6 Sätze, die man als Eltern mehr sagen könnte…

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Kaum schlagen wir Eltern am morgen die Augen auf, geht es auch schon los. Eine Flut an Anweisungen kommt aus unserem Mund:

«Mach vorwärts!»
«Sei still!»
«Lass das!»
«Jetzt iss mal!»
«Sitz gerade!»
«Nicht hauen!»

Das zieht sich dann durch den ganzen Tag und es hört erst auf, wenn die Kinderlein am Abend wieder in ihrem Bett verschwunden sind…
Wer sich selber mal ein bisschen zu hört, der merkt schnell:

Es sind einfach viel zu viele Anweisungen – kein Kind kann sich daran halten.
Never.

Stellt euch vor, euer Partner oder euer Chef würde euch dermassen zulabern, ihr würdet schon längst kündigen oder ausziehen.
Wir Eltern geben aber nicht nur zu viele Anweisungen,  ganz oft hauen wir auch Sätze raus, die wahrlich nicht unbedingt als Vorlage für das «Elternbuch des Jahres» verwendet werden könnten.

«Jetzt reicht’s aber!»
«Du bist doch schon gross.»
«Das kannst du noch nicht»
«So mein Freundchen, noch einmal und dann…»

«Ich zähle jetzt noch bis 3»
«Jetzt räum endlich mal diesen Saustall auf!»
«Siehst du, ich hab’s dir ja gesagt»
«Sei nicht so frech!»
«Hör auf zu heulen!»
«Wenn du jetzt nicht, dann…»
«Das interessiert mich nicht»

«Du bist einfach UNMÖGLICH!»
«Immer machst du, immer bist du…»

Ganz oft benutzt man diese Sätze in Stresssituationen, aus Wut und Frust, weil man nicht mehr weiter weiss, häufig aber auch aus Gewohnheit. Es hat sich so eingespielt, die (und noch viele andere, ähnliche) Sätze haben sich in den Erziehungsalltag eingeschlichen.

Auch wenn sie auf den ersten Blick recht harmlos klingen, können sie, regelmässig angewendet, das Klima in der Familie vergiften.
So ein bisschen wie diese kleinen, süssen Fliegenpilzchen…


Ganz oft stossen wir Drohungen aus oder sagen Sätze, die das Kind als PERSON kritisieren und nicht sein VERHALTEN.
Sie sind entmutigend, können das Selbstvertrauen schwächen oder sogar Schuldgefühle erzeugen.

Häufig merkt man das als Eltern gar nicht mehr, weil es eben fast zur Gewohnheit geworden ist. Man wundert sich dann einfach plötzlich, warum das Kind oder der Teenie immer bockiger, die Beziehung immer schwieriger und angespannter wird.
Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf zu viele und auf abwertende Kommentare, nämlich:

  • Gar nicht, das heisst sie benehmen sich einfach genau so wie vorher.
  • Sie fühlen sich zurückgewiesen, haben das Gefühl, dass sie «eh nichts richtig machen» und sie niemand mehr lieb hat. Oft entsteht dadurch eine Eifersucht, sie suchen deshalb erst recht die Aufmerksamkeit und benehmen sich noch auffälliger und «unmöglicher».
    Oft fangen Kinder auch an, sich mit den Geschwistern anzulegen, werden grob, rücksichtslos und verpetzen den Bruder oder die Schwester, nur um selber «gut dazustehen».
  • Sie versuchen sich anzupassen, sie werden still und ziehen sich zurück.

Prima, denkt ihr vielleicht jetzt. Das klingt ja jetzt alles schön und gut, aber WIE soll ich es denn sonst machen? Muss ich mir jetzt immer auch noch VORHER überlegen, was und vor allem WIE ich mit meinen Kindern reden soll.
Ehrlich gesagt: JA!
Das wäre am allerbesten, aber das geht im hektischen Alltag leider ganz oft vergessen. Deshalb kann es helfen, wenn man sich vorher mal ein paar grundsätzliche Fragen stellt:

  • WAS will ICH denn eigentlich genau von meinem Kind?

  • WAS soll es denn genau TUN?

    (Und eben nicht: Was soll es NICHT tun?)

  • Welche Erwartungen habe ich denn und sind sie realistisch und dem Alter entsprechend?

Die negative Denkweise in eine positive zu drehen, ist am Anfang zwar etwas anstrengender und gewöhnungsbedürftig, aber unglaublich hilfreich und wertvoll.
Eure Kinder und eure Nerven werden es euch danken. ;-)

Deshalb kann es hilfreich sein, sich von den oben genannten Beispielen zu verabschieden, allgemein viel weniger zu reden und wenn, dann lieber diese Sätze regelmässig im Erziehungsalltag zu benutzen:

1. «Brauchst du Hilfe? Kann ich dir helfen?»

Gerade wenn Kinder wütend oder frustriert sind, motzen oder brüllen, kann die Frage nach Hilfe deeskalierend wirken.
Mit dieser Frage zeigt man: Ich bin da für dich, ich möchte, dass es dir besser geht, dass wir das Problem lösen können, sage dir aber nicht einfach was du tun sollst.
Manchmal ist die Situation auch etwas verfahren, oder man hat schlichtweg keine Ahnung, was denn genau los ist und was das Kind eigentlich genau hat…

2. «Was würdest du denn vorschlagen? Hast du eine Idee?»

Auch diese Fragen funktionieren meistens ganz gut, wenn Kinder nicht einverstanden sind, nur kritisieren, sich nicht mit Regeln und Abmachungen anfreunden können. Mit Fragen und Gegenfragen kann man gemeinsam versuchen eine Lösung zu finden. Wenn Kinder in die Lösungsfindung miteinbezogen werden, halten sie sich auch eher daran. Auch bei Teenagern recht erfolgreich.

3. «Ich wünsche, ich möchte, ich will»

Wenn man nämlich in der ICH-Form spricht, dann macht man das Kind nicht als PERSON schlecht. Man spricht damit von seinen Erwartungen oder gibt einfach eine klare ruhige Anweisung.
«Ich wünsche mir, dass es während dem Essen etwas ruhiger ist damit wir uns alle verstehen.»
«Ich möchte, dass du jetzt deine Jacke aufhängst und nachher zum Essen kommst.»
«Ich will, dass du in normaler Lautstärke sprichst.»
Dann braucht es nämlich auch keine Drohungen.

4. «Das kann passieren. Ich freu mich, dass du es mir gleich gesagt hast.»

Fehler und Dummheiten passieren. Nicht nur den Kinderlein. Doch gerade bei ihnen haben wir Erwachsenen die Tendenz, immer gleich den grossen langen Zeigefinger hervor zu nehmen, den bösen Blick aufzusetzen und irgend eine unsinnige Strafe auszusprechen. Wenn Kinder sich nicht an Regeln halten oder einen Fehler machen, dann geht es viel mehr darum zu überlegen:
«Was können wir, oder was kannst du tun, damit es das nächste Mal nicht mehr passiert oder besser läuft?»
Wenn eine Konsequenz, dann sollte sie am besten kurz und logisch sein.

5. «Toll, was du schon geschafft hast»

Kinder müssen nicht perfekt sein und deshalb ist auch eine Anstrengung, ein kleiner Schritt schon ein kleiner Meilenstein. Ein positives Feedback ist motivierender als ständig zu nörgeln oder zu kritisieren.
Wenn man unbedingt auf einen Fehler aufmerksam machen will, dann auch hier lieber Fragen und Gegenfragen stellen:
«Schau mal, ob dir noch was auffällt.»
«Was kommt denn als nächstes noch?»
«Was könntest du denn jetzt als nächstes noch tun?»

6. «DANKE, dass du…»

Kinder machen während des Tages ganz viele tolle Sachen. Sie sind liebenswürdig, hilfsbereit, zuvorkommend, aufmerksam, lustig und ganz oft schauen wir darüber hinweg. Wir merken es einfach nicht, oder wenn doch, dann bleiben wir stumm oder warten so lange mit einem Kommentar, bis sie schon wieder streiten.
Wenn man nämlich gut hin schaut und zuhört, dann entdeckt man immer wieder kurze, positive Momente, die man wertschätzen kann. Das kann eine Geste sein, ein zu zwinkern, ein Lächeln, ein «Ich hab dich lieb» oder auch:
Ein DANKE,
dass du deinem Bruder das Buch gebracht hast,
dass du mir hilfst,
dass du grad getan hast, worum ich dich gebeten habe,
zaubert jedem Kind ein Lächeln aufs Gesicht.

Klappt (ab und zu) auch bei Teenies:
Ein DANKE,
dass du deine Sachen weggeräumt hast. (Auch das kommt manchmal vor..)
dass du mir Gesellschaft geleistet hast
dass du mir rasch Bescheid gegeben hast, dass du später kommst.

Das zauberhafte Lächeln auf dem Gesicht ist dann zwar eher selten.
Sie lächeln mehr «innerlich».
Aber das ist ja auch schon was…

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