Das spielt doch keine Rolle…

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„Nein. Du nimmst jetzt dieses Probier-Brotstückchen hier nicht!“, sagt der Mann zum 10-jährigen Töchterlein heute morgen in der Migros.
„Warum eigentlich nicht?,“ denke ich.
„Es ist 1×1 cm klein, füllt den Bauch nicht und ist in 1,3 Sekunden im Mund verschwunden.

„Du musst die Jacke hier im Laden ausziehen!“, sagt die Frau zum 4-jährigen Kind. Das weigert sich und ein Zetermordio bricht los.
„Warum eigentlich?“, denke ich.
„Es wird nicht gleich sterben daran und hat das Kind heiss, zieht es sie dann von alleine aus.“

„Jetzt ziehst du zuerst die Schuhe an und nachher die Mütze!“, sagte ich noch vor ein paar Jahren zu meinem Kind.
„Warum eigentlich?“, denke ich heute.
„Wer legt denn die Reihenfolge beim Kleider anziehen fest? Spielt doch keine Rolle, ob zuerst die Mütze aufgesetzt oder die Schuhe angezogen werden.“

„Nein, jetzt nimmst du den blauen Becher, ich habe jetzt diesen hin gestellt!“
„Warum eigentlich?“ frage ich mich.
Ich hole keinen anderen Becher, aber wenn das Kind einen anderen will, soll es ihn einfach rasch SELBER holen. Oder es deckt am besten grad selber den Tisch.

Ich könnte euch noch hunderte Beispiele aufzählen, die man den ganzen Tag irgendwo hört oder selber in die Welt hinaus posaunt.
Wir haben ja die Tendenz immer ein bisschen zu viel zu labern, zu viele Anweisungen geben und zu viel unnützes Zeug zu erzählen. :-)

Wir Eltern haben oft auch eine ganz fixe Vorstellung, WIE denn etwas sein muss. Auch wenn es eigentlich auch ganz gut ein bisschen anders sein könnte.
Oft denken wir auch: „Ich sage hier wo’s langgeht, wenn ich was sage, dann wird das genau so gemacht, das ist kein Wunschkonzert hier.“
Natürlich, es gibt Dinge, die genau so sein müssen und deshalb ist es gut, wenn man vorausplant und den Kindern sagt, WIE man es haben möchte und WAS man von ihnen erwartet.
ABER:
Es gibt eben tagtäglich auch ganz viele Situationen, in denen es (wenn wir ehrlich sind) eben keine so grosse Rolle spielt. Da muss man gelegentlich wirklich auch mal über seinen Schatten springen und sich vor allem immer vorher kurz überlegen:
MUSS ich das jetzt wirklich sagen?
Ist das wirklich ganz lebensnotwendig, passiert etwas ganz Schlimmes, wenn es nicht genau so umgesetzt wird?

Es gibt sicherlich Anweisungen, welche die Kinder GENAU SO wie wir es sagen, erfüllen MÜSSEN, weil es sonst zum Beispiel gefährlich wird.
Aber eben.
Bei ganz vielen, spielt die „Ausführung“ nicht so eine grosse Rolle und wir müssen nicht so stur sein und auf unserer Vorstellung beharren.

Also:
Macht euch da nicht zu viel Stress.
Vorher kurz das Hirn einschalten, überlegen ob das wichtig ist, ob man das jetzt wirklich sagen und ob es genau SO gemacht werden muss, wie wir uns das vorstellen.

Wenn nicht, dann sagt entweder nichts oder lasst die Kinder ihre Reihenfolge und ihren Weg ausprobieren.
Eure Nerven werden euch einmal mehr sehr dankbar sein.