Und plötzlich steht die Welt still…

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Es sind turbulente Zeiten und fast jede Stunde treffen neue Meldungen, neue Verordnungen ein. Was heute gilt, wird morgen vielleicht schon wieder über den Haufen geworfen.
Die Corona Ticker der Online Zeitungen überfluten uns mit Informationen, noch selten haben wir so zeitnah gewusst, wann und wo jemand hustet und wieviele Menschen krank sind. Begriffe wie „Desinfektionsmittelknappheit“, „Hygieneschutzmassnahmen“, oder „Social Distance“ haben sich ganz plötzlich in unserem Wortschatz etabliert. Diese Flut an Informationen ist schwer einzuordnen. Viele sind genervt, überfordert und genau das ist der Nährboden für Verschwörungstherorien. Kaum eine Facebookgruppe in der nicht irgendwelche haarsträubenden Geschichten erzählt oder Tipps weitergegeben werden, wie man das Virus garantiert nicht bekommt.


Unsere Hände sind vom vielen, ausgiebigen Hände waschen gerötet und wir brauchen fast ebenso viel Handcreme wie Seife. Es gibt Tutorials wie man Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel herstellt und plötzlich können wir nicht mehr selber entscheiden, ob wir am Abend ins Konzert, ins Kino oder ins Restaurant wollen.

Das ist ungewohnt, aber in der jetzigen Situation unvermeidbar. Diese neuen Vorschriften beeinträchtigen das wirtschaftliche, sportliche und kulturelle Leben.

Das Ziel ist klar:

Die Ausbreitung des Virus zu bremsen und das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen. Denn wenn zu viele Menschen aus der Risikogrippe gleichzeitig erkranken und ein Spitalbett, Pflege und Sauerstoff benötigen, was passiert dann mit jenen Menschen, die zusätzlich krank werden, einen Unfall haben oder eine Operation brauchen?
Diese Massnahmen können das Virus nicht aufhalten, aber vielleicht so eingrenzen, dass unsere Gesundheitssysteme besser damit fertig werden.

Plötzlich fängt man an zu realisieren, dass man ja auch in seinem Umfeld Personen kennt, die zur „Risikogruppe“ zählen. Mein Bruder zum Beispiel. Er ist über 40 Jahre alt, hat das Down Syndrom, einen starken Herzfehler und würde das Virus wohl kaum überleben.
Oder Oma und Opa, die bereits über 70 sind, vielleicht an Herzkreislaufproblemen, chronischen Krankheiten, oder an Diabetes leiden. Auch sie würden viel stärker mit der Krankheit zu kämpfen haben, vielleicht ebenfalls im Spital landen oder gar daran sterben.
Vor allem deshalb wird gerade alles auf ein Minimum reduziert und wir werden dazu angehalten, unseren Bewegungsradius einzuschränken.
Das ist ungewohnt und führt zu Verunsicherung, besonders bei Kindern.

«Oma du musst aufpassen wegen dem Virus, denn du bist schon alt»


Bei vielen Kindern sind in den letzten Tagen viele Fragen aufgetaucht:

Warum dürfen sie plötzlich nicht mehr zu Oma und Opa, auf den Spielplatz, ins Kinderturnen?
Warum müssen sie nonstop die Hände waschen und dann erst noch 30 Sekunden lang?
Ist jemand der hustet bereits dem Tode geweiht?

Kinder schnappen so vieles auf und haben plötzlich das Gefühl, dass wir bald ALLE sterben müssen. Fingerspitzengefühl ist also gefragt. Was es braucht ist eine gute Mischung zwischen zuhören, erklären und Normalität wahren.

Nicht jede Tickermeldung, jede Schlagzeile gehört in Kinderohren

«Uuuhh, jetzt können wir bald nicht mehr aus dem Haus.»
«Schon wieder 15 Tote mehr, wenn das so weitergeht sind wir bald alle ausgestorben.»
«Hast du gelesen Schatz, die über 60-Jährigen trifft es am Ehesten.»
«So wie der hustet, gehört der schon längst in Quarantäne»
«Sind wir bald alle tot.»

 

Egal ob am Mittagstisch, am Telefon mit der besten Freundin oder am Abend vor dem TV:
Kinder haben ihre Ohren oft überall und hören ganz genau, was besprochen wird. Schnappen sie immer nur Schlagzeilen, Stichwörter und Sätze über Horrorszenarien auf, dann bleiben natürlich auch nur diese hängen. Kinder können diese Meldungen nur schwer einordnen, sie sind verunsichert, verängstigt und erzählen das meist ungefiltert ihren Freunden im Kindergarten oder in der Schule weiter. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Kinder plötzlich das Gefühl haben, alle kranken Menschen würden jetzt auf der Stelle sterben.

Deshalb: Seid vorsichtig mit diesen «Hast du gehört?»-Stories, wenn Kinder in der Nähe sind. Informiert sie altersgerecht, regelmässig aber überfordert sie nicht.
Antwortet auf Fragen auch mal mit Gegenfragen:

«Was denkst du denn?»
«Wie stellst du dir das vor?»
«Was könnte man tun?»

Ein paar Hygiene Regeln festlegen

Setzt euch in Ruhe zusammen, besprecht die wichtigsten Regeln, lasst die Kinder mitdiskutieren, schreibt alles auf ein Blatt Papier (zeichnet, klebt, bastelt), formuliert positiv und hängt es dann gut sichtbar irgendwo auf.
Erinnert die Kids am Anfang noch ein wenig daran, in dem ihr kurz auf das Regelblatt zeigt und sagt:
«Wisst ihr noch, was wir zusammen besprochen haben?»

Ihr könnt auch zusammen ein akustisches Signal festlegen.
Wenn etwas vergessen geht, dann macht ihr einfach das entsprechende Zeichen (Entengeräusch, Sirene, Glocke usw) und man weiss sofort was Sache ist.

Und dieses Video solltet ihr euren Kids unbedingt auch noch zeigen. :-)

Wenn ihr das Video auf YouTube direkt anschaut, dann könnt ihr unten aufs Zahnrad klicken und die deutschen Untertitel einschalten.

«Alter! Dieses Scheiss Virus interessiert mich einen Scheiss!»

Wer Teenies zu Hause hat, der hat diesen Satz wahrscheinlich auch schon in irgend einer Form gehört. Übersetzt könnte das heissen:
Es ist einfach zu viel Information für mich.
Ich kann nicht damit umgehen, ich will das nicht mehr hören und lesen.
Wegen diesem Virus müssen sich meine Gewohnheiten verändern.
Veränderungen machen mich aber unsicher.
Ich mag es so, wie es immer schon war.
Stehen Änderungen an, dann stresst mich das, ich kann das aber nicht so direkt formulieren.
Und vor allem:
Wenn Erwachsene sagen, dass etwas gefährlich ist, dann…
Ach, ihr wisst schon. ;-)

Also. Lasst euch davon nicht provozieren. Wenn sie nicht darüber sprechen wollen dann lasst sie.
Achtet auf kleine Zeichen, falls sie es trotzdem plötzlich tun möchten. Oftmals werden die etwas versteckt wiedergegeben oder muss man auch einfach nur den richtigen Moment abwarten.
Manchmal können auch MEMES oder Social Media Posts ein Türöffner für eine Diskussion sein. Seid hellhörig aber nicht aufdringlich und nervig.
Regeln wie Hände waschen dürft und sollt ihr aber trotzdem kommunizieren. Vielleicht trefft ihr dabei auch gleich eine Abmachung. Ihr akzeptiert ihren Wunsch nicht ständig über das Thema zu debattieren, sie akzeptieren die Hygiene Regeln.

Die Welt steht plötzlich still

Ja, das Virus hat uns zur Zeit fest im Griff. Unsere Welt, in der wir uns bis jetzt  in rasanter Geschwindigkeit bewegt haben, steht quasi still.
Wir werden aus unserer Komfortzone heraus geschleudert, müssen Gewohnheiten umstellen, Rücksicht nehmen.
Das ist ungewöhnlich für unsere Gesellschaft, die immer nur auf sich selber fixiert, selten selbstlos und wenig empathisch ist.
Vielleicht ist gerade diese Krise aber auch eine Chance, uns wieder auf diese Werte zu besinnen. Plötzlich entsteht wieder so etwas wie ein „WIR-Gefühl“.
Via Facebook und Twitter bilden sich plötzlich Hilfsgemeinschaften, die wildfremden Risikopatienten die Einkäufe erledigen. Italiener, die ihre Häuser nicht verlassen sollten, singen plötzlich von ihren Balkonen, um sich in der Quarantäne trotzdem irgendwie „nah“ zu sein.
Alle sitzen irgendwie im gleichen Boot. Bald werden wir alle irgend jemanden kennen, der selbst betroffen ist. Viele werden um liebe Menschen bangen oder sie gar verlieren.
Vielleicht merken wir in diesen Tagen wieder vermehrt, wie zerbrechlich dieses ganze System ist und dass wir zueinander Sorge tragen müssen. Auch wenn die grosse Krise irgendwann mal vorbei ist.

Was wir brauchen ist nicht einfach nur einen Keller voller Notvorräte und Toilettenpapier, sondern ganz viel Solidarität. Und wenn wir diese auch nach der Corona-Krise in vielen anderen Bereichen dieser Gesellschaft weiter aufrecht erhalten können, dann haben wir aus dieser Katastrophe vielleicht sogar noch etwas gelernt.

Seid weiterhin wachsam, nicht hysterisch
Informiert euch regelmässig bei offiziellen Stellen, wie zum Beispiel dem:

Bundesamt für Gesundheit (CH)
Bundesgesundheitsministerium (D)

Und passt auf euch auf!

♥ Danke fürs Teilen ♥

2 Kommentare

  1. Jacqueline Stritt am

    Liebe Kathrin,

    Danke für deinen Bericht. Einfühlsam und für mich sehr hilfreich. Auch wir haben in der Familie nahestehende um die ich mir Sorgen mache (Mutter lungenkrank und ein Geschwister hatte (mit 36) Lebertransplantation und noch andere Sachen zusätztich und einer Diabetes etc.) Zusammenhalten und aufeinander achtgeben. Und wenn man einander nicht sehen kann wenn man kränkelt, dann schreiben, telefonieren! Eine neue Lebensart ist es die es gilt zu intensivieren. Alles Gute Dir und Deiner Familie und allen anderen auch. Häbet Sorg zunand ♡

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