaubern und dem Kind mit einem netten Lächeln vor die Nase halten.
Klar, es kann auch was ganz Gesundes sein. Aber wenn’s pressiert, dann wirkt das einfach zu wenig schnell. :-)
Ein kleines „Anti-Hunger-Wut“ Böxli im Zimmer kann auch helfen, um solchen Anfällen vorzubeugen.
Also.
Hier geht es nicht um schlechte Laune.
Das ist GAAAANZ was anderes.

Es geht um:
Dein Kind ist völlig weggetreten, von der Rolle, weiss überhaupt gar nicht mehr wo oben und unten ist und ist nicht mehr sich selber.
DANN eben besteht die Möglichkeit, dass sein Blutzuckerspiegel zu tief ist und dann ist es hilfreich, ihm etwas zu essen anzubieten, statt mit ihm zu schimpfen.
Am Besten noch BEVOR der Monster-Anfall einsetzt…

Also falls ihr ähnliche Symptome kennt, einfach mal ausprobieren, und den wutschnaubenden Mönsterchen etwas zu mampfen in den Mund schieben.

  • Thorsten

    Vielen Dank für Deinen Artikel Kathrin. Wir teilen dieses „Schicksal“ mit Dir. Seit er drei ist kennen wir dieses Phänomen, was meist (eigentlich immer) wie hier beschrieben entweder auf Hunger oder Müde sein zurückzuführen ist. Allerdings sind wir bisher nicht auf die „Traubenzucker-Idee“ gekommen, obwohl es eigentlich nahe liegt. Danke für den Tipp. Ich werde morgen gleich welche kaufen – der letzte Wutmonster-Anfall war nämlich erst 2h her.

  • calimera78

    Ui, solche Anfälle kenne ich auch von meinem Junior. Muss ich beim nächsten Anfall grad mal ausprobieren!