„Liebe Eltern ihr könnt euch freuen, es gibt wieder viele Zeichnungen und Basteleien!“

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Immer am letzten Tag vor den Sommerferien, ist es wieder so weit:
Tausende von Schulkindern schleppen in ihren Rucksäcken, Schultornistern und Plastiktaschen das Schulmaterial des ganzen Schuljahres nach Hause. Mir wird jetzt schon wieder Angst und Bange. Ich weiss es jetzt schon: Da werden wieder zehn Klarsichtmäppli mit Notizen, halbfertigen Zeichnungen, Prüfungsblätter, halb ausgemalte Ritterburgen, Mandalas, Schulreise-Zettel, Velo-Verkehrssicherheits-Broschüren, Faltblätter vom Besuch der Kläranlage, Singhefte und Selbstbeurteilungsbogen zum Vorschein kommen.

Dazu drei Mappen voller Zeichnungen im XXL-Format. Genau die Dinger, die man unmöglich irgendwo aufhängen kann, weil man gar nicht so viele Wände hat.
Bilder mit Wasserfarbtupfer einmal in grün, einmal in blau, einmal in rot.
Blätter mit Neocolor Sternen, Elefanten und Zebras, Selbstportraits (bei denen man dann immer irgendwie versucht, total in Verzückung zu geraten, obwohl es auch das Nachbarsmädchen sein könnte…) und unzählige Bilder mit Mustern, also mit Kreisen und Dreiecken oder auch Blätter mit vielen ausgemalten Häuschen.
Nicht zu vergessen, die vielen Bastelarbeiten. Mindestens sieben Segelflieger aus Recyclingpapier, gehäkelte Untersätzli, Hasen und Schlangen. Bretter mit Nägeln („da bin ich noch nicht ganz fertig, das muss ich dann noch fertig machen.“), Eulen aus Tannzapfen, Vogelhäuschen, Experimentierkästen, Korkzapfentiere, Marienkäfer aus Steinen, gestrickte Fliegenpilze und Schweine aus Joghurtbechern.
Und nachdem alle diese wunderbaren Schätze von zwei Kindern, zwecks Vorführung, auf dem Wohnzimmerboden ausgeleert wurden, kommt noch die Krönung:
Die Bastelresten.
Urgs.
„Wir durften das noch mit nach Hause nehmen. Die Lehrerin brauchte es nicht mehr.“
Sehr clever von der Lehrerin, wirklich.
Was die Kids nach Hause schleppen und den Eltern auf den Wohnzimmerteppich leeren, müssen sie nicht entsorgen.
Das sind dann die total zerknüllten, verknoteten Wollknäuel, 1 Zentimeter grosse Filzresten, schräg abgesägte Holzbretter, Styroporkugeln, Verpackungsmaterial, Holzspäne („die lagen einfach so am Boden rum, die durften wir mitnehmen“), farbige Perlen, leere Schachteln.
Sprich:
Einfach genau die Dinge, von denen wir schon drei Bastelkisten voll haben.

Und dann sitzt Mutti wieder leicht mürrisch, vor den riesigen Haufen Schulzeugs, denkt sich wie jedes Jahr: „Könnten die nicht vorher schon in der Schule etwas ausmisten?“, sortiert dann mit Fingerspitzengefühl und versucht drei Haufen zu bilden:

Haufen 1:
Weg, aber subito!

Haufen 2:
Im Keller aufbewahren
(Schmeissen wir später weg, wenn die Kids vergessen haben, dass es das noch gibt…)

Haufen 3:
Behalten, stellen wir auf/digitalisieren wir.
Mein Mann hat angefangen die Bilder zu digitalisieren. Einfach einscannen oder ein Foto machen und in einem Fotoordner ablegen.

Mit der App Artkive kann man die Bilder auch via App, abfotografieren, beschriften und direkt in der App verwalten. Gibt’s auch für Android
(Der Tipp kommt von FB Elternplanet-„Fan“ Gertrud.)
Danke schön!

Man muss gut argumentieren, sonst ist der 3. Haufen, immer der grösste, denn ARGUMENTIEREN warum wir ALLE diese Kunstwerke tatsächlich in unserem Haus brauchen, können sie mittlerweile auch ganz prima:
„DAS könnten wir doch im Badezimmer aufhängen und DAS auf dem Sideboard so ein bisschen lustig hinlegen. Und DAS könntest du doch neben dein Bett legen, DAS aufs Fensterbrett. Wir haben ja ganz viele Fensterbretter, auf die man etwas drauf stellen kann….“
Und aufpassen muss man auch ein bisschen, damit man die Meisterwerke und die Kinder nicht beleidigt.
„Das Schweinchen, doch doch ist ganz lustig geworden. Wirklich toll. Es kann halt nicht so gut stehen und das Ohr ist abgefallen. Wir legen es am besten Mal in diese Schachtel und bringen es mal ein bisschen in den Keller und stellen es dann auf, wenn es wieder ganz ist.“

Fröhliches Sortieren und Ausmisten wünsch ich!

 

  • Plane

    Warum in Müll und entsorgen? Ich finde gewisse Dinge dürfen aufbehalten werden und sollten auch aufbewahrt werden, besonders Aufsatzhefte, sie spiegeln die persönlichkeit der Kinder wieder. Ich geh wieder zur Schule und nerve mich, dass ich vor 4 Jahren die meisten meiner Schulsachen weg geworfen hab.

  • Birgit Geistbeck

    Das Problem kenne ich auch. Bei uns darf zudem kein einziges Schulheft ins Altpapier wandern (unsere Tochter ist jetzt in der 4. Klasse). Alle Hefte und alles, was in einem DIN A4 Karton Platz hat, wandert in einen solchen zur Aufbewahrung bis die emotionale Distanz groß genug ist, um auszusortieren.

    Kleiner Tipp noch: Wenn man mit Kindern zusammen aussortiert, sollten nie die Kinder die Zeichnungen oder das Spielzeug in der Hand halten, sondern immer der Erwachsene. So fällt das Loslassen leichter, weil die emotionale Distanz größer ist.