Was sagt man Kindern, wenn einem selbst die Worte fehlen?

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Was soll man auch über Erziehung schreiben, wenn zwei Männer mit Kalaschnikows die Redaktion eines französischen Satiremagazins stürmen und 12 Menschen kaltblütig ermorden?
Es ist einfach unfassbar. Es macht unglaublich wütend und man möchte einfach nur noch schreien.
Was gestern in Paris passiert ist, hat die die Welt wieder einmal sprachlos gemacht. Aber dieses Mal war die Sprachlosigkeit nur kurz. Schon Minuten nach dem Anschlag begannen die Menschen sich zu wehren und zu sich zu solidarisieren. Mit Worten, mit Bildern, mit Zeichnungen.
Wer sich auf Twitter bewegt, hat das hautnah mitbekommen. (Ein paar Bilder und Skizzen findet ihr in dem sehr wütenden, aber berührenden Kommentar von Marie von Benken (@Regendelfin) auf mobilegeeks.de )

Kaum war die Zahl der Todesopfer bekannt, haben Cartoonisten ihre Bleistifte gespitzt und ihre Wut und ihr Unverständnis in Zeichnungen umgewandelt. „Nein, wir lassen uns vom Terror nicht unterkriegen. Wenn IHR mit Waffen gegen die Meinungs- und Pressefreiheit kämpft, dann kämpfen WIR mit unseren Worten und mit unseren Stiften dagegen.“
Das war der Tenor gegen den Terror.

Und dann sitzt du so da vor deinem Laptop, klickst dich durch die grauenvollen Meldungen und dann kommen deine Kids und fragen:
„Was sind das für Männer? Warum tragen die Mützen und Waffen? Haben die jemanden getötet? Warum?“

Was sagt man da?

„Weil die total wahnsinnig, übergeschnappt, verblendet, unterbelichtet sind?“
„Weil die keinen Respekt vor dem Leben und anderen Menschen haben?“
„Weil die komplett irr, fanatisch und kriminell sind?“
„Weil die irgendwann mal aus der Bahn geworfen wurden und sich dann blenden liessen vom religiösen Wahnsinn?“
„Weil die nie gelernt haben, dass es eine Meinungs- und Pressefreiheit gibt?“
„Weil sie Monster sind?“

Es ist schwierig Kindern diese Welt der Erwachsenen zu erklären.
Versucht man es so ein bisschen, wird man mit „WARUM“-Fragen wahrlich zugeschüttet.

„Warum haben sie denn diese Zeitungen gelesen, wenn sie diese Bilder nicht mögen?“
„Verstehen die denn keinen Spass?“
„Wie können die einfach diese Menschen töten?“
„Haben die wohl auch Kinder?“
„Wo schlafen die heute Abend?“
„Wie alt sind die?“
„Was sagt denn der Chef von denen, wenn er das mitbekommt?“
„Warum stehlen die ein Auto, haben die kein eigenes?“
„Woher wussten die, wen sie erschiessen wollen?“

Wie können wir Kindern solche Grausamkeiten erklären wenn wir selber keine Worte finden dafür?
Wie viel können wir ihnen überhaupt zumuten und was sollen wir erzählen? Verstecken wir einfach die Zeitungen und schliessen alle Newsseiten? Lügen wir ihnen etwas vor oder sagen einfach salopp: „Ach, das versteckst du noch nicht, das ist Politik.“

Kinder sind nicht dumm. Sie merken schnell, wenn Schreckliches passiert ist. Oft stellen sie dann Fragen und sie haben auch ein Recht auf Erklärungen.
Es ist an uns Erwachsenen, ihnen das Unvorstellbare so zu erklären, dass sie vielleicht ein paar Antworten finden.
Es ist an uns, ihnen zu zeigen, dass wir durch solch schreckliche und feige Anschläge, nicht in Angst und Panik verfallen dürfen, weil es genau DAS ist, was der Terrorismus will.
Manchmal hilft es, wenn man Gegenfragen stellt und die Kinder nach IHREN Vorstellungen und Meinungen fragt. So kann vielleicht trotz des schrecklichen Ereignisses, ein spannendes, wertvolles Gespräch entstehen.

Und manchmal bleibt einem auch einfach nix anderes übrig als zu sagen:
„Ich weiss es nicht.“
„Ich weiss es beim besten Willen nicht.“
„Ich habe keine wirklich gute Antwort darauf.“

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