Wenn Kinder hauen oder beissen – und was man dagegen tun kann

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Sie sind klein, sie sind süss und ganz plötzlich passiert etwas, womit niemand gerechnet hat:
Sie beissen.
Sie hauen.
Manchmal beides zusammen.
Ein Schock für viele Eltern, hätten sie doch niemals gedacht, dass so ein kleines, niedliches Kind, so etwas Böses tun würde. Und sie tun genau das, was sie eigentlich nicht tun sollten: Sie fangen an zu reden. Sie reden und reden und lamentieren und schimpfen, sie erklären dem kleinen Kind, wie böse das ist, und das man so etwas nicht tun darf, und dass es weh tut, und dass sie enttäuscht sind und überhaupt. Sie hören gar nicht mehr auf und schenken damit dem Kind Aufmerksamkeit für etwas, das sie eigentlich gar nicht möchten. Das Kind merkt schnell:
„Aha, wenn ich beisse oder haue, dann kümmert sich meine Mama oder mein Papa um mich. Das ist toll, das mach ich noch öfters.“
Und so beissen und hauen sie immer wieder.
Manchmal aus lauter Freude, manchmal aus Wut, weil der Silvan wieder mal genau das Feuerwehrauto genommen hat, welches sie eigentlich selber gerne hätten. Sie haben gemerkt, wenn man beisst, dann lässt er das Auto los und die Mama sagt dann zum Silvan:
„Ach lass ihn doch, du bist doch der grosse Bruder, gib ihm doch jetzt dieses Auto. Du kannst ja ein anderes nehmen.“

Manchmal beissen sie auch die Mama, wenn sie zum Beispiel wieder mal „Nein“ gesagt hat. Denn „Nein“, macht wütend. „Nein“ mögen die Kinder nicht, „Nein“ ist endgültig und zeigt keine Alternativen auf.
Manchmal beissen sie auch, weil sie Aufmerksamkeit wollen, weil die Mama sich grad mit dem älteren Geschwisterchen beschäftigt und mit Beissen und Hauen bekommen sie genau diese Aufmerksamkeit, immer und immer wieder.
Und die Eltern fragen sich dann: Wie um Himmelswillen kann ich meinem Kind das wieder abgewöhnen?
Und sie posten diese Fragen dann in den sozialen Netzwerken und kriegen dann meistens die Antwort, bei der mir immer ein bisschen die Haare zu Berge stehen.
„Du musst halt zurück beissen. Nicht fest, nur ein bisschen. Sonst lernt er das nie, dass es weh tut.“

So. Und dazu muss ich jetzt einfach mal ein paar Dinge sagen.

Wenn Kinder hauen oder beissen, dann könnt ihr folgendes tun:

1. Nicht gleich in Panik ausbrechen und das Kind beim Kinderpsychologen anmelden
Wenn kleine Kinder bis zu 3 Jahren hauen oder beissen, ist das völlig normal und gehört zur Entwicklung dazu. Also keine Sorge.
Die Kinder merken schnell, dass sie eine „Wunderwaffe“ besitzen, die sie überall einsetzen können – die eigenen Zähne. Wenn sie also nicht wissen, wie sie mit einer Situation umgehen sollen, wenn sie sauer, wütend, frustriert sind oder Angst haben, beissen sie öfter mal zu. Manchmal passiert das auch einfach aus Übermut, aus Spass oder weil sie auf der Suche nach Aufmerksamkeit sind. Sie tun das nicht weil sie besonders böse sind oder uns ärgern wollen.

2. Beobachten
In welchen Situationen beisst oder haut das Kind?
Achtet euch einmal ein bisschen darauf. Oft kann man ein bestimmtes Verhaltensmuster erkennen und kann dadurch besser vorbeugen, sprich ablenken, sich mit dem Kind beschäftigen,  es in eine neue Tätigkeit verwickeln oder die Kinder trennen, bevor es zur Beissattacke kommt.

3. Nicht einfach nur „Nein“ sagen
Oft beissen Kinder, wenn man ihnen keine Anweisung gibt, sondern einfach nur „Nein“ sagt. Das erzeugt bei Kindern immer Wut und Ärger. Sagt nicht einfach nur „Nein“, sondern versucht wenn immer möglich eine Alternative anzubieten und diese dann auch „gut zu verkaufen“. In vielen Fällen hilft ein: „Schau mal, ich habe dir einen viel besseren Platz für dein Feuerwehrauto. Komm mal mit, hier kannst du viel besser spielen und es hat erst noch einen super Parkplatz“ besser als einfach ein: „Nein. Hier darfst du nicht mit dem Auto spielen.“
Bevor ihr „Nein“ sagen wollt, überlegt auch immer kurz, ob das wirklich wichtig und nötig ist.
„Warum darf mein Kind das jetzt nicht tun? Gibt es wirklich einen trifftigen Grund oder sag ich das jetzt einfach so, weil ich eh den ganzen Tag etwas viel rede?“  ;-)

4. Wenn Kinder gehauen oder gebissen haben
Trotz aller guter Vorbereitungen kann es manchmal vorkommen, dass die Kinder beissen oder hauen. Kümmert euch dann zuerst um das „Opfer“ geht zu ihm hin, tröstet es und schaut, wie schlimm es ist.
Schimpft nicht einfach mit dem „Beisser-Kind“, das macht alles nur noch schlimmer. Sagt ihm, dass es nicht ok ist, versucht aber gleichzeitig eine Alternative aufzuzeigen: „Wenn du nicht möchtest, dass die Melanie dein Auto nimmt, was könntest du denn tun?“
Übt das immer mal wieder, wie ein kleines Rollenspiel, damit Kinder lernen, dass es andere Wege zum Beissen und Hauen gibt.

Wenn es wieder passiert, dann ist es sinnvoll den „Schauplatz“ einen Moment zu verlassen. Entweder man geht einen Moment aus dem Zimmer, man nimmt das Kind kurz aus der Situation heraus und sagt warum man es tut.
Wichtig ist aber, dass man nach ein paar Minuten das Kind wieder mitspielen lässt, damit es das „richtige Verhalten“ üben kann. Einfach nach Hause zu gehen, löst das Problem nicht und das Kind hat keine Möglichkeit es besser zu machen.

Es ist ein Üben und Trainieren.
Das ist A N S T R E N G E N D, da geb ich euch Recht. :-)
Ihr könnt die Kinder zu einer Entschuldigung anleiten, in dem ihr z.B sagt:
„Schau mal, du hast dem Robin jetzt ganz fest weh gemacht. Was könntest du jetzt tun, um ihn etwas zu trösten?
Wenn Kinder sich nicht sofort entschuldigen wollen, zwingt sie nicht dazu! Das bringt nix.
Ihr könnt es später in einer ruhigen Minute immer noch einmal probieren.

Manchmal stimmt auch einfach die Konstellation nicht. Nicht alle Kinder können es mit allen Kindern gleich gut. Da kann es manchmal hilfreich sein, den Kontakt einen Moment etwas zurück zu fahren, etwas weniger zusammen abzumachen und es dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu versuchen.

Wenn ganz kleine Kinder (Babys) EUCH beissen, dann sagt ihnen:
„Au das tut mir weh!“
Wenn ihr das Baby oder Kleinkind auf dem Schoss habt, dann setzt es ganz kurz, ohne zu schimpfen auf den Boden und entzieht ihm so die Aufmerksamkeit. Überlegt euch auch hier, welche Alternativen ihr anbieten könnt. z.B einen Beissring, ein Stück hartes Brot, eine kleine Kinderzahnbürste, eine Karotte und sagt ihm dann: „Schau, hier darfst du hinein beissen.“

5. Niemals zurück beissen
Gleiches sollte man nie mit Gleichem vergelten!
Kinder beissen und hauen in den meisten Fällen nicht mit bösen Hintergedanken.
Und auch wenn. Es geht es darum ihnen ein vernünftiges Alternativverhalten zu lehren und sie nicht mit dem gleichen Fehlverhalten zu „bestrafen“.
Also:
Nicht zurück hauen oder beissen!
Wenn ihr den Kindern unbedingt zeigen wollt, WIE sich ein Biss anfühlt, dann könnt ihr das in einer ruhigen Minute machen und die Kinder an ihren eigenen Armen mal sanft ausprobieren lassen, wie sich das Beissen „denn eigentlich so anfühlt.“
Also nicht IHR beisst SIE, sondern SIE können das mal an IHREM EIGENEN Arm ausprobieren.
Man kann Kindern schlecht kommunizieren dass beissen und hauen nicht ok ist, wenn man sie selber bewusst zurück beisst.
Man haut Kindern auch nicht auf den Kopf, wenn sie ein anderes Kind hauen, nur um zu zeigen dass es nicht ok ist.
Man leert auch nicht extra ein Glas Wasser auf dem Tisch aus, nur weil sie es auch tun.
Man brüllt sie auch nicht an, nur weil sie laut brüllen.
Beim Beissen ist das nicht anders. Auch wenn viele das Gegenteil behaupten.
„Wie du mir so ich dir“ ist in der Erziehung ein schlechter Ratgeber.
Wenn ihr es trotzdem aus Reflex, aus Wut, Ärger, Frust trotzdem einmal getan habt, entschuldigt euch kurz.

Das wär’s von mir zu diesem Thema.