Erziehungsfalle Nr.8 – Emotionale Botschaften

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Keine negativen, emotionalen BotschaftenAch manchmal ist es echt zum Verzweifeln: Die Schuhe liegen wieder beim Eingang, die Zahnpasta Tube ist wieder offen, das Frotteetuch liegt nach dem Duschen wieder am Boden und das Anziehen am Morgen dauert wieder mal eeeewig. Zum x-ten Mal haben wir den lieben Kleinen jetzt schon gesagt wo das Zeugs hin kommt, was wir von ihnen erwarten und dass sie doch bitte mal ein bisschen vorwärts machen sollen.
Welche Tricks es gibt, dass sie es auch WIRKLICH tun und welche Erziehungsfallen ihr umgehen sollt, hab ich euch in den sechs letzten Beiträgen zum Thema bereits erklärt, hier kommt eine weitere.


Keine emotionalen Botschaften

Wenn der Kragen kurz vor dem Platzen ist, wenn man wirklich ärgerlich und sauer ist, dann passiert es oft, dass man das Kind als PERSON kritisiert und schlecht macht. Man verpackt dann emotionale Botschaften in seine Sätze, die nur dazu dienen, seinem Ärger Luft zu machen und das Kind zu kritisieren. Oftmals merkt man das in der Hitze des Gefechtes gar nicht richtig.

Was tun?

Wenn euch etwas ärgert, dann überlegt euch immer vorher, was genau euch denn grad zur Verzweiflung treibt. Habt ihr denn die Anweisung auch wirklich klar und ruhig gegeben? Oder habt ihr die Anweisung vielleicht als Frage gestellt, die das Kind dann logischerweise mit „Nein“ beantwortet hat? Wenn ihr euch kurz überlegt hat, was euch stört, dann gebt ein Feedback oder auch eine Kritik, aber kritisiert nicht das Kind als PERSON, sondern sein VERHALTEN. Das ist nämlich ein grosser und wichtiger Unterschied.

Am besten formuliert ihr das so:

„Es ärgert mich, dass du deinen Schlafanzug immer noch nicht ausgezogen hast und die Kleider hier noch am Boden liegen. Ich möchte nicht, dass wir noch Stress haben, oder zu spät kommen. Also mach bitte vorwärts.“

Also nicht:
„Ach bist du wieder eine Schlafmütze. Ich glaub es ja nicht, dass du dich immer noch nicht angezogen hast. Du bist ja langsamer als eine Schnecke.“

„Ich möchte, dass du mit normaler Stimme sprichst und die Sachen hier in Ruhe lässt.“

Also nicht:
„Was wird Oma denken, wenn sie hört wie du dich heute wieder aufgeführt hast?“

Wichtig ist, dass wir die Kinder nicht als Personen abwerten, sie schlecht machen, beschimpfen oder mit Botschaften überhäufen, die Schuldgefühle erzeugen. Dazu gehören auch Wörter wie zum Beispiel: „Dummkopf, Schlafmütze, Träumer, Lama, komischer Vogel, Heulsuse, Zappelphilipp, Motztante, Schweinchen… Das bringt nämlich grad überhaupt gar nix.
Im Gegenteil: Die Kinder fühlen sich schlecht, werden bockig und wissen durch solche Aussagen auch gar nicht, WAS genau wir denn von ihnen möchten und WAS sie denn besser machen sollen. Manchmal kann es zwar sein, dass sie aus Scham oder Frust gehorchen, aber das ist nur von kurzer Dauer. Längerfristig führen solche Kommentare nur zu Trotz, Wut und Ärger und das Selbstbewusstsein der Kinder leidet.
Kritisieren kann man, aber dann eben nur das Verhalten und nicht das Kind als Person.
Noch besser:
Man kritisiert nicht einfach, sondern sagt den Kindern gleich, WAS man von ihnen erwartet und WAS sie denn genau tun sollen. (Positiv formulieren)

Erlaubt sind natürlich Sätze wie: „Also ihr lieben Schnuckis, achtet euch einmal ein bisschen darauf und probiert es aus.“ :-)

 Hier könnt ihr diese „Erziehungsfalle“ ausdrucken. 

  • Yves Nater

    Sehr guter Artikel. Als Eltern erfahren wir dass viele Tipps zwar bekannt sind, im Moment aber nicht darauf zugegriffen werden kann: die Emotionen kochen hoch. Wenn dies öfters mal vorkommt sollte man sich eingehender damit beschäftigen. Bei Interesse gebe ich gerne Auskunft da sich dank erprobter Erkenntnisse neue Möglichkeiten für Sie ergeben. Ein friedvolleres Miteinander wird möglich, gleichzeitig tun Sie etwas für Ihre Gesundheit. Denn hochkochende Emotionen bedeuten Stress für den Organismus, was wiederum abbauende Prozesse auslöst (wenn diese Haltung über eine längere Zeit bestehen bleibt oder immer häufiger wird).