Bye Bye Nuggi – Tschüss Schnuller!

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Herzig, das Kind da am Strand.
Vielleicht knapp 3 Jahre alt. Es kann super Sandburgen bauen, es kann den Kopf ins Wasser halten, es kann rennen und Fussballspielen und auch trotzen. Reden könnte es wahrscheinlich auch, nur leider versteht man immer nur: „Hmrpfödmlskdkschamalgkmdk“
Seit über 3 Stunden hat es den Schnuller im Mund und weder Mama noch Papa tun etwas.

Es gibt Schlimmeres, werdet ihr vielleicht jetzt denken. Oh ja, da habt ihr Recht, das gibt es in der Tat.
Es gibt aber auch keinen Grund, warum Kinder die laufen, rennen, springen, Fussball spielen, schwimmen, tanzen und REDEN können, dauernd den Schnuller im Mund haben. Also ich habe bis jetzt keinen gefunden.
Ich geb’s zu: Immer wenn ich Kinder, die dem Babyalter deutlich entwachsen sind, mit Schnuller sehe, wundere ich mich ein bisschen. Ein bisschen sehr sogar.
Warum haben so viele Kinder ständig diesen hässlichen Zapfen im Mund?

Aus Gewohnheit?
„Ach, sie mag ihn halt so gerne und hat ihn schon seit der Geburt. Er ist ihr Begleiter“

Weil’s halt so praktisch ist?
„Ja, sie ist halt so ein lebendiges Kind, dann ist es ihr nicht so langweilig, da hat sie etwas zum Nuckeln.“

Damit sie still sind?
„Ach ja, er ist grad in der Trotzphase, mit dem Schnuller schreit er etwas weniger oft und redet auch nicht so viel.“

Aus Angst und Respekt vor dem Abgewöhnen?
„Ich weiss ja, dass sie ihn eigentlich nicht mehr braucht, aber das Abgewöhnen ist doch mühsam und schwierig für sie. Ausserdem hat sie jetzt grad ein Geschwisterchen bekommen.“

Damit man sich noch an ein kleines Stückchen an diesen „Baby-Groove“ klammern kann?
„Ach, sie werden ja so schnell gross. Mit dem Schnullerchen sehen sie halt immer noch ganz niedlich aus. Wie damals, als sie noch ein Babys waren.“

Aus irgendwelchen anderen, unerfindlichen-man-weiss-es-auch-nicht-so-genau“ Gründen?
„Es ist halt gerade Vollmond. Der kleine Bruder hat ja auch noch einen, es wäre gemein ihn jetzt wegzunehmen. Er bekommt grad seinen 7. Zahn. Wenn er sie dann alle zerbissen hat, nehmen wir sie ihm dann weg. Lieber der Schnuller als der Daumen. Es sind halt grad Ferien. Es ist Winter. Es ist Sommer. Es ist grad etwas zu warm. Er ist grad in einer Wachstumsphase. Er hat grad Angst vor Monstern.“

Und dann stehen sie da: Die gar nicht mehr so kleinen Jungs und Mädels, mit ihren tollen Frisuren, ihren süssen Kleidern, wollen den Eltern etwas zeigen und dann: „Mampfafffa, schampf, dortsch drübschen, impschst einpfsch Schmipfffh.“
Einige Eltern nehmen den Kleinen den Schnuller kurz raus, damit sie ihren Satz schnell los werden können und stopfen ihnen das Plastikding dann gleich wieder in den Mund.

Klar. Jetzt redet die Frau Elternplanet wieder schlaues Zeug und sagt gar nicht, wie man ihnen den Schnuller wieder abgewöhnen kann.
Doch klar, das tut sie. :-)
Also.
Ich bin der Meinung: Kinder brauchen ab ca. 1-1,5 Jahren während dem Tag eigentlich keinen Schnuller mehr. Auch nicht beim Zahnen, auch nicht als Trösterlein.
Es ist nicht sinnvoll, wenn man den Kinderlein immer bei jeder Schwierigkeit, bei einem Trotzanfall oder wenn sie müde sind, immer etwas (in dem Fall, den Schnuller) in den Mund schiebt. Eigentlich in der Theorie. In der Praxis ist das aber eben leider meistens eine andere Sache…
Wenn Kinder quengeln, dann brauchen sie entweder Ruhe, Aufmerksamkeit, Zuwendung oder ein bisschen Ablenkung.
Auch Schnullerketten sind bei grösseren Kids eigentlich keine gute Sache, weil man den Schnuller so immer griffbereit hat.
Man braucht auch keine 25 Schnuller in der Wohnung zu verteilen. Die Verlockung ist einfach zu gross. Denn jedes Mal, wenn das Kind einen findet, stopft es ihn garantiert in den Mund.
Wer anderer Meinung und zufrieden mit der Schnullersituation ist: Prima.
Wer denkt: „Hmm. Irgendwie wär’s schon gut, wenn wir dieses blöde Ding endlich los wären“, der liest einfach weiter.

Wie gewöhnt man den Schnuller am Besten ab?
Am besten so schnell wie möglich, dann geht es einfacher. :-)
Den Schnuller nur noch in bestimmten und vorher abgemachten Situationen/Zeiten geben. Wer etwas weniger Geschrei will, der plant das gut voraus, resp. bespricht das vorher in Ruhe mit den Kindern, damit die genau wissen, WANN und WIE LANGE sie nuckeln dürfen. z.B zum Schlafen, im Auto, zehn Minuten nach dem Baden und dann den Schnuller versorgen.
Am Besten in eine Box oder eine Schachtel legen. Diese kann man auch gut mit den Kindern zusammen verzieren und sie ihnen als: „Das ist das Bett, das Häuschen, das Böxchen des Schnullers“ verkaufen.

Bei Protest und Geschrei: Stark bleiben
Den Schnuller trotzdem NICHT wieder anbieten.
„Ach ja, du bist müde gell, du möchtest halt den Schnulli haben?“
Fragen wie: „Möchtest du jetzt nicht endlich mal den Schnuller weggeben? Du bist doch jetzt schon gross, du brauchst doch jetzt keinen mehr“, bringen oft nicht viel.
Das ist zu unkonkret und lässt ein Hintertürchen offen. Kinder gehen manchmal auf diese Fragen ein, machen auch mit und geben den Schnuller temporär ab, weil sie spüren: „Ach, wenn ich ihn dann wieder haben will, mach ich einfach ein bisschen Theater, dann bekomme ich ihn locker wieder.“

Sich mit einem Ritual endgültig vom Schnuller verabschieden.
Am besten ist es, wenn man einen definitiven Schlussstrich zieht. Also z.B einen bestimmten Tag festlegen, oder den Schnuller gleich dem Osterhasen, dem Nikolaus, der Zahnfee oder sonst einem lustigen Gesellen mitgeben. Man kann den Schnuller auch an einen „Schnuller-Baum“ hängen. (Einfach mal ein bisschen googeln, die gibt’s mittlerweile an vielen verschiedenen Orten).
Wer Bachblüten kennt und mag und daran glaubt :-), der kann mit den Essenzen Honeysuckle (Nr. 16), Star of Bethlehem (Nr. 29), Mimulus (Nr. 20), Walnut (Nr. 33) eine Mischung zusammenstellen oder zusammenstellen lassen und diese dem Kind dann als „Unterstützung“ geben.

Sich nicht zu viele Gedanken und Sorgen machen
Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kind einen „Schnuller-Abschied“ nicht überlebt hätte. Auch wenn es am Anfang fast so aussieht, als ob’s um Leben und Tod gehen würde: DAS KIND WIRD ES ÜBERLEBEN.
Und ihr auch.
*ichbinjaauchimmernochhier
Ein bisschen Trauer, Schmerz, Wut und lautes Weinen gehört dazu.
Je mehr Theater man als Eltern macht, je mehr man darüber diskutiert und referiert, umso schlimmer ist es fürs Kind.
Ganz verwirrlich ist es für die Kids, wenn man nach langem Weinen und Schreien, den Schnuller dann doch wieder aus dem Hut zaubert. „So, da hast du ihn halt wieder. Aber das nächste Mal, geb ich ihn dir dann nicht mehr.“

Meistens macht man sich als Eltern vorher viel zu viele Gedanken und es ist dann in Wirklichkeit weniger schlimm als erwartet.

Der Abschied vom Schnuller ist halt auch ein bisschen Abschied vom Baby- und Säuglingsalter. „Mein Baby, ist kein Baby mehr, es wird gross und grösser und kann viele Dinge jetzt ohne meine Hilfe.“
Das ist nicht immer ganz leicht, sie werden so schnell gross und manchmal möchte man sie doch noch ein bisschen kleiner haben, als sie eigentlich sind. Und mit Schnuller sieht das dann halt immer recht „Jööö-mässig-babyhaft“ aus.

  • Hier wird über niemanden „hergezogen“. Das ist ein Blogbeitrag. Eine persönliche Meinung mit Tipps und Ideen. Wer etwas ändern möchte, darf gerne die Tipps ausprobieren, wer zufrieden ist mit der Situation, der lässt es bleiben und macht es so, wie er es für für sein Kind für richtig hält.

    Das Blog [blɔg] (auch: der Blog) oder auch Weblog [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Websitegeführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert (‚postet‘) oder Gedanken niederschreibt.
    Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen.

  • kuna

    Ein drei- oder vier-jähriges Kind (und schon früher) kann SEHR bewusst entscheiden, einen Schnuller zu wollen, ob er jetzt versteckt ist oder sonst wo, und auch dementsprechend danach suchen. Ja, bei vielen Kindern funktionieren die üblichen Schnuller-Enwöhnungs-Tricks, bei einigen aber nicht- trotz Mittelweg. Ich habe da so Fälle im Kopf, da ist die ganze Familie drauf und dran, dem Kind das Schullern auszureden mit Tricks und all den Dingen, aber das kleine 3,5.-jährige bleibt fest bei der Meinung den Schnuller zu brauchen und artikuliert es auch dementsprechend.

    Nein, man muss nicht autoritär werden. Aber man muss sich überlegen, was man wirklich will. Wer der Meinung ist, er schade dem Kind mehr, wenn er ihm mit autoritären Mitteln den Schnuller entzieht, weil sein Kind so stark daran hängt, der muss sich überlegen, ob es ihm das wert ist oder worum es hier EIGENTLICH geht. Ist ihm wirklich das Wohl des Kindes das höchste oder beugt er sich nur dem Willen der Umwelt, die ihn sichtlich verurteilen und teils in einem Blog schlecht pauschal und undifferenziert über ihn her ziehen.

  • Es gibt ja auch noch etwas in der Mitte. Nicht ZACK! wegnehmen sondern ein sanfter Abschied.
    So lange der Schnuller immer greifbar ist, nimmt das Kind ihn natürlich auch.
    Als Eltern kommt man nicht darum herum, manchmal auch ein bisschen autoritär zu sein. Das heisst jetzt nicht, dass man das einfach so von heute auf morgen, ganz brutal machen muss. Es gibt auch einen Mittelweg.
    Wer den nicht suchen möchte, der überlässt seinem Kind halt einfach den Schnuller. Das ist eine andere Meinung. Aber nicht meine.

  • kuna

    Und, was wenn die Schnullerentwöhnungsmethoden nicht bei deinem Kind funktionieren, trotz aller Bemühungen von Elterns Seite und das Kind trotzdem ganz stark an seinem Schnulli festhängt? Auch dann, wenn er zu keiner Zeit in seinen Mund gestopft wird, sondern vom Kind selbstbestimmt genutzt wird? Einfach wegnehmen, rätst du? Dich autoritär über den Willen deines Kindes hinwegsetzen, am besten mit der Begründung „Weil ICH es sage!“ ?? Auf jeden Fall sehr frech, so pauschal zu verurteilen.

  • Gabriele

    Meine Tochter hatte ihn bis vier. Bis drei hatte sie ihn auch Tags im Mund, dann nur noch nachts.
    Wir haben diese Sprüche auch immer gehört: „Ja mei, so ein großes Mädchen, und hat noch einen Schnuller.“ Ich war oft hin und hergerissen… diese Vorschläge mit Nikolaus oder Osterhase hab ich auch oft und oft gehört.

    Dann, eines Dienstag-Morgen, als sie vier Jahre alt war, hat sie sich vor mich hingestellt und gemeint: „Mama, ab jetzt brauche den Schnulli nicht mehr.“ Hat mir ihren Schnuller in die Hand gegeben, ist mit mir in den Kindergarten getrabt, hat von der Erzieherin ihren Ersatzdidi für den Mittagsschlaf verlangt und mir auch diesen in die Hand gedrückt. Ab diesem Zeitpunkt war das Thema echt erledigt. Sie konnte gut einschlafen, hat nicht geschrieen, hat nicht geheult, keine „Ersatzdroge“ gebraucht – und nie wieder einen Schnuller in den Mund genommen.

    Man mag die Art wie ich damit umgegangen bin, inkonsequent nennen… aber ich hab für mich einen anderen Weg gewählt. Ich war lange Raucherin und für mich ist dieses Nuckeln etwas ähnliches. Und ich kann mich erinnern, wie es mir ging, wenn ich mal nicht rauchen konnte. UND ich kann mich erinnern, dass ich SOFOrt wieder angefangen hab zu „nuckeln“, wenn ich dann wieder welche hatte, auch wenn das erst nach einer Woche war. Deshalb hab ich mich entschlossen, Sophia selbst die Entscheidung zu überlassen, schließlich kenne ich niemanden, der beim erstne Kuss noch nen Didi im Mund hat.

    Dennoch hab ich Grenzen gesetzt. Das was du ansprichst, dass man die Kinder nicht versteht. Daccord, absolut… DAS hat mich genervt. Deshalb hatte der Schnuller bei uns ab drei Jahren seinen festen Platz im Bett. Ich habs ihr erklärt, dass es MICH nervt, wenn ich sie nicht versteh. Sie konnte, wenn sie nuckeln will, jederzeit ins Bett gehen und dort einige Minuten nuckeln. Draußen war er tabu.

    Und dann gab es einige Faktoren von Außen´,die sie – je älter sie wurde – beeinflusst haben. Zum einen hat es sie genervt, dass die Leute sich darüber lustig gemacht haben. Zum anderen waren wir bei einer Logopädin, die sie sehr mochte. Die hat ihr einiges erklärt zum Thema „Didi und Aussprache“. Und der dritte Faktor war, dass der erste Milchzahn angefangen hat zu wackeln. Sie weiß, dass dann die Zähne kommen, die sie ihr ganzes Leben lang hat. Und dass die mit Didi im Mund keinen Platz haben.

    Ehrlich gesagt… ich würde es jederzeit wieder so machen. Und zwar aus einem speziellen Grund: Sie hat sich SELBST entschieden, den Didi nicht mehr zu brauchen, als SIE soweit war. Ich hab ihr wenig Druck gemacht, das mit dem Didi aber auch nicht gefördert.

    Und diese strahlenden, stolzen Augen, wenn sie den Leuten erzählt hat, dass SIE den Didi jetzt nicht mehr braucht… und die hat sie auch heute noch wenn sie davon erzählt – diese Augen sind der Hammer. SIE hat die Entscheidung getroffen und durchgezogen, in IHRER Art und zu IHRER Zeit. Das hat die Zeit mit dem Schnullerding in der Flappe absolut aufgewogen.

  • Madlen

    Bin ganz deiner Meinung, liebe Elternplanetarierin :) je älter die Kinder um so eigenartiger der Anblick des Schnullergesichts.
    Bei Junior hat’s vor kurzem super geklappt, das Ding endgültig aufzugeben. Er hatte ihn schon von sehr klein an nur noch zum Schlafen und ab dem dritten Geburi war auch damit Ende Gelände. Er fragte nur einmal nach, ob er jetzt eigentlich immer noch drei sei (vermutlich mit dem Hintergedanken, dass wenn nicht, er den Nuggi wieder haben dürfte) und braucht momentan etwas mehr Kuschelzeit vor dem Schlafen, aber wenn dafür die Zähne gerade wachsen, sei’s drum. Zur Belohnung haben wir seine zwei Freundlinnen eingeladen, mit uns in den Züri Zoo zu fahren und den Nuggi dort am Nuggi-Baum zu deponieren, was wir letzten Mittwoch feierlich taten.
    Bin dann gespannt, wie’s bei der kleinen Zuckerbohne klappt mit dem Finger… sie ist jetzt anderthalb und wir erinnern sie ziemlich oft daran, den Finger aus dem Mund zu nehmen. Wird dann schwieriger mit dem Nuggibaum…

  • Samira Oliveri

    Meine beiden grossen haben eigentlich beide früh aufgehört, nicht der rede wert, aber meine Tochter ist ein kleiner Problemfall…sie nuckelte (nur Nachts) bis zu ihrem vierten Geburtstag.Dann hat sie ihn freiwillig abgegeben.Das war erst super toll, nur , sie konnte nicht mehr einschlafen…..jetzt wirst du mit mir schimpfen Kathrin, ich habe ihn ihr nach 2Monaten!!!!!! wieder gegeben, und siehe da, sie schläft grad ein.Sie war zum teil bis zu 2 std wach, sie konnte sich nicht beruhigen….und ich sehe, das der Nuggi nach dem einschlafen meist aus dem Mund purzelt.Irgendwann wird hoffentlich der zeitpunkt kommen, wo sie auch ohne ihn einschlafen kann….