„Was mach ich hier eigentlich?“

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Gebt’s zu:
Ihr habt euch das auch schon gedacht.
Da saugt man den ganzen Dreck, nimmt den Boden feucht auf, geht kurz auf der Terrasse einen Kaffee trinken und wenn man zurück kommt: Der Boden mit Tannennadeln übersäät, Fussspuren Grösse 33, eine Jacke liegt am Boden, und drei Paar Crocs mit dunkelbraunem Dreck liegen daneben.

Oder nach Tagen der Anstrengung:
Endlich ist der Wäschekorb leer, wenn ihr das nächste Mal wieder hin guckt, liegen da 7 Paar dreckige Unterhosen, vier zerknitterte, aber noch ziemlich saubere T-Shirts *Kidswarennurzufaulsiezuversorgen und sechs unterschiedliche Socken im Korb.
Ihr wollt nett bei den Hausaufgaben helfen, Tipps geben damits schneller geht und was ist der Dank? Ein: „Das haben wir in der Schule gaaaanz anders gelernt, du weisst üüüüüberhaupt nicht wie das geht und das ist eh ein Scheiss, dass wir so was machen müssen. Ich mach es einfach nicht.“ *Himmelnochmal
WAS MACH ICH HIER EIGENTLICH?
Dass man hier manchmal fast verzweifelt, steht nämlich in keinem Buch und schon gar nicht was man dagegen tun kann, was wirklich hilft.

Ich sag euch jetzt mal was:
Das geht im Fall Allen so. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt. Oder hat vielleicht noch kleine Kinder und steckt noch in der „Jöhh-hast-du-gesehen-wie-süss“ Phase. Aber auch die ist manchmal echt zum Verzweifeln.

Kinder sind toll, lustig, bereichernd, unterhaltsam, ideenreich, kreativ, herausfordernd, aufmüpfig, manchmal frech, trotzig, stur, eigensinnig und gelegentlich auch nervig. Und gerade die letzteren Eigenschaften werden mit zunehmendem Alter nicht weniger, im Gegenteil. Wenn unsere fast 9-jährige Tochter mit verschränkten Armen auf der Treppe steht, mit keckem Blick und lauter Stimme ruft:
„DAS, kannst du im Fall vergessen!“, bleibt mir manchmal das Schoggistängeli im Halse stecken.
„Ehm, hallo? Wie bitte?“
Da wünsch ich mir manchmal echt die Kleinkindphase zurück, Trotzphase einmal ausgenommen.

Was tun, bei aufmüpfigen, frechen, undankbaren, lauten Mädels und Jungs? Ja, jetzt wollt ihr von mir die ultimative Lösung haben?
DAS Erfolgsrezept? Stimmt’s?

Wisst ihr was? Ich hab keines. Kein so richtiges.
Ich versuch immer meinen Humor nicht zu verlieren. *nichtimmerganzeinfachichweiss
Nicht alles allzu persönlich zu nehmen. *auchnichtimmerganzeinfach
Nicht zu nah an den Kindern dran zu sein und nicht zu viel immer zu predigen und zu labern. *sauschwer
Und je älter sie werden, umso mehr diskutieren wir zusammen.
Wir müssen.
Und das heisst: Regeln neu definieren, Lösungen suchen und manchmal auch Kompromisse finden. Sehr anstrengend sag ich euch. Und meine Illusion von: „Wenn sie älter sind, wird es einfacher“ hat sich sowieso schon längst in Luft aufgelöst. Die Reibungsfläche wird grösser, die Erziehungsarbeit anstrengender. Oh Gott und sie sind noch nicht einmal in der Pubertät. *daskannjaheiterwerden

Und trotzdem: Hysterisch werden hat noch nie geholfen. Und irgendwie hat man ja auch immer das Gefühl, dass die Phase, in der die Kids grad stecken, die allerschlimmste ist.
Manchmal hilft es einfach auch nur zu wissen, dass man nicht alleine ist, dass ganz viele Andere im gleichen Boot mit rudern. Einfach die Gewissheit zu haben, dass es zwar anstrengend ist, aber man trotzdem nicht total daneben ist.
WAS MACH ICH HIER EIGENTLICH?
Gute Frage. Wirklich.
Vielleicht mach ich einfach, das was ich kann.
Und das ist gut so.

  • Weisst du, das kommt ja nicht einfach so, PÄNG. Man wächst da ja ein bisschen rein. Gewisse Dinge werden einfacher, einige anspruchsvoller. Aber eben, das passiert nicht über Nacht. Man hat ja immer wieder Zeit zu üben, Fehler zu machen, diese zu überdenken und jedes Mal wieder etwas dazu zu lernen. Und am Besten bleibst du einfach noch ein paar Jährchen hier auf dem Elternplaneten. :-)

  • Anita Müglich

    Hau jo, da hast Du recht – soweit denke ich noch gar nicht. Oder verdränge ich es? Wer weis…

  • Natürlich gibt es viele Dinge, die einfacher sind. Aber ich finde wenn sie älter sind, dann ist es aufreibender, herausfordernder und es verliert vielleicht auch so ein bisschen an Leichtigkeit. Viele Dinge, die bei den Kleineren noch funktionieren (zaubern, Geschichten erfinden usw) funktionieren etwas weniger gut.

  • Anita Müglich

    Den halben Mittag mit der Kleinen herumgebrüllt – und dann an Dich gedacht…
    Den Nami mit der Grossen verbracht, herrlich, denke ich, man kann mit den Kids reden, wenn sie grösser sind. Und jetzt kommst Du und sagst es wird nicht einfacher… hallo Illusion? – weg!
    Naja, es wird vielleicht nicht besser, aber anders und das lässt hoffen. Und bestimmt werden wir uns eh das Lebenlang fragen – ja, manchmal tu ich das wirklich auch laut- was mach ich hier eigentlich?

  • Karin Cammarere

    Ich habe drei jungs, 4, 3 ubd 1 jahr und dass es nicht einfacher weden soll löst in mir panikattaken aus. Nun aber klar, irgendwo ganz tief innen war mir dies auch klar. aber ganz klischeehaft würde ich meinen, mit respekt liebe und geduld ist es zu schaffen, im wissen, dass diese merkmale ganz oft einseitig sein werden!

  • Doreen

    Ja mein Sohn ist ja 7, wird im November 8. Vielleicht sind Jungs auch nicht ganz so schwierig wie Mädchen? Meine Schwester und ich haben meiner Mutter schon in dem Alter den letzten Nerv geraubt *blöd grins*

    So von der Erziehung her kann ich mich nicht beklagen, ehrlich nicht.

    Klar, da gibts auch was, was nervt… Manchmal wenn ich etwas sage wie zum Beispiel „Sei mal bitte ruhiger die Kleine schäft“ dann kommt promt die Frage „WIESO???“. Entweder hört er dann nur halb hin oder er will tatsächlich wissen warum genau. Dann muss ich ihm ernsthaft erklären, dass er ja auch nicht aufgeweckt werden will durch lautes trampeln oder rumrennen. Oder auch wenn ich sage „Schuhe anziehen (früh am Morgen wenn wir uns für die Schule fertig machen)“ dann kommt auch schon mal ein „WIESO???“…

    Aber entweder bin ich dann so müde und genervt dass ich gar nicht antworte, was er auch akzeptiert (fragt dann nicht weiter) oder ich geh darauf ein und beantworte ihm die ganze Autofahrt bis zur Schule die Fragen die die Welt bewegen :)

    Aber im Grunde finde ich es genau deswegen leichter. Einem Baby kann ich nicht verständlich erklären warum es das nun grad nicht tun kann. Auch wenn die Erklärungen manchmal nerven, so erinnere ich mich zurück an mich. Ich wollte und will heute auch noch alles wissen.

    Ich kann mir aber auch vorstellen, dass andere Kinder anders in dem Alter sind. Mein Sohn ist eh der ruhigere, der jetzt nicht so typisch „Jungenhaft“ ist.

  • Hallo Doreen
    Dann zeig deinem Mann am besten den Artikel nicht. :-)
    Nein, es ist ja nicht so, dass alles schwieriger wird. Wenn sie älter werden dann sind sie viel selbstständiger, können auch mal alleine irgendwo hin und man muss sie nicht ständig begleiten. Sie können sich auch gut selber beschäftigen, machen ab mit Freundinnen und Freunden. Ich mein eher so die „Erziehungs-Beziehungssache“, die empfinde ich als anspruchsvoller, weil sie Gegensteuer geben, Erwartungen haben, eigene Meinungen, Kompromisse suchen und eigene Lösungen beisteuern wollen. Das ist einerseits ja toll, macht es aber nicht einfacher. :-)

  • Doreen, mit älter mein ich so 7,8,9 Jahre. :-)

  • Doreen

    Bügeln? Fremdwort! Ich bügel nicht, ich hasse es. Komisch ist, ich muss aber auch nie bügeln. Selten ist etwas so zerknittert dass es sich nicht selbst im Schrank glättet. Einfach ordentlich zusammen legen, unter den Stapel und nach 3 Tagen, glatt wie ein Fisch :)

    Aber mein Sohn räumt seinen Kleiderschrank eh nie aus – bis jetzt. …. Ein Glück… Dafür aber mein Partner unseren… Eigentlich hab ich ja 3 Kinder zu Hause… Männer sind irgendwie wie Kinder *hehe*

    Aber was ich sagen muss, ich finde nicht, dass es im Alter schwieriger geworden ist. Ich finde es einfacher als vorher. Babys und Kleinkinder finde ich unheimlich anstrengend. Grad so diese Phasen…Seit mein Sohn so 4-5 ist, ist er pflegeleicht – bis jetzt!

    Ich hoffe ja das bleibt so :)

    Zur Abwechslung hab ich ja noch ein Baby und ich freu mich heute schon wenn sie vielleicht auch „einfacher“ wird wenn sie älter ist…. *ich hoffe….*

  • Nadine

    Meine Illusion, dass es einfacher wird je älter sie werden hast du mir gerade zerstört ;-) zum Glück liest mein Mann deine Seite nicht, der würde einen Anfall bekommen, wenn ihm jemand sagt es hört nicht auf :-) ok ich sag mir immer um mich zu beruhigen: wenn die Kinder 20ig sind und das dann immer noch machen, dann müssen wir uns Sorgen machen ;-)

  • Das mit dem Schrank. Uaaahhh. Das nervt mich auch immer wieder tierisch.
    Mein Fazit: Nur noch bügeln, was unbedingt nötig, den Kindern zeigen wie man selber T-Shirts zusammenlegt, leer schlucken und unauffällig den Schrank wieder schliessen. *istjanichtunserProblemwennsienixmehrfinden :-)

  • Susi

    Sehr schöner Artikel.Ich bin auch manchmal ziemlich genervt.Gestern erst habe ich den Kleiderschrank meiner Tochter aussortiert und alles schön gestapelt.Als ich nach dem Mittag kochen wieder ins Zimmer kamen war der Schrank fast leer und alles war auf dem Boden verteilt.Meine Mutter sagt mir immer,dass ich genauso war als ich klein war :) „Die Freuden einer Mutter“ ;)