Die Negativliste

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„Ach herrje, er haut einfach immer seinen kleinen Bruder.“
„Er ist soo frech im Moment.“
„Sie kann einfach immer noch nicht alleine aufs Klo gehen.“
„Ständig heult sie, wenn sie am morgen in den Kindergarten muss.“
„Die zwei sind wie Katz und Maus. So macht das einfach keinen Spass.“
„Er hört einfach nie was ich sage, rennt ständig weg und brüllt wie am Spiess.“
„Sie lässt immer alles liegen, voll nervig.“

Ja, wenn wir Eltern über unsere Kinderlein sprechen, dann erzählen wir unseren Nachbarn, Schwestern, Müttern, Freundinnen meisten nur, was sie wieder angestellt, dass sie irgend einen Mist gemacht oder wieder mal nicht auf uns gehört haben.
Würden unsere Kinder später einmal alle unsere Forums- und Facebook-Einträge lesen, würden sie bestimmt in eine tiefe Depression fallen:

„Hilfe! Mein Sohn hat wieder mal das Sofa angemalt!“
„Spinnen eure Kids heute auch so wie meine? Das ist ja echt nicht zum aushalten!“
„Jeden Morgen das gleiche Theater. Er will sich einfach nie anziehen!“

Ja, die Negativliste ist immer recht lang.
Leider.

Dabei gibt es soooo viele Dinge, die unsere Kids gut können, so viel Tolles, Bereicherndes, Positives.
Wirklich.
Man muss einfach immer wieder genau hinschauen und den Fokus etwas mehr auf genau diese positiven Momente lenken.
Ja. Viele Dinge sind noch nicht perfekt, es braucht oft verschiedene Anläufe. Kinder machen immer wieder Fehler, sie vergessen Dinge, sie haben andere Vorstellungen von Recht und auch von Ordnung. Sie brauchen manchmal viel mehr Zeit, um gewisse Sachen zu erledigen, sie sind manchmal ungeschickt, oft auch laut, fordernd, ungeduldig.
Wenn wir Kindern aber ständig nur erzählen, was sie alles falsch machen, worüber wir uns wieder geärgert haben, dann werden sie schnell mutlos, traurig und verlieren oft auch ihr Selbstbewusstsein.
„Ich kann es ja eh nicht. Mama schimpft ja eh immer nur mit mir. Es merkt ja sowieso niemand, wenn ich mich gut benehme, also was soll’s?“

Gerade nach einem anstrengenden Tag, muss man manchmal wieder kurz inne halten, tief durchatmen, den Schimpfmodus ausschalten und sich wieder mehr auf das „volle“ und weniger auf das „halb leere Glas“ achten.

Wenn wir uns wieder etwas mehr auf das Positive konzentrieren, dann werden wir am Abend viel zufriedener auf den Tag zurück blicken und sagen können: „Hey. Das lief doch heute eigentlich ganz gut.“