„Wie heisst das Zauberwort?“

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„Sag schön danke!“
„Wie heisst das Zauberwörtchen?“
„Wie sagt man?“
„Wie heisst das Wort mit B?“

Wir möchten doch alle so gerne höfliche Kinder haben, die brav mit dem Kopf nicken und ganz laut und deutlich: „DANKE SCHÖN“ sagen, wenn sie etwas bekommen haben.

Die Realität sieht meist anders aus:
Bei der Metzgerei in der Migros, wenn’s das „Wursträdli“  (keine Ahnung wie man dem auf hochdeutsch sagt…)
gibt, hört man meistens gar nix, oder dann nur ein mürrisches Grunzen. Wenn das sorgfältig eingepackte Geburtstagsgeschenk des Nachbar-Kindes aufgerissen wurde, kommt eher die Frage:
„Wo ist das nächste Geschenk?“  als ein „Danke vielmal, sehr nett, das hat mich wirklich gefreut.“
Sie verstecken sich hinter dem Vorhang, schauen beschämt nach oben oder bleiben stumm wie ein Fisch.


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Wie also kommt die Höflichkeit zu den Kindern?

Wie ein „Danke oder Bitte“ aus ihrem Mund?
Auf den beiden Worten rumzuhacken bringt meistens nicht viel. Manchmal murmeln sie zwar das Wort, aber mehr aus Ärger, statt aus Überzeugung und innerer Dankbarkeit.
Oder sie weigern sich standhaft.
Das tun sie dann grad extra, weil es uns ja sooo wichtig ist und wir soo darauf rumreiten.

Was also tun?

Bei uns hat zum Beispiel gut funktioniert, dass ich immer wieder den „Part“ meiner Kinder übernommen habe.
Wenn ich zum Beispiel etwas eingeschenkte, habe ich jeweils laut und deutlich (und mit etwas übertriebener Freundlichkeit und einem Augenzwinkern) gesagt:
„Danke liebe Mama, dass du mir jetzt Wasser eingeschenkt hast.“
„Danke vielmal, liebe Oma für das tolle Bilderbuch.“

Die Kinder haben schnell gemerkt, dass dieser Satz eigentlich für sie reserviert wäre und sie den eigentlich hätten sagen sollen, müssen… ;-)

Beim Metzger, oder beim Geschenk auspacken, flüsterte ich ihnen jeweils vorher leise ins Ohr:
„Hey, wenn du jetzt dann eine Wurst bekommst/wenn du jetzt dann das Geschenk ausgepackt hast, was denkst du worüber würde sich der Mann/das Kind freuen, was könntest du dann sagen?“
Das war eher als Reminder gedacht, nicht als Drohung oder Befehl.
Es ging nur darum, die Kinder nochmals an das „was wir Erwachsenen als höflich empfinden“ zu erinnern. Es war ein Hinweis und das „nicht Befolgen“ zog auch keine Strafe mit sich.

Dieses „Höflichkeitsempfinden“ ist halt auch so ein „Erwachsenen-Ding“ – Kindern ist das nicht so wichtig. Sie zeigen ihre Freude oft nur kurz, in dem sie lachen, in die Hände klatschen, verschmitzt grinsen, die Augen aufreissen, dem Geschenk einen Kuss aufdrücken usw. Wertschätzung und Freude kann man ganz gut auch so ausdrücken. Dass hier noch ein Handschlag oder gar ein „Danke, lieber xy“ dazu gehört, ist ihnen gar nicht bewusst oder eben auch gar nicht sooo wichtig.
Uns Eltern ist es dann schnell mal peinlich, weil wir denken, dass das Gegenüber dieses grosse Dankbarkeits-Geste jetzt erwartet.
Eigentlich ist es unser Problem, nicht das der Kinder…

Doch sind wir ehrlich: Wenn wir selber einem Kind etwas schenken, dieses dann zwar eine Reaktion der Freude zeigt, aber sich dann nicht überschwänglich und mit tiefster Demut bedankt, von den Eltern aber zum „Dankbarkeitstanz“ aufgefordert wird, dann sagen wir doch auch ganz oft:
„Schon gut, ich hoffe es gefällt dir.“

Und sind dann nicht zu Tode enttäuscht, wenn das jetzt kein lautes „DAAANKE!“ und kein Handschlag kommt. Bei mir ist das auf jeden Fall so.

Ganz besonders wenn die Kinder noch sehr klein, sehr scheu oder zurückhaltend sind, dann nämlich ist diese „Dankerei“ für sie oft ganz schwierig.
Zwingt man sie dann dazu, in dem man sie zu Oma, Opa, Patentante oder Nachbarin hin schleppt, kann das manchmal dazu führen, dass sie ein kleines „Trauma“ erleiden und zum „Danke sagen“ ihr Leben lang eine merkwürdige, beschämende Beziehung haben.
Es nämlich auch sein, dass durch das ständige „Abspulen“ die wirkliche, echte Dankbarkeit schrittweise verloren geht.

Vorausplanen, verschiedene Möglichkeiten besprechen

Wenn ihr merkt, dass euer Kind damit Mühe hat, dann sprecht vor der Geschenke-Übergabe kurz über die verschiedenen Möglichkeiten des „sich Bedanken“. Das Kind kann z.B vorher eine Zeichnung machen oder als Dankeschön auch ein kleines Geschenk oder eine Blume überreichen – ganz ohne Worte. Oder ihr könnt mit dem Kind zusammen das kleine „Danke schön“ überreichen und vielleicht das Wort selber aussprechen.
Eine Geste, ein Zeichen zu setzen finde ich prima, es soll aber keine Nötigung und kein „So-mein-Kind-wenn-du-dich-jetzt-nicht-bedankst-dann-gibt-es-eine-böse-Strafe“ Ding, daraus werden.

Lebt man das den Kindern immer schön vor, dann kommt ihnen ein „Danke“ irgend wann mal ganz von selber von den Lippen.

Und wenn es noch nicht so klappt, dann ist das auch nicht sooo schlimm.
Es gibt immer ein nächstes Mal und einen neuen Versuch.

 

  • Andrea Mordasini, Bern

    Mir persönlich sind gutes Benehmen, Anstand und Respekt vor Mitmenschen sehr wichtig und Werte, die ich meinen Kindern durch Vormachen und Vorleben weitergebe. Ich bin der Meinung, dass die Kinder so uns Eltern und unsere Werte nachahmen und kopieren. Manchmal braucht es ja nach Ort und Situation einen kleinen „Anschubser“ zum Beispiel beim Danke sagen. Ich versuche allerdings „seisch no merci“ und „wie seit me?“ im Rahmen zu halten, da diese Aufforderungen gerade für scheuere und zurückhaltender Kinder stressig sein können. Wichtig ist, dass wir Eltern geduldig sind – jedes Kind „lernt“ sich zu bedanken, zu grüssen und sich zu entschuldigen – die einen etwas früher, die anderen etwas später :). Unt mit der entsprechenden Vorbereitung VOR dem Erhalt des Geschenkes (und ohne Anwesenheit der anderen) klappts dann meistens auch sehr gut ;).