Mein kleines Erziehungs-„Geheimrezept“

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„Ach, wenn es doch nur so ein Geheimrezept geben würde, damit das mit den Kinderlein einfach ein bisschen besser klappen würde. Dass sie auf mich hören, nicht ständig frech sind und sich nicht immer daneben benehmen.
Etwas mehr Ruhe und Harmonie wäre nicht schlecht und dass ich nicht alles hundert Mal sagen muss.“

Habt ihr euch diese Gedanken auch schon gemacht?
Vielleicht am Abend, wenn die Kinderschar endlich im Bett ist und ihr in Gedanken den Tag habt Revue passieren lassen?

Und jetzt glotzt ihr ganz erwartungsfroh auf euer Smartphönchen und denkt:

„Jetzt wird die Frau Elternplanet gleich mit dem ultimativen Geheimrezept raus rücken. Das Rezept für ein ruhiges und harmonisches Familienleben und ich kann jeden Tag in Ruhe meinen Kaffee schlürfen und meine Kinder beobachten, die folgsam und engelsgleich durch die Wohnung schweben.“

Nun gut.
Sooo einfach ist es dann doch nicht.
Jedes Kind ist anders, jedes entwickelt sich unterschiedlich schnell und nicht alles was bei Kind A gut funktioniert ist auch für Kind B genau gleich anwendbar.

Und trotzdem gibt es da etwas, das unglaublich hilfreich ist und euch in vielen Fällen vor grossen Schrei- und Trotzattacken bewahren kann.
Es ist eigentlich mein persönliches „Geheimrezept“.
Nicht weil es geheim ist, aber weil es sich in ganz vielen Situationen bewährt hat und ich es immer wieder, wie einen hilfreichen Zauber, aus dem Ärmel geschüttelt habe.

G U T    V O R A U S P L A N E N

Kinder brauchen Sicherheit und Rituale
Sie lieben es, wenn Dinge immer etwa gleich laufen. Deshalb essen sie auch unglaublich gerne immer wieder die gleichen Sachen, hören sich immer wieder die gleichen Geschichten an, schauen immer wieder die gleichen Filme und lassen sich am liebsten immer die gleichen Bücher erzählen.
(Und wehe, man ändert etwas in der Reihenfolge oder lässt etwas aus, um die Sache etwas abzukürzen, oder man nickt kurz ein und vergisst zu sagen, dass der Bär beim Maulwurf geklingelt hat…)
Deshalb gilt:
Wenn Kinder wissen was sie erwartet und man ihnen sagt, was als Nächstes passiert, dann sind sie viel kooperativer und weniger quengelig.

„Laut denken“ ist das Motto.
Überrascht eure Kinder also nicht mit euren Anweisungen, sondern sagt wenn immer möglich vorher, was Sache ist und was ihr von ihnen möchtet. (Positiv formulieren).
Diese Infos sind ganz wichtig, für einen ruhigen und möglichst reibungslosen Ablauf:

„Ich räume jetzt noch die Küche auf, in der Zeit könnt ihr noch ein bisschen spielen. Nachher ziehen wir alle die Schuhe an und gehen zu Fuss einkaufen.“
(Zu Fuss ist in dem Fall eine wichtige Info, weil ihr vielleicht sonst immer mit dem Fahrrad oder dem Auto geht).

„Wir sind jetzt dann bald zu Hause. Wenn wir im Haus sind, ziehen wir alle die Schuhe aus und hängen die Jacken an den Haken. Da es schon sehr spät ist, reicht es heute noch für eine Geschichte/für ein kurzes Buch aus der blauen Kiste.“

„Wenn wir draussen sind, dann möchte ich, dass du mir die Hand gibst, bis wir beim Baum sind.“

„In zehn Minuten können wir essen. Wenn ich das nächste Mal zu dir komme, dann möchte ich, dass du grad mitkommst, dir die Hände wäschst und dann an den Tisch sitzt.“

Wenn sie schon ein bisschen älter sind, dann könnt ihr sie auch ab und zu mit einbeziehen und zum Beispiel sagen:
„Es kann sein, dass das rote Auto auf dem Spielplatz schon besetzt ist, wenn wir dort ankommen. Was könntest du dann tun?“

„Gut möglich, dass es dein Lieblings-Eis im Schwimmbad nicht mehr gibt, welches nimmst du dann, hast du schon eine Idee?“

Den Tag in kleine Schritte/Häppchen aufteilen
Vorausplanen klappt am Besten, wenn ihr den Kindern nicht zu viele Infos aufs Mal kommuniziert. Je kleiner die Kinder, umso weniger Schritte müsst ihr ihnen gleichzeitig mitteilen.
Denkt immer daran, dass ihr vorher kurz sagt, was jetzt passiert, wohin ihr geht, wie lange, was ihr dort tut und was ihr von euren Kinderlein erwartet.
Das muss keine lange Predigt mit Drohungen sein.
Also nicht:
„Wir gehen jetzt dann einkaufen und ich möchte dass du dort anständig bist und nicht immer im Laden herum rennst und dich so unmöglich benimmst wie das letzte Mal, da hat sich die Mama schön geschämt. Wenn das wieder so mühsam ist, wie das letzte Mal, dann gibt es heute dann aber kein Dessert und der TV ist dann auch gestrichen…“

Sondern lieber:
1. Schritt:
„Wir gehen jetzt in den Laden rein und dort holen wir den Einkaufswagen. Du darfst dir einen kleinen Wagen nehmen wenn du möchtest.“

2. Schritt:
„Jetzt gehen wir mit dem Wagen durch den Laden. Ich möchte dass du bei mir bleibst und mit normaler Stimme sprichst. Ich sage dir jeweils, was du holen und in den Wagen legen darfst.“

Denkt auch hier immer daran, den Kindern lieber zu sagen, was sie TUN DÜRFEN und nicht WAS SIE NICHT MACHEN SOLLEN!

„Kinder müssen doch auch lernen, dass nicht immer alles planbar ist und sie müssen doch auch mit Frust umgehen können!“
Natürlich kann man nicht immer und überall und alles, immer voraus sehen und vorausplanen. Sonst wären wir ja alle Hellseher und würden bei Astro-TV, den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen…
Auch wenn nicht ganz alles planbar ist, gibt es doch während des Tages ganz viele Möglichkeiten, Kinder auf die verschiedenen Situationen vorzubereiten.
Gut vorauszuplanen und den Kindern kurz die nächsten Schritte zu erläutern heisst nicht, dass sie dadurch nicht mehr lernen mit Frust umzugehen. Er verteilt sich einfach ein bisschen besser.
Sie können sich nämlich schon vorher überlegen, was sie denn im „Falle wenn…“ als Alternative machen könnten. Der Knall, die Explosion, sprich der Schrei- und Trotzanfall ist dann jeweils ein bisschen weniger gross und laut.
Ihr wisst selber:
Kinder die total frustriert, wütend, trotzig und vor vollendete Tatsachen gestellt werden sind unberechenbar, unkooperativ und nicht mehr in der Lage ihre Gefühle zu steuern.
Das wiederum führt dann auch bei uns Eltern zu Wut und Frust, und meistens ist der halbe Tag danach gelaufen.

Deshalb ist Vorausplanen eine gute, einfache und hilfreiche Sache.
Tut nicht weh, braucht nicht viel Zeit und funktioniert wirklich super.
Probiert es aus.