Wenn man als Eltern an sich selber zweifelt

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Es gibt Tage an denen könnte man locker mit den wunderbaren Familien-Werbespots mithalten:
Man sitzt gemütlich mit einer Tasse Detox Tee und einem biologischen Apfel im Garten, die Sonne scheint, überall hat’s tolle Blumen, man sieht ein paar Schmetterlinge, die Kinder spielen fröhlich im Sandkasten, teilen ihr Spielzeug und fragen ganz lieb und anständig, ob sie vielleicht etwas Süsses bekommen.
Während dem man ihnen den leckeren Schoko-Riegel überreicht, bedanken sie sich artig und gehen Hand in Hand wieder zu ihrem Spiel zurück.
Ein bisschen später kommt dann auch noch der gut gelaunte Mann nach Hause. Mit einem grossen Blumenstrauss.

Okaaay, DAS war jetzt ein bisschen übertrieben. Diese Harmonie findet man wirklich ausschliesslich in schön inszenierten Werbeclips und weniger im realen Leben.

Und doch, gibt es so viele tolle, erfüllende, bereichernde Momente. Situationen, in denen einem das Herz aufgeht, wo man stolz, glücklich und rundum zufrieden ist.

Jugendliche, Kinder, Liebe Mamas, Selbstzweifel, verunsichert, traurig, Teenie, Teenager, Jugendliche, Garten, Herz

Doch da gibt es eben oft auch die anderen Momente.
In denen einem einfach alles zu viel wird, man unsicher, müde, traurig, einsam ist und sich fragt, was man hier eigentlich genau macht.
Momente, in denen man am Liebsten alles hinschmeissen möchte, in dem einem alles ungerecht, unüberbrückbar, un-machbar erscheint.
Man könnte nur noch heulen, sich hinter dem Sofa verstecken, ins Bett liegen, einen Tarnumhang anziehen oder am besten einfach verschwinden.
Weg.
Tschüss.
Bye bye.
Niemanden mehr sehen oder hören.

Und erwähnt man diese Selbstzweifel irgendwo, dann bekommt man vor allem eines zu hören:

UNVERSTÄNDNIS

«Warum bist du bloss so undankbar?»
«Du hast ja Kinder gewollt, also warum jammerst du hier jetzt bloss herum?»
«Früher, ja früher da war alles noch viel schlimmer und anstrengender und überhaupt.»
«Jetzt stellt dich nicht so an, es gibt Schlimmeres.»

Irgendwie, so scheint es, ist Selbstzweifel in unserem Job als Eltern ziemlich verpönt.

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Eltern leisten Grossartiges

Das muss man sich immer wieder bewusst werden. Es ist ein ungeheurer Balanceakt, bei dem die eigenen Bedürfnisse oft zu kurz kommen. Je älter die Kinder werden, umso weniger Momente der „offensichtlichen“ Dankbarkeit gibt es. Man muss sich viel mehr darauf achten, sie manchmal sogar fast ein bisschen suchen und sie ganz bewusst wahrnehmen.
Mit kleinen Kindern gibt es immer mal wieder einen Drücker, einen Kuss, eine Umarmung, eine Kuschelzeit, man bastelt, singt Lieder, baut eine Höhle im Kinderzimmer, schaut zusammen ein Buch, geht spazieren, baden, einen Schneemann bauen. Man kann seinen „Glückstank“ immer mal wieder etwas aufladen und die anstrengenden Momente damit ein bisschen kompensieren.
Werden die Kids grösser, dann gibt es leider immer weniger solcher Momente.
Küssen und kuscheln wird mit Heranwachsenden immer schwieriger, es ist ihnen «Voll peinlich, Alter!»
Singen tun sie, wenn überhaupt nur noch unter der Dusche oder im Zimmer.
Wenn sie lesen, dann vor allem Chat-Nachrichten.
Das Kinderzimmer IST jetzt die Höhle, da muss man gar nichts mehr dazu beitragen.
Und ins Schwimmbad gehen sie nur noch mit ihren Freunden.

Die Konflikte, die Auseinandersetzungen werden grösser, anspruchsvoller – die offensichtlichen Momente des Glücks werden weniger. Das heisst nicht, dass sie nicht da sind, aber man muss sie ganz BEWUSST wahrnehmen, sich viel mehr darauf achten und sie eben dann den Kids auch zurückmelden.

Tut man das nicht, dann hat man schnell mal das Gefühl, dass einfach alles schief läuft und sie kommen immer und immer wieder:

DIE SELBSTZWEIFEL

«Warum klappt das nicht?»
«Hab ich versagt?»
«Bei den anderen geht das doch auch irgendwie.»

Und ich glaube gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir eben immer mal wieder darüber sprechen. Auch über die nicht so tollen Momente, über den Stress, den Ärger, die Wut, das Unverständnis, den Frust, welcher der Familienalltag mit Kindern eben manchmal auch mit sich bringt.
Einfach um zu merken:
«Hey, ich bin nicht die Einzige. Anderen geht es manchmal ganz ähnlich. Sie haben auch manchmal das Gefühl, dass sie hier viel leisten, aber niemand das so richtig wahrnimmt und honoriert. Es ist normal, dass uns unsere Kids immer mal wieder fast zum Wahnsinn treiben.
Egal wie alt sie sind.»

Eltern sein ist ein anstrengender Job.
Und genau wie das bei anderen Jobs auch der Fall ist, hat man manchmal keine Lust, fühlt sich überfordert, müde, ausgelaugt, gelangweilt, unterbezahlt :-)

Ja ich zweifle manchmal auch.
An mir, an meinem Weg, an meiner Kommunikation, am «wie und warum?»
Und manchmal hab ich das Gefühl, dass es nur Steine hat auf diesem Weg, dass ich nur stolpere und mir die Puste ausgeht.
Aber dann seh ich, dass Andere auch ab und zu hadern und dass diese Selbstzweifel eben auch helfen, unser Tun aber auch unsere Bedürfnisse immer wieder kritisch zu hinterfragen und wieder mehr auf unser Bauchgefühl zu hören.

«Was läuft hier schief und warum?»
«Wie nah bin ich an meinen Kindern dran?»
«Wie kann ich den Fokus wieder vermehrt auf das Positive legen?»
«Warum bin ich bloss so nachtragend?»
«Was brauche ich, um mal wieder richtig durchzuatmen?» 

Diese Fragen muss man sich immer wieder stellen und versuchen Antworten zu finden.
Und dann kann man auch mit den Steinen, die im Weg liegen etwas Schönes bauen.

 

 

2 Kommentare

  1. Liselotte Braun am

    Sehr guter Artikel! Deshalb finde ich Elternkurse (zB STEP) so wertvoll, wo sich die Eltern austauschen, über Freuden und Schwierigkeiten berichten können. Sie erhaltenhilfreiche Inputs für den Erziehungsalltag und merken: wir sind alle im selben Boot!

  2. Angela Schmid Joly am

    Danke für diesen Beitrag.Hat mich aufgestellt und gutgetan.

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