Ich sammle, du sammelst, er sammelt, wir sammeln…

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Die Gefahr lauert überall.
Immer dann, wenn du es am wenigsten erwartest, hörst du plötzlich die Stimme der Kassiererin säuseln:
„Haben Sie schon unsere „Hasen-Zebra-Vitamin-Plüschtierchen-Glubschaugen-Fidirullallaa“ Karte zum sammeln?
Und noch bevor du etwas sagen kannst, schaut die nette Dame zum Kindlein, das neben dir schon ein bisschen quengelt und sagt:
„Jetzt kann das Mami ganz viel hier einkaufen und wenn die Karte voll ist, bekommst du mein kleines Schätzchen dann ein tolles Plüschtierchen-Plastikwürmchen-Sammelböxchen-Guguseli“ Dings.

Das Kind kann mit den Worten „wenn die Karte voll ist“ natürlich nicht viel anfangen. Es weiss nicht, dass „das Mami“ für einige hundert Stutz (lustiges Wort für Schweizer Franken) einkaufen muss, bevor es dann dieses Geschenklein „Made in China“ abholen kann.
Und deshalb gibt es jetzt schon mal das erste Geschrei an der Kasse.
Denn das Kind meint: HIER UND JETZT. Nicht erst später.

Nun gut.
Nimmt man halt seufzend diese Kleber und schon ist man wieder mittendrin in diesem Sammelwahn.
Am Mittwoch gibt’s den Goldenen Superjoker, ab 200 Franken noch den Extra-Super-Joker, in drei Wochen dann noch das Buch und die Schatztruhe, am Freitag noch den Hündlein Sticker.
Und jedes Mal wenn man in den Laden geht, liegen die Häschen, die Plüsch-Birnen und die Spielbretter verlockend beim Eingang.
Jedes Mal, wenn man an der Kasse steht die gleiche Frage:
„Sammeln Sie die xy-Dings?“
oder manchmal auch:
„Ab 60 Franken, gäbe es dann den Joker.“
Packst du halt den Pfirsich-Kaugummi noch oben drauf, obwohl du eigentlich keinen brauchst. Aber ohne Joker, kannst du dich daheim ja nicht blicken lassen.
Die halbe Verwandtschaft hast du abgeklappert und sie zum sammeln animieren wollen. Die meisten haben die Augen verdreht, mit der Schulter gezuckt und zähneknirschend gesagt:
„Sorry, wir müssen leider selber sammeln.“
In jeder, aber wirklich jeder Facebook Gruppe, die irgendetwas mit Kinder und Familie zu tun hat, wird nach Kleber und vollen Karten Ausschau gehalten.

Sammelsticker sind die neue Währung.

Hast du viele, bist du der Star.
Bei deinen Kids aber auch bei anderen Mamis, die dich lobpreisen und dir huldigen, was für eine tolle Person du doch bist.

„Ach, du bist so ein Schatz.“

„DAAAANKE. Meine Kinder werden Augen machen.“

„Du bist ein herzensguter Mensch. Wunderbar.“

Und dann neigt sich die Aktion (Gott sei Dank) irgendwann mal dem Ende zu.
Genervt fängt man bereits an, einzelne Sammel-Gegenstände einzusaugen oder heimlich in einen Sack zu stopfen.
Die Postings in den Facebook-Gruppen erreichen langsam aber sicher ihren Höhepunkt.

11:25: „Sucht jemand noch Kleberli?“
12:42: „Ich hätte noch ganz viele Doppelte!“
13:05: „Kleberli. Viele doppelt. Wer will?
14:37: „Mein Sohn hat noch einen ganzen Sack voller Sammelgegenstände. Alles doppelte.“
16:36: „Hilfe. Wir haben noch so viel von dem Zeugs! Wer will?
17:18: „Zu verschenken. Wer will noch Kleber. Sonst schmeiss ich sie weg!
18:32: „Sooo viele Kleber. Ich kann’s nicht mehr sehen. Bitte, nehmt sie. Biitttee!“

Die Mamis pilgern mit ihren Kindern in Scharen zu den Supermärkten um dort die Plüsch-Hasen, Äpfel und Birnen abzuholen.
Dann hat’s natürlich die gewünschte Farbe nicht mehr, die Kinder bekommen die Krise und Mama einfach nur froh, dass der Sammelspass vorbei ist.
4 Wochen später landen die Plüschdinger dann meist bei den 75 anderen Plüschtierchen in der IKEA PS FÅNGST Hängeaufbewahrung.
Und in 6 Wochen geht’s dann wieder von vorne los.
In einem anderen Geschäft.
Gääähhhhnnnn.

Brauchen wir wirklich noch mehr Plastikfigürchen und Plüschtiere?

Wir haben doch eh alle schon viel zu viele Spielsachen in unseren Wohn- und Kinderzimmern und wissen oft nicht mehr, was wir unseren Kindern noch zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken sollen. Ist es wirklich nötig, dass jährlich so viel Sammel-Ware produziert wird, die dann irgendwann ja doch wieder im Müll landet?
Mittlerweile haben wir doch jetzt langsam alles gesammelt was es zu sammeln gibt. Trotzdem steigen die Umsätze der Detailhändler in den Sammelmonaten jeweils um rund 5 Prozent.
Ihr seht: Wir sind also selber Schuld. Die Firmen machen noch mehr Kohle und wir schütteln zwar jedes Jahr den Kopf, sammeln aber dann trotzdem fleissig weiter.

Hey! Migros, Coop, Aldi, Lidl und Co!

Warum nicht mal eine Sammelaktion machen fürs Mami?

Wenn die Karte voll ist, gibt’s ein:

Wellness-Weekend und jemand der auf die Kinderlein aufpasst.

Oder eine 4,5 stündige Massage

Einen Gutschein für eine komplette Wohnungsreinigung

Ein Jahr gratis Schoggi.

Manicure und Pedicure.

Gesichtspflege

oder einen Koch, der 3 Wochen lang immer das Mittag und Abendessen zubereitet.

Das wär ein Spass!

Da würd ich nonstop einkaufen und alle Joker sammeln und garantiert keinen einzigen Kleber mit dem Staubsauger einsaugen.
Ehrenwort!