Weniger ist mehr

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Still sitzen, nicht rennen, anständig essen, nicht rülpsen und furzen, nicht immer das letzte Wort haben, bedanken und grüssen, Gemüse essen, lieb mit der kleinen Schwester sein, ohne zu murren die Hausaufgaben machen, schön aufräumen, nicht trotzen, lieb sein. Spielen, aber kein Chaos machen, interessiert sein aber dann doch nicht den ganzen Tag Fragen stellen, zuhören und gehorchen.
Uff!
Eine ganze Menge und noch viel mehr kommt da täglich an Erwartungen auf unserer Kids zu.

Egal ob klein oder gross. Manchmal wissen wir gar nicht so recht, warum wir das Eine oder Andere verlangen. Es gehört sich halt so, wir mussten es als Kinder auch so machen, wo kämen wir denn da hin? Ist doch selbstverständlich, dass das alles klappen muss.
Die Kinder der besten Freundin sind schliesslich auch immer ganz brav. (Zumindest dann, wenn wir sie sehen…)

Klar, ein paar Regeln und Abmachungen braucht es, damit es nicht total im Chaos ausartet. Wenn wir gewisse Dinge verlangen, dann müssen wir das vorher mit den Kindern besprechen und ihnen auch sagen, was uns stört, und was wir von ihnen möchten.
Es bringt nichts, wenn wir die gleichen Dinge, zwanzig Mal am Tag wiederholen, denn diese Wiederholungen verpuffen meistens, im lauten Kinder- und Erziehungsalltag. Und wenn Kinder ständig irgendwelche Anweisungen oder Befehle bekommen, dann machen sie irgendwann mal einfach ihre Ohren zu, damit sie das nervige Geplapper nicht mehr hören müssen…
Und die Teenies, die fangen dann plötzlich an die Augen zu verdrehen, ganz laut zu schnaufen und zu sagen: „Jaaa-aaa. Ich wee-eeeiss, das hast du jetzt schon 10 Mal gesaa-aaagt!…“
(Würden wir bestimmt auch so machen, wenn wir einen Mann, einen Chef oder eine Schwiegermutter hätten, die so viel reden und Anweisungen geben würde…)

Ich kann es nicht genug wiederholen:

Weniger ist mehr

Überlegt euch immer, bevor ihr etwas sagt:

Ist das jetzt wirklich wichtig?
Braucht mein Kind diese Info?
Passiert etwas ganz, ganz Schlimmes, wenn ich das jetzt nicht sage?
Was will ich überhaupt von meinem Kind? 
Warum ist mir das jetzt so wichtig?

Ganz oft gibt es nämlich sehr gute Alternativen zu unserem ewigen Redeschwall:

Eine Geste machen

Sich den Finger auf den Mund halten (z.B wenn man möchte, dass das Kind mit einer leisen Stimme spricht).
Die Hand auf die Hand des Kindes legen (z.B wenn man möchte, dass es einem nicht immer ins Wort fällt)
Ein Nicken, ein Zuzwinkern, „Daumen hoch“, ein Lächeln (z.B wenn etwas gut geklappt hat und man seine Wertschätzung ausdrücken möchte).

Ein paar Regeln und Abmachungen zusammen besprechen

Mit Fragen und Gegenfragen die Kinder selber nach Lösungen suchen lassen:
„Wie wollen wir das machen?“
„Hast du eine Idee?“
„Was könntest du tun?“
„Was brauchst du, damit du daran denkst und es nicht immer vergisst?“

Die Regeln möglichst positiv formulieren, aufschreiben und aufhängen.
Das ist wirklich sehr hilfreich, damit die Kinder nicht ständig die gleichen Dinge Fragen und ihr nicht ständig die gleichen Antworten geben müsst.
Ihr könnt dann einfach sagen: „Schau mal auf unserem Plan/Blatt was wir abgemacht haben“.
Mehr dazu findet ihr hier.

Dinge visualisieren

Viele Sachen klappen viel besser, wenn man mit den Kindern kleine „Reminder“/Gedankenstützen macht.“
Einen Wochenplan z.B, damit sie wissen, wann Mittwoch ist und wann die Oma zu Besuch kommt.
Einen „Ablaufplan“ fürs morgendliche Aufstehen und Anziehen.
(Was kommt in welcher Reihenfolge? Zu welcher Zeit?)
Ein kleines Bild/Zeichnung im Badezimmer aufhängen, damit sie daran denken, nach dem Essen die Hände zu waschen.
Solche Erinnerungsstützen helfen im Alltag immer ganz gut. Viele Dinge, tun Kinder nämlich nicht aus bösem Willen, sondern weil sie einfach nicht daran denken oder es ihnen nicht so wichtig ist wie uns Erwachsenen.

Rituale einbauen

Kinder lieben Wiederholungen und wenn Dinge und Situationen immer gleich sind.
Jedes Mal das gleiche Essenssprüchli aufsagen, das gleiche Buch anschauen, die gleichen Grimassen machen, die gleichen Zahnteufelchen suchen, sich in der gleichen Reihenfolge an- oder ausziehen.
Für uns ist das oft nicht nahvollziehbar und nicht selten, sehr sehr langweilig.
(Hand aufs Herz: Wer ist nicht schon mal beim Erzählen des immer gleichen Bilderbuchs, in einen Sekundenschlaf gefallen?…)
Für die Kinder ist es eine Hilfe und Stütze, um sich an Dinge zu erinnern und sich sicher zu fühlen.
Mehr dazu findet ihr hier.

Einfach ab und zu die Klappe halten

Wir müssen nämlich nicht immer und überall alles kommentieren und nicht alles was Kinder tun wollen, ist lebensgefährlich. Ganz oft können wir uns das: „Achtung mein Schatz, pass auf, gell du hast schon gesehen dass, es ist dann im Fall, du darfst nicht immer, es ist nicht gut, wenn du, jetzt musst du aber wirklich, lass mal, nimm das, du musst das jetzt…“-Geplapper, nämlich getrost sparen.

Also denkt dran:

Weniger ist ganz oft, einfach mehr