«Können eure Kinderlein auch schon singen, zählen und durchschlafen?»

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Hach ja.
Wenn man so den ganzen Tag in den Mutti-Communities unterwegs ist, regelmässig Spielplätze, Schwimmbäder, Krabbelgruppen besucht, dann könnte einem manchmal Angst und Bange werden.
Man hört nämlich ständig, was die anderen Kinderlein denn schon so alles guuuut können:

 „Scheisslen“ zum Beispiel oder prima ein- und durchschlafen. Mit 4 Monaten.
Singen und zählen. Und das auch noch Englisch.
Seltene Vogelarten malen, mit verbundenen Augen.
Frei gehen, mit 9 Monaten (inkl. Videobeweis).

Man kann dann entweder leer schlucken und sich schleunigst verabschieden oder man sagt dann halt einfach, dass man auch so ein kleines Wunderkind zu Hause hat.
Ganz ehrlich: Das nervt.
Jedes Kind ist Anders und entwickelt sich unterschiedlich schnell und trotzdem lässt man sich ganz tief im Innern manchmal ein bisschen verunsichern.
«Oh Gott, die Sophia-Marlen spricht schon französisch und sie kann schon 3 Purzelbäume hintereinander? Und sie macht wunderschöne Scherenschnitte und Blockflöte spielt sie auch schon!»

Hat man denn jetzt als Mutter komplett versagt?

Das eigene Kind kann weder singen und tanzen, noch Flöte spielen und ausserdem haut es lieber den kleinen Bruder, statt schöne Sonnenblumen zu malen.
Dazu kommt noch der mitleidige Blick des Gegenübers und der Satz:

«Ach, mach dir nicht’s draus. Das kommt dann schon noch. Du kannst ja sonst mal den Kinderarzt fragen oder ihn mal abklären lassen…»

Warum können solche Gespräche eigentlich nicht so ablaufen?

«Hallo du. Wie gehts? Alles gut bei euch?
Kann dein Kleiner eigentlich schon:
gehen, sitzen, laufen, tanzen, springen, singen, sich anziehen, chinesisch, schön ausmalen, mit der Schere schneiden, Klavier spielen, bis 100 rechnen, still sitzen, mit Messer und Gabel essen, das ABC, durchschlafen, vernünftig sein, aufräumen, friedlich spielen, teilen, den Purzelbaum, den Handstand machen, den koreanischen Songtext von „Oppa Gangnam Style“, Velo fahren, sich schön bedanken, und grüssen, verlieren ohne auszuflippen, selber den Reissverschluss zu machen, trinken ohne jedes Mal den Becher auszuleeren, auf einem Bein balancieren, in die Spielgruppe gehen ohne Abschiedsgeschrei, ohne Schnuller einschlafen, Gemüse essen ohne zu motzen?»

„Ehm. Nein.“ –

„Nein?“ –

„Nein.“ –

«Uff, prima. Meiner auch nicht.
Gehen wir noch einen Kaffee trinken?.»

 

 

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