«Gerade eben waren sie doch noch sooo klein…»

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«Geniessen Sie die Zeit mit den Kleinen, sie werden soooo schnell gross!»

Diesen Satz hat mir vor ein paar Jahren eine ältere Frau an der Supermarktkasse zugeflüstert und dabei auf unsere zwei süssen kleinen Mädels gezeigt, die grad ganz eifrig dabei waren, die Waren aufs Band zu legen.
Ich hab genickt und irgendwas wie:
«Jaja, das stimmt. Es geht alles so schnell» gemurmelt. Denn sie war nicht die Erste, die mich damals darauf aufmerksam gemacht hat.
Kaum war ich mit den Kindern irgendwo unterwegs, kam immer zuerst:
«Jööö. Sind die süss. Wie alt sind sie?“
Und dann gleich danach kam der Hinweis aufs Geniessen und das «Achtung sie werden so schnell gross.»
Ich hab manchmal schon gar nicht mehr richtig hingehört, denn sind die Kinder klein, kann man diesen Satz noch gar nicht so richtig einordnen. Als Mama von zwei kleinen Kindern wünscht man sich ja täglich, dass sie irgendwelche Dinge doch bitte sehr endlich könnten und freut sich auf den Moment, wenn sie dann endlich «grösser» sind.
Ständig hört man von anderen Muttis, was deren Kinderlein denn schon alles sooo toll machen.

2 Monate und sie kann schon sitzen

4 Monate und sie hat schon „Mama“ gesagt

6 Monate und er isst schon ganz alleine seinen Kartoffelstock

9 Monate und er kann schon laufen

1 Jahr alt und sie singt alle Lieder von Rihanna, auswendig

2 Jahre und er schreibt schon Bücher

3 Jahre und sie kann dem Opa schon einen chinesischen Brief schreiben

5 Jahre und er hat schon alle Harry Potter Bücher gelesen

Und alle Muttis, deren Kinder noch nicht ganz so weit sind, werden verunsichert, vielleicht gar ein bisschen eifersüchtig. Und da kann es gut sein, dass man sich immer mal wünscht, die Kinder würden doch ganz schnell gross, damit sie dies und jenes doch endlich mal können:
«Ach, ich freu mich, wenn meine Kleine sich dann auch endlich überall hochzieht und ihre ersten Schritte macht.»


Die wunderbaren, magischen Momente im HIER und JETZT nicht vergessen

Wie oft hab ich das Gleiche gedacht: Könnten sie doch dies und jenes schon. Wären sie doch schon ein bisschen grösser, dann:

  • Muss ich nicht immer in der Nacht aufstehen (Einfach länger wach bleiben, bis sie endlich zu Hause sind…)
  • Streiten sie bestimmt nicht mehr so oft ( Hohohooo, DREAM ON… )
  • Haben sie immer eine tolle Ordnung im Zimmer (Es wird leider immer schlimmer…)
  • Sind sie dann etwas vernünftiger (Doch, doch, es geht, ab und zu, kommt vor…)
  • Und weniger laut (Geht so, sie reden einfach grundsätzlich weniger…)
  • Und die Trotz- und Schreiphase ist dann auch vorbei (Lang leben die Pubertätsphasen)

So liebäugelt man ständig ein bisschen mit der Zukunft und freut sich auf alles was hoffentlich bald kommt. Und manchmal vergisst man vielleicht sogar etwas das HIER und JETZT.
Vergisst, stolz und glücklich über den MOMENT zu sein, über DIE Dinge, welche die Kinder HEUTE gut können.
Dabei wäre es so wichtig einfach immer mal wieder stehen zu bleiben, nur zu beobachten, tieeef einzuatmen, zu staunen, inne zu halten, zu geniessen:
Diese wunderbaren, magischen Momente, denen wir mit kleinen Kindern jeden Tag begegnen und sie vielleicht zu wenig wahrnehmen.

Und dann plötzlich: Ist diese Zeit vorbei

Manchmal möchte man einfach nur ganz laut «STOP» rufen, und «Ich bin noch nicht so weit, ich möchte nicht, dass alles so schnell vorbei geht.»
Man überlegt sich ab und zu auch, ob man denn die vergangene Zeit wirklich richtig genossen hat, ob man den Kindern wirklich gerecht wurde und ob man sich genug mit ihnen beschäftigt hat.

Jetzt, da sie grösser sind, treffen sie ihre eigenen Entscheidungen, sind nicht mehr ständig um dich herum. Sie haben Geheimnisse, verdrehen manchmal ( immer öfter ), sehr häufig die Augen wenn du in ihr Zimmer kommst und plötzlich sind sie sehr gerne alleine in ihrem Zimmer.
Am liebsten stundenlang.
Man muss aufpassen, dass man sie nicht «verliert», dass man die richtige Balance zwischen sich kümmern und loslassen findet und, kleiner Tipp:

Nicht alles so persönlich nehmen!

Natürlich freut man sich, wenn sie selbstständiger werden, die Welt entdecken, so langsam ihre eigenen Wege gehen und man auch wieder mehr Zeit für sich hat.

Vieles ist anders geworden: Einiges einfacher, das Leben wird wieder planbarer, die Kommunikation allerdings wird anspruchsvoller und die Sorgen werden nicht weniger.

«Werden sie ihren Weg finden?»
«Sich mit den richtigen Leuten anfreunden?»
«Die Herausforderungen gut meistern?»
Unzählige Fragen, die man sich täglich stellt.

Manchmal schau ich mir Fotos und Videos an aus früheren Zeiten, in denen ich gedacht habe:
«Hach, das ist dann toll, wenn sie mal ein bisschen grösser sind» und bin zugegebenermassen etwas wehmütig.
Und JA, die Frau damals an der Kasse hatte Recht:

«Sie werden soooo schnell gross.»

♥ Danke fürs Teilen ♥

2 Kommentare

  1. Marisa Liviero am

    Oh ja…so geht es mir auch….gerade waren wir noch bei schönem Wetter auf dem Spielplatz, und jetzt hängen sie am liebsten nur noch am Pc und spielen Minecraft….und sind schon ein bitzli in die Mädchen verschossen….also, auf jedenfall meine beiden älteren Jungs….10&11 Jahre.Meine Tochter wird bald 7, auch da merkt man, das das Kleinkindalter langsam vorbei ist…leider….denn wie heisst es so schön, kleine Kinder, kleine Sorgen, grosse Kinder grosse Sorgen….

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