Hallo Digital Moms!

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Was haben Eltern eigentlich früher gemacht? Wenn ihre Kinder einen wunden Po hatten und sie nicht wussten, was sie dagegen tun sollten. Oder wenn der elende Backenzahn einfach nicht durchbrechen wollte und deshalb wieder eine schlaflose Nacht verursacht hat. Wenn man nicht sicher war, ob man jetzt dieses Baumwolltüchlein kaufen soll, ob ein Breikocher sinnvoll ist oder wenn man einfach ein bisschen jammern wollte oder musste. Ja, da ging man halt zur Mütterberatung, am Mittwochnachmittag in ein kaltes, muffeliges Kirchgemeindehaus.
 

Die Kinderkleider brachte man in die Kinderbörse, bei medizinischen Fragen machte man halt einen Termin beim Arzt und gejammert hat man entweder gar nicht, halt bei der besten Freundin oder im Tagebuch. Umständlich, aber es ging auch. Irgendwie.
Heute macht man das online. In Blogs, in Foren oder auf Facebook oder auf allem gleichzeitig.

Am morgen rasch ein „Guten Morgen“ in die Runde werfen. Schnell schreiben, dass man unglaublich müde ist und sich gleichzeitig darüber freuen, dass es andere gibt, die mindestens genau so oder noch viel müder sind. Dann gegen Mittag rasch verzweifelt die Frage in den Raum stellen, was um Himmelswillen man denn kochen soll. Dann die Farbe des Latte Macchiatos beschreiben oder noch besser gleich ein Foto hochladen. Am Nachmittag kurz die Frage stellen, ob man die Kinder bei dieser Kälte mit einer Spezialsalbe eincrèmen muss und wer morgen auch ins Shoppyland kommt. Ein genervter Post am frühen Abend, weil der Nachmittag auf dem Spielplatz total anstrengend war und dann wieder die Frage, was beim Online Volk denn heute Abend auf den Tisch kommt. Noch kurz im Status schreiben, welchen Film man am Abend guckt, dann noch sein Lieblingsvideo der verstorbenen Whitney Houston im Profil posten um sich dann auf den nächsten Tag zu freuen. Weil man da nämlich Geburtstag hat und die Pinnwand dann mit unzähligen Glückwünschen zugepflastert sein wird. Und man ist stolz, weil doch so viele an einen denken. (Je nachdem, ob man das Geburtsdatum auf sichtbar gestellt hat).

Eltern, besonders Mamas sind manchmal ein bisschen einsam, in ihrem Alltag mit den Kindern. Es gelingt nicht allen, sich im realen Leben so gut zu organisieren, dass sie den Anschluss nicht verpassen. Dass sie immer wieder rauskommen, sich austauschen können mit anderen. Der Freundeskreis verändert sich, vor allem dann, wenn der alte aus „Nicht-Mamas und Papas“ besteht. Doch neue Freunde zu finden ist nicht immer ganz einfach. Die Mütter, die man  in der Geburtsvorbereitung, in der Babymassage oder im Kinderschwimmen trifft, wohnen entweder zu weit weg oder sind irgendwie merkwürdig.
Wo also trifft man den die tollen Mamis, die ähnliche Vorstellungen und Erziehungsmethoden haben wie man selber?
Ihr wisst wo.
Online. Und das ist halt schon irgendwie saupraktisch.
Und ja, es gibt auch in der virtuellen Welt solche, mit denen man besser klar kommt, genau wie im richtigen Leben. Es gibt auch solche, die man richtig lieb gewonnen hat auch wenn man sie vielleicht noch nie getroffen hat. Es entstehen durchaus auch Freundschaften in diesen gefährlichen Sozialen Netzwerken und irgendwie fühlt man sich in der Online Welt wohl, verstanden, zu Hause. Das natürlich nur, wenn man die richtige Gruppe, das richtige Forum, den richtigen Blog oder die richtige Seite gefunden hat, denn: Es gibt natürlich auch die Zickenforen, die Besserwisser-Communities, die „Wenn-ihr-es-nicht-genau-so-macht-wie-wir-seid-ihr-verlorene-Seelen“ Erziehungsfanatiker.
Ich mag diese lebendige Online Welt. Diese Diskussionen (ja, manchmal auch über unsinniges und unnützes). Dieses „sich-Wohl-fühlen“ und immer wieder die Bestätigung zu bekommen, dass es andern auch so geht. Man ist so was wie eine kleine „Familie“, ein Clan, eine verschworene Truppe, die irgendwie alle so ein bisschen am gleichen Strick ziehen und sich gegenseitig Mut machen und man lässt sich so auch gern ein wenig in die eigene Suppe gucken.
Klar, manchmal sind wir schon so ein bisschen Suchtis – Digital Moms, wie man so schön sagt. Aber was soll’s.
Ich freu mich immer, wenn ich andere Wäschekörbe mit nicht gebügelter Wäsche sehe. Mein schlechtes Gewissen verschwindet, wenn ich sehe, dass es auch bei anderen heute nur Fischstäbli und Tiefkühlspinat gibt, meine Laune bessert sich schlagartig, wenn andere Mamas schreiben: „Kopf hoch, ich hatte heute auch einen Scheisstag!“
Ich mag die Online Welt. Und trotzdem hab ich noch ganz viele reale Freunde, treffe mich zum Kaffee und bin auch ab und zu an der frischen Luft. Das Eine schliesst nämlich das Andere nicht aus.

Und:
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Wir lesen uns.

 

  • Sellita

    Das ist aber wieder mal sehr schön und witzig geschrieben – ich musste mehrmals grad lachen :-)
    Und ja, Online-Welt und reale Welt schliessen sich doch überhaupt nicht aus!

  • Danke Kathrin! Hast’s wiedermal wunderbar auf den Punkt gebracht. Lieber Gruss einer mom, die gern zwischen der digitalen und realen Welt rumhüpft :-)

  • Gerrit

    Wir wollen aber nicht vergessen, das es auch Digital Dads gibt. Die „schlagen“ sich mit den gleichen Problemen herum.

    Oder sie halten auf diese Weise(wie zum Beispiel Facebook) Kontakt zu Ihren Kindern. Was früher nicht möglich war. So kann man auch über Entfernung Kontakt zu seinen Kindern halten.

    Manche Kinds“mütter“ sollen sowas ja blockieren. Das ist in der heutigen Zeit schwieriger

  • oh ja, genau DAS ist es, was der Alltag einer Mutter fern von 1900 ausmacht. Und ich bin glücklich darüber, diese Möglichkeiten zu haben. Wir haben viele Wege, wie wir den Tag gestalten (oder eben auch nicht) wollen. Wir haben zig Chancen, schnell in ein Gespräch zu kommen (oder es abzulehnen). Wir haben viele Gleichgesinnte (und die anderen können wir – falls es den Bogen überspannt – einfach „verbergen“), mit denen wir über Kummer und Kinder-A-A plaudern können, den Austausch geniessen und nicht alleine sein, mit dem trotzigen Kind, der schlaflosen Nacht und dem Mamifrust.
    Was bin ich froh darüber, dass es uns Digital Moms gibt.

    Als meine Weibchens noch Baby waren (also eins nach dem andern), war es manchmal schon unheimlich still um einem, obwohl das Baby gebrüllt hat. Geschrien wie am Spiess. Auch Geplauder war da. Klar. Aber blääääääblubbbb mäh määääkkk gaagüüüüüüügaa chrrrr blaaaablummm IST nun mal nicht meine Sprache. Da kann ich verbunden sein mit dem Zwutschgi wie ich will: Ich spreche diese Sprache nicht mehr. Nein. No Chance. Ich konnte staunen und strahlen und jööööööö und aaaaaaaahhh und guguuus dadaaaa… aber das war doch nicht wirklich sehr, ähm, nennen wir es unterhaltsam auf Dauer. Es war manchmal einfach bisschen one-way-discussion ohne wirklichen Tiefgan.

    Und so freute ich mich ab meinen Cyber-Freundinnen in den Chats, der Foren und … natürlich auf meine Freundinnen im RL zu einem Kaffee und lieber eigentlich zu einem Bier. Ja. So richtig ein Bier. Chips dazu und über das wunderbare Muttersein ablästern.

    Ein besonders optimales Merkmal der digitalen Welt für Mütter: Man kann jederzeit online und offline gehen, wie das Kind, das eigene Interesse, die Zeit es zulässt.

    Also ich bleib noch ein Weilchen digitalisiert. Denke ich.

    Grüsse aus der Schuhschachtel
    Maura, schtäcketööri.ch