Ferienbeobachtungsgeschichten

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In den Ferien sieht man ja so allerlei:
Brüste die eigentlich besser verhüllt wären, Quallen die so aussehen wie Spiegeleier, blaue IKEA Taschen, Menschen mit dunkelbrauner Lederhaut, Leute die 35 Minuten am Stück Beach Ball spielen, sehr viele und sehr lang und laut bellende Hunde, laut gröhlende Landsleute, Strandspaziergänger mit Tanga-Strings, unfreundliches Campingplatz-Personal, Glacékarten auf denen von 30 Sorten, 26 durchgestrichen sind und Menschen die mindestens einen Liter Brennflüssigkeit über die Kohlen giessen, bevor sie mit grillen anfangen.

In den Ferien fröne ich immer so ein bisschen dem Nichtstun.
Ich mache keine 10 Kilometer Velotouren, ich spiele nicht Golf, ich klettere auf keine Hügel, ich suche keine Pilze, ich reite nicht auf Ponys, ich wandere auch nicht in die über- übernächste Ortschaft.
Nein, nein.
In den Ferien da lieg ich einfach so ein bisschen auf dem Badetuch am Strand herum, esse Eis und trinke Wein, lese Bücher und fläze im Meer auf der Luftmatratze herum. Manchmal helfe ich auch eine halbtote Qualle im Sand zu vergraben oder spiele ein bisschen Beach-Ball, geniesse das Leben und habe einfach Spass mit Mann und den Kids.

Und wisst ihr, was ich auch noch sehr gerne mache?
Leute beobachten.
Am Strand, auf dem Campingplatz, beim Pizza bestellen, beim Zelt aufstellen. Es gibt wohl keine besseren, spannenderen und lustigeren Menschen-Studien, als im Urlaub.
Zum Beispiel:

Die gestressten Eltern mit drei Kindern.
Er will nur lesen, sie möchte, dass die Kids leise sind. Die Kids wollen sich aber lieber gegenseitig in den Sand drücken, auf den Kopf hauen und einander mit sehr lautem Gebrüll, die Sandspielsachen aus den Händen reissen.

Die Motorradfahrer, die einfach nicht begreifen wollen, dass sie mit den triefend nassen Badehosen (und sie waren wirklich triefend nass), nicht über die Terrasse des Strandcafés laufen dürfen, weil der Boden dadurch nass oder eben triefend nass und rutschig wird und der Signore des Hauses ausrutschen und sich dann sämtliche Glieder brechen könnte.

Und dann gibt es die Urlauber mit der lauten Stimme.
Kennt ihr die? Die immer und überall, alles so laut kommentieren, dass man meinen könnte, sie wären Stadion-Speaker oder diese Marktschreier, die den Leuten an den Messen, multifunktionale Karottenschäler und Fensterputzlappen andrehen wollen. Sie kommentieren lauthals ihre Verdauungsstörungen, das unfreundliche Personal beim Eingang und die zu teuren Pizzapreise. Ausser „laut“ sein und vor ihrem Wohnwagen sitzen, machen sie sonst eigentlich nicht sehr viel. Links von ihnen steht immer die kleine Solarlampe aus dem Versandhaus-Katalog, rechts der Gartenzwerg mit Lederhose.

Und dann hätten wir noch:

Das ältere Ehepaar
Welches 2,5 Stunden lang seinen Wohnwagen „abfahrbereit“ macht und ihn putzt als ginge es um Leben und Tod.
Vorne werden noch die zermantschten Mücklein von der Kühlerhaube geschrubbt, die Sitze gesaugt, die Vorzelt-Teppiche in Millimeterarbeit zusammen gelegt und die Seiten des Wohnwagens mit lauwarmer Seifenlauge abgewischt. Dann wollen Meister Proper und seine Gattin den Wagen an ihr Auto ankoppeln und schieben das Ding etwas gar ruckartig nach vorne.
Vati schreit: „Guck duu-uuu rechts, ich gucke links“, tut aber genau das Gegenteil und das heilige Wohnwägelchen donnert seitwärts in den Stromkasten.
Mutti brüllt: „Du musst guuuucken. Ich gucke rechts und du linkst. Hast du selber gesagt. Ojeoje, schau dir das an, diese Schramme und hier eine Delle.“

Was jetzt folgt, hätte Loriot nicht besser darstellen können. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Eine glückliche Ehe ist eine, in der sie ein bisschen blind und er ein bisschen taub ist.“

Und wenn man solchen Feriendialogen zuhört, die Leute in den Ferien ab und zu beobachtet, muss man immer ein bisschen schmunzeln und sich manchmal auch ein wenig wundern, wie gestresst die Leute eigentlich sind. Nicht selten hat man das Gefühl, dass dieser Zeltaufbau wohl in einer Scheidung endet. Die Kinder nach dem anstrengenden Strandtag vorne an der Reception abgegeben werden und die nörgelnden Ehefrau eine Nacht im Sanitär-Häuschen eingesperrt wird.
Und manchmal ertappt man sich dabei, dass gar etwas Schadenfreude in einem aufsteigt, weil man am Tag zuvor, beim Einparken, Einkaufen, Zelt aufstellen, Wohnmobil putzen, Kinder duschen, Abwaschen, Karte fürs Camping-Eingangstor suchen, nämlich genau das Gleiche erlebt hat.

Es gibt kein sichereres Mittel festzustellen,
ob man einen Menschen mag oder nicht,
als mit ihm auf Reisen zu gehen.

Mark Twain (1835 – 1910)

 

  • Denise Breiler

    Der Hammer- und wie wahr … Grins … Das du noch kein Buch geschrieben hast … Oder hast du ???

  • hihi
    Danke schön. :-)

  • Pipilotta

    Du schreibst so obersaugut…. Es ist toll deine berichte zu lesen