„Mamakind“ – „Papakind“

1

Da machst du und tust und putzt und wäschst und kochst und dann kommt dein herziges Kind und sagt: „Mama soll weggehen, ich will mit dem Papa Zähneputzen. Ich mag den Papa lieber.“ PÄNG

Da machst du und tust gehst von morgens bis Abends arbeiten, hilfst das Legohaus zusammenzubauen und dann kommt dein herziges Kind und sagt:
Papa soll weggehen, ich will dass Mama mich ins Bett bringt. Ich mag die Mama lieber.“
PÄNG

Kennt ihr das?
Dass euer Kind euch oder den Papa lieber mag? Und das dann auch ganz unverblümt in die Welt hinausposaunt und euch damit das Herz bricht.

Und dann versucht ihr mit Erwachsenen-Logik, (meist in der 3. Person) schlaue Fragen zu stellen um den Grund herauszufinden:
„Warum magst du denn den Papa lieber? Da ist die Mama aber fest traurig. Die Mama macht doch den ganzen Tag immer alles für dich?“

„Warum magst du denn die Mama lieber? Da ist der Papa aber fest traurig. Der Papa macht doch immer alles für dich und geht arbeiten?“

Und die weiteren Antworten auf solche Fragen sind dann meist noch schmerzvoller und grausamer als die ersten.
„Geh weg. Du kannst das nicht. Papa kann das viel besser. Du bist doof. Ich will mit Papa sein. Paaaapaaaaa!“
„Geh weg. Maaaamaaaa, ich will dass du mir die Geschichte erzählst. Der Papa kann das nicht. Maaaamaaaaa!“

Und dann ist man bereits mittendrin im Gefühlschaos.
Hilfe! Mein Kind mag mich nicht!
Hilfe! Mein Kind mag mich lieber als meinen Mann!
Man ist verletzt, wütend und traurig.

Wie solltet ihr auf keinen Fall reagieren?

1. Keine Fotos der schmollenden Kinderlein bei Facebook hochladen.
Auch keine Statusmeldungen posten wie: „Betrübt, Luana will nur noch dass der Papi mit ihr die Zähne putzt.“
„Traurig, bin ich denn gar nichts mehr wert?“

2. Dem Partner keine Vorwürfe machen und keine ironischen Bemerkungen streuen wie zum Beispiel:
„Sie will das wahrscheinlich eh lieber mit dir machen. Du machst es ja eh viel besser als ich. Sie lässt mich im Moment ja eh links liegen. Du bist ja eh im Moment der König und ich die Böse.“

3. Dem Kind keine Vorwürfe machen und keine ironischen Bemerkungen streuen wie zum Beispiel:
„Der Papa kann das ja eh besser als ich. Ok, wenn du schon immer alles mit dem Papa machen willst, dann musst du ihn halt jetzt auch fragen, ob er mit dir das Buch anschaut. Du magst ja den Papa eh lieber als mich.“

Wie reagiert man denn am Besten?

1. Beide Elternteile miteinbeziehen
So gut es möglich ist, versucht, dass beide Elternteile von Anfang an Aufgaben wahrnehmen. Wechselt euch ab, so dass nicht immer der Gleiche das Kind ins Bett bringt oder mit ihm die Zähne putzt. Zieht euch nicht aus lauter Frust zurück und lasst den anderen alles machen. Dieses Verhalten kommt meistens schleichend und nicht vom einen Tag auf den anderen. Wenn man früh genug „Gegensteuer“ gibt, lässt es sich meistens ganz gut eindämmen.

2. Rituale sind wichtig
Kinder lieben Wiederholungen und Rituale. Deshalb überlegt euch welche und haltet euch daran. Manchmal kann es auch helfen, wenn der Papa ein etwas Anderes Ritual einführt als die Mama.

3. Gut vorausplanen
Wenn eure Kids grad in dieser „Ich-will-das-aber-nur-mit-dem“ Phase stecken, dann gebt ihnen klare Anweisungen, WER jetzt WAS erledigt.
Wenn Kinder wissen, dass jetzt die Mama mit ihnen die Zähne putzt und nachher der Papa kommt und das Bilderbuch erzählt, gibt es viel weniger Geschrei und Gemotze.

4. Nehmt es mit Humor
Ja ich weiss. So ein bisschen eingeschnappt ist man halt doch, wenn das Kind einen zurück weist und immer nach dem Anderen schreit Manchmal kann deshalb ein bisschen Humor hilfreich sein, diesen Schmerz etwas zu lindern.
Wenn die Kinder  im Bus nur neben dem Papa sitzen will, dann könnte man zum Beispiel sagen:
„Und neben mir will wieder gar niemand sitzen?…. Huhuhuuuuu, schluchz. Ich bin ganz alleine hier auf meinem Sitz? Ja nu, dann setz ich mich halt da neben meine Jacke, dann bin ich nicht so alleine.“
Oder:
„Ja nu, dann setz ich mich hier neben Herrn Neuenschwander. (Man tut dann einfach so, als würde jemand neben einem sitzen).
„Guten Tag Herr Neuenschwander, sind sie auch hier im Bus? Ja, ich bin ganz alleine. Meine Kinder und mein Mann sind gar nicht da. Ich hab sie nirgends gesehen“…. usw.
Oder:
„Wenn niemand mit mir Zähne putzen will und ich hier ganz alleine bin, dann schlaf ich halt ein bisschen. Vielleicht weckt mich ja die Mia, wenn sie fertig ist mit Zähne putzen..“
Das müsst ihr nicht JEDES Mal so machen, aber ab und zu. Macht das mit einem Augenzwinkern, so dass es ein Spass ist und nehmt es nicht zu ernst, denn:

5. Keine Panik
Es ist ganz normal, dass sich Kinder nicht immer zu beiden Bezugspersonen genau gleich hingezogen fühlen. Das heisst aber nicht, dass sie nicht BEIDE lieben.
Versucht nicht, das als etwas Negatives zu interpretieren. Wenn das Kind lieber den Papa dabei haben will, bedeutet das nicht, dass es EUCH nicht mag. Es tut das, weil es den Papa gern hat und nicht, euch NICHT gern.
Auch wenn sie uns das manchmal weismachen wollen.
„Ich finde dich sooo blöd, den Papa mag ich viel lieber. Ich mag die Mama lieber als dich, sie soll das machen.“
Glaubt es nicht und nehmt es um Himmelswillen nicht persönlich!
Nehmt lieber einen Kaffee oder ein Bad, entspannt euch ein bisschen oder lest ein Buch oder surft ein bisschen auf dem Elternplanetchen herum. :-)

  • Thomas Brasch

    In solchen Momenten setze ich meinen Sohn immer aus und fordere ihn auf, sich neue Eltern zu suchen. Bislang ist er immer wieder heimgekommen.