Erziehungsfalle Nr.2 – Keine Frageform

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Wir sind sehr höflich, wir Eltern. Wenn wir von unseren Kindern was möchten, dann stellen wir unsere Anweisungen fast immer in Frageform.

Anweisungen als Frage formulieren: Eine von vielen Erziehungsfallen, in die wir immer wieder rein tappen.
Ich möchte euch deshalb in loser Folge ein paar dieser fiesen Fallen vorstellen und euch auch ein paar Tipps geben, wie ihr sie umgehen könnt.

Keine Fragen stellen

„Kommst du jetzt her?“
„Hörst du jetzt auf deinen Bruder zu ärgern?“
„Gehst du jetzt bitte die Zähne putzen?“

Wenn wir so mit unseren Kids reden, dann haben die genau zwei Möglichkeiten zu antworten. Nämlich mit „Ja“ oder „Nein“. Dass sie meistens das Nein wählen ist ja auch sonnenklar, weil schliesslich haben wir ihnen eine Frage gestellt und da ist es ok, wenn sie die nette Frage ablehnen.
Dieses „Anweisungen-als-Frage-formulieren“ ist eine Spezialität von uns Eltern. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass wir in unserem Alltag mit Erwachsenen auch immer unglaublich höflich sind und fragen: „Könnten Sie wohl noch? Würden Sie bitte?“ Unter Erwachsenen funktioniert das prima, bei Kindern meistens nicht.

Was tun?

Achtet euch einmal auf eure Anweisungen. Wie oft stellt ihr Fragen, obwohl ihr den Kindern eigentlich eine Anweisung geben wolltet.
Überlegt euch vorher, was ihr denn von euren Kindern genau möchtet. Ist es wichtig, muss ich das jetzt sagen und wenn ja, dann achtet euch darauf, dass ihr eine Anweisung gebt und keine Frage stellt. Das ist am Anfang immer etwas ungewohnt, weil wir diese Fragen-Stellerei so in uns drin haben.

Am besten formuliert ihr das so:
„Patrick, ich möchte, dass du jetzt deine Zähne putzen gehst.“
„Laura, lass deinen Bruder in Ruhe “

Oder:
„Patrick, geh bitte die Zähen putzen.“

Und nicht:
„Patrick, gehst du jetzt bitte die Zähne putzen?“ – „Laura, hörst du jetzt bitte auf, ständig deinen Bruder zu ärgern?“

Wenn ihr merkt, dass eure Anweisung jetzt nicht grad unbedingt so gut ankommt, dann hilft es immer, wenn ihr versucht die Kinder zu motivieren. Das funktioniert meistens recht gut mit einer grossen Portion Humor und Fantasie.
Mit einer lustigen Stimme sprechen, einen Wettkampf zusammen veranstalten, zaubern, das Plüschtier zu Hilfe holen, so dass es die Anweisung geben kann, singen, eine Geschichte erfinden, ins Badezimmer laufen wie ein Storch, ein Riese oder ein Elefant. usw.
Lasst euch da was einfallen, seid kreativ und versucht den Kindern eure Anweisungen (die ja meistens nicht gerade wahnsinnig attraktiv sind) gut zu „verkaufen.“

 

  • Andrea Mordasini, Bern

    Ou ja Kathrin, ich fühle mich ertappt ;)! Obschon ich drauf achte, klare und eindeutige Anweisungen zu geben „Lah d’Schwoscht la sie“, „hör bitte uf“, „I wott/wett, dass…“, ertappe ich mich doch immer wieder, dass ich in diesen doofen „Frage-Modus“ wechsle… Ich merke aber auch, dass – sobald die Anweisungen klar, eindeutig, aber auch anständig mit zum Beispiel einem „Bitte“ darin sind – die Kinder besser „folgen“. Wie dem auch sei: Eltern sein ist schwierig und Kinder erziehen/betreuen ein Knochenjob :)! Gut, dass es so wertvolle Internetseiten mit noch wertvolleren Tipps gibt ;).