Erziehungsfanatiker-Nörgler-Besserwisser

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Bevor ich hier anfange brauch ein paar Schoggikugeln und Kaffee.
Warum?
Weil ich mich ärgere.
Ärgere über Erziehungstanten und Onkel die meinen, nur ihre Wahrheit sei die einzig Richtige.
„Du bist doch auch so eine Erziehungstante!“ mögt ihr vielleicht jetzt denken.
Und ja, da habt ihr nicht unrecht.
Aber wisst ihr, was ich mir auf meinem Elternplaneten  auf die allererste Flagge geschrieben habe?

Gib Tipps aber missioniere nicht! – Biete Hilfestellungen an, aber dräng sie den Leuten nicht auf.

Manchmal kann es helfen, wenn man von aussen ein paar Anregungen bekommt, vielleicht gewisse Dinge auch aus einer anderen Sichtweise betrachtet. Was es aber definitiv nicht braucht, sind fanatische, besserwisserische Menschen auch Experten gennant, die in Foren oder sozialen Netzwerken schlaue, wissenschaftliche Abhandlungen und Kritiken zu einzelnen Erziehungsmodellen posten oder einem die „Heilige Erziehungswahrheit“ aufdrängen wollen.
Denn:
Die gibt es gar nicht.

Wir sind es, die Eltern, die entscheiden welche Werte und Fähigkeiten wir in unseren Kindern wecken wollen. Wir entscheiden auch selber, wie wir das tun. Es ist nämlich auch möglich aus verschiedenen Erziehungsmodellen einzelne Sachen herauszupicken. Manchmal steckt man als Mama oder Papa in einer Sackgasse, man sieht vor lauter Bäumen den Wald grad nicht mehr und man ist empfänglich für Erziehungstipps. Aber die Betonung liegt hier ganz klar auf dem Wort Tipps.
Mich ärgert es schampar, wenn man Eltern Studien um die Ohren haut und erklärt, was an diesen oder jenen anderen Erziehungsstrategien falsch ist. Man kann zum Beispiel sagen, warum man sich in gewissen Situationen so oder so verhalten und welche Erfahrungen man damit gemacht hat. Als Eltern kann man dann aus diesen Erfahrungen für sich etwas raus nehmen, wenn man möchte, oder eben auch nicht.

Etwas mehr gesunder Menschenverstand, etwas weniger Erziehungsfanatiker

Wer sich in einer Negativspirale befindet, ständig nur noch mit seinen Kindern schimpft und droht und das Gefühl hat, alles wachse ihm über den Kopf, der ist sicherlich gut bedient, sich einmal etwas ausgiebiger mit dem Thema Erziehung auseinander zu setzen.
Oder auch ein Besuch auf dem Elternplaneten kann manchmal hilfreich sein. :-)

Ein Vortrag oder besser noch ein Kurs, der einem wieder ein paar neue Inputs gibt, alles wieder etwas relativiert und auch zeigt, was man denn eigentlich schon alles gut macht, kann da wirklich helfen.

Trotzdem:
Ein Kurs, ein Erziehungsmodell ist ein Anhaltspunkt. Es kann einem ein Türchen öffnen oder einen Stein ins Rollen bringen. Es braucht immer auch eine grosse Portion gesunden Menschenverstand.
Klar, kann man Dinge genau so machen, wie man es im Kurs gelernt hat oder wie es im Erziehungsratgeber steht.
Manchmal hilft aber auch, einfach ein bisschen Fantasie und Humor Verständnis für die Sorgen und Nöte der Kinder zu haben.

Man kann zaubern, lustig reden, wie ein Riese drein schauen, ein Schaukelpferd sein, reden wie ein Mäuschen, kichern wie eine Hexe, ein Wettrennen veranstalten, Kinder motivieren und ganz wichtig:
Dinge die doof sind so verkaufen als wären sie das Tollste auf der Welt.

Und manchmal ist man genervt, müde, ausgelaugt, schlecht gelaunt. Da hat man keinen Nerv für Zauberer und lustige Clownnummern, da reagiert man nicht nach dem Erziehungsschema xy. Da hört man nicht richtig zu, fragt nicht nach, ist einfach nur unfair und gemein. Stellt unmögliche Drohungen auf und noch unmöglichere Konsequenzen. Auch das kommt vor.
So lange das nicht zum Alltag wird, also man Kinder nicht ständig als Person schlecht macht, sie demütigt, nur an ihnen rum nörgelt, ihnen nicht zu hört, sie nur zu textet, nur ständig bestraft und bedroht.
Wir Eltern gehen als gutes Beispiel voran.
Manchmal gelingt uns das etwas besser, manchmal etwas weniger. Manchmal nehmen wir uns ein paar Ideen, aus Büchern, von Freundinnen, aus Erziehungsmodellen aber immer sollten wir den gesunden Menschenverstand bei uns haben.

Das Problem unserer Kinder ist,
dass sie ihre Eltern erst in einem Alter bekommen, in dem es kaum noch Hoffnung gibt, sie noch ändern zu können.
(von unbekannt)

PS:
Und falls ich euch mal besserwisserisch volllabere, zutexte und missionarisch  meine Erziehungsweisheiten verbreiten sollte:

Sagt es mir bitte, ja?

 

  • Kimera Stamm

    Jede Mutter wird naturgemäss von einer unbewussten Intuition zu Ihrem Kind begleitet. Wir haben ein inneres Gespür für das eigene Kind, so dass wir oft ohne Worte verstehen, was es uns mitteilen möchte. Im Tagesgeschehen ist es schwierig unsere Intuition, die innere Stimme zu hören und ihr zu folgen. Einflüsse und Informationen von aussen; Wünsche, Erwartungen, Anforderungen, Vorstellungen, gut gemeinte Erziehungsratschläge etc. lenken uns in der Kommunikation mit unseren Kindern ab und übertönen unsere eigene Wahrnehmung. Die sanften, leisen Botschaften der Kinder dringen durch den „Aussen-Lärm“ nur noch schwach oder gar nicht bis zu uns durch. Oft Vertrauen wir uns selbst zuwenig oder nicht und stützen uns auf der einen Seite hilfesuchend auf Ratschläge und Ratgeber von aussen und auf der anderen Seite, werden wir damit auch oft ungefragt damit konfrontiert und herausgefordert – es wird erwartet, dass wir es so und so machen, alles andere ist falsch – Stempel drauf und fertig. Für mich sind Elternratgeber und Ratschläge im bestenfall wie Landkarten zu verstehen, sie zeigen eine ungefähre Richtung an und können ab und an auch hilfreich und nützlich sein. Doch gehen muss ich den Weg mit meinem Kind selber und selten passt ein Ratschlag aus einem Ratgeber oder Kurs genau auf meine individuelle Situation bei mir zu Hause mit meinem Kind. Für mich suchte ich darum, nach etwas, was die Beziehung und den bewussten Kontakt mit meinen Kindern unterstützen konnte. Ich wollte diesen inneren Draht zu meinen Kindern stärken, dass er nicht gleich beim ersten Beratungs-Sturm von Müttern, Schwiegermüttern, Freundinnen und Erziehern auf mich, abbrechen konnte. Ich wollte nicht ausgeliefert sein und dann irgendwelchen schlauen Ratschlägen folgen, sondern das „Boot von mir und meinen Kindern“ gemeinsam und selbständig steuern. So habe ich nach meiner Ausbildung zur Geburtsbegleiterin zusammen mit der Ausbildungsleitung eine Möglichkeit geschaffen, dass Mütter das Vertrauen in ihre eigene Intuition stärken können und den eigenen inneren Ratgeber, der „Innere Kommunikation mit Ihrem Kind“ folgen können. Heute habe ich schon viele Mütter, Väter, Eltern, Lehrerinnen, Krankenschwestern etc. darin unterrichtet diese Kommunikation zu erlernen und danach selbständig in ihrem Alltag mit ihren KIndern anzuwenden. Dadurch entsteht ein tiefes Verständnis für das Wesen des Kindes. Das Verhalten des Kindes kann aus einem neuen Blickwinkel leichter verstanden werden und man kann mit seiner Reaktion den Ursprung für das kindliche Verhalten erreichen. Dabei freue mich mich immer sehr, dass ich den Eltern keine fixfertigen
    Ratschläge anbieten und mitgeben muss, sondern sie diese selber für sich sehen und erkennen.

  • Andrea Mordasini, Bern

    Als Mutter zweier Kinder mag ich diese Fanatiker und und selbsternannte Experten auch gar nicht – die sind mir ein grosser Dorn im Auge. Am schlimmsten finde ich übrigens Kinderlose ohne Erfahrung in Schwangerschaft, Geburt und Erziehung mit ihren vielleicht sogar „gut gemeinten“ Tipps und Kritik… Umgekehrt masse ich mir nicht an, mich in die Erziehung der anderen einfach so und ungefragt einzumischen und andere Erziehungsstile zu verurteilen und zu kritisieren. Solange die Kinder möglichst bedürfnisorientiert und vor allem gewaltlos erzogen und durchs Leben hindurch begleitet werden, gehe ich nach dem Motto „Leben und lassen“ und fahre so eigentlich ganz gut damit. Bei Gewalt siehts natürlich ganz anders aus, da ist frühzeitiges „Einmischen“, Handeln und Hilfe anbieten ein Muss und alles andere wie tatenlose Zu- und Wegsehen ein No Go und extrem feige! Natürlich stehe ich zu unserem „Familienmodell“, äussere gerne meine Meinung zu Erziehungsthemen wie zum Beispiel „Impfen, nicht Impfen, Familienbett, Stillen, Tragen, Ferbern, etc“. Aber eben, jemandem meine Erziehungsmethode aufdrängen will ich nicht! Solange die Methode gewaltfrei ist und für ALLE Beteiligten (Eltern wie Kinder) stimmt, dann ist doch alles bestens und egal, was Drittpersonen darüber denken, sagen und schreiben mögen ;). Mit etwas mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, etwas mehr gegenseitigem Leben und Leben lassen, Rücksicht, Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Verständnis, Verstand und gesundem Menschenverstand würde das Leben – gerade auch das zwischen uns Müttern – noch etwas lebenswerter, harmonischer, friedlicher und gemütlicher :)!

  • Oh, hallo Yvonne. Dann bist du ja besonders gefährdet für Besserwisser-Erziehungsfanatiker… :-)

  • Yvonne

    aha, verstehe …. ja, ich lese auch immer viel und gaaaaaaaaaaaanz viel unterschiedliches – im endeffekt muss jeder für sich selbst entscheiden, was man ausprobiert etc und man kann sich nur so seine eigene meinung bilden – aber es ist wirklich schlimm, dass jeder – vor allem die, die keine kinder haben – immer alles wissen und dies jederzeit kund tun! *augen roll* ich lese mir immer viel durch – und dann wäge ich ab, besprech das mit meinem partner und dann versuch man es einfach mal. aber bei soo vielen verschiedenen quellen wird man aber auch wirklich sehr leicht verunsichert (unser süßer wird am freitag 1 jahr alt und es ist unser 1. kind) :)

  • Koestinger

    Ich mache als Tagesmutter immer wieder mal Kurse. Aber genau wie du sagst nehme ich von jedem Kurs etwas für mich heraus.. Aber dass Ich jetzt alles genau so machen würde neee

  • Ich bekomme immer mal wieder Nachrichten von verunsicherten Mamis, die mir schreiben, dass sie dies oder jenes probiert haben und sich mit anderen darüber austauschen wollten und es dann eben just immer irgendwelche Besserwisserinnen gibt, die ihnen dann ihre Idee oder Strategien schlecht reden. Die dann so missionarisch sagen: Ui nein, das ist aber wissenschaftlich erwiesen, dass man das nicht tun soll/darf.

  • Yvonne

    ja, ich verstehe vollkommen was du meinst! und bin auch total deiner meinung.
    aber was ist dir denn heute passiert, dass du dich aufregst? wer hat dich denn so auf die palme gebracht?
    …sprich dich aus … :)