„Nein mein Kind, DAS kaufst du sicher nicht!“

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Jedes Mal wenn man mit den Kids ein Geschäft betritt, läuft einem schon ein kleines Schweisströpflein die Stirn hinunter.

„Worüber müssen wir heute wieder diskutieren?“
„Was wollen sie sich heute wieder Unsinniges kaufen?“
„Wie lange geht es wohl, bis wir wieder Krach haben?“

Und kaum ist man tatsächlich im Laden drin geht es auch schon los:

„Oh, Mama schau, dieses bauchfreie, sehr enge Top (mit der Aufschrift „I’m A Super Bitch“) kauf ich mir von meinem Geburtstagsgeld!“

„Diese Nerf (jaja, eine sehr schreckliche Spielzeugwaffe), die kauf ich mir von meinem Taschengeld.“

„Genau diesen Dior Lippenstift (für schlappe 50 Stutzt) hat die Dagi im letzten Video gezeigt. Den kauf ich, mit dem Geld von Oma.“

Während dem man als Eltern zuerst ausgiebig hyperventiliert und kurz vor der grossen Ohnmacht steht, marschieren die Kids mit ihren Lieblings-, Lippenstiften, Zeitschriften, Boyfriend-Hosen, Adidas Sneakern, Spielsachen, ferngesteuerten Spielzeugautos, Games oder Hotpants, direkt zur Kasse.

„Nein! Nicht dieses hässliche, laute, unnütze, schreckliche, überteuerte, nuttige, billig wirkende Etwas!“ würde man am Liebsten rufen.
Der Mund formt sich schon zu lustigen Elternsätzen wie:
„Das Geld kannst du doch für etwas Sinnvolles einsetzen. Für eine neue Winterjacke zum Beispiel oder eine Schreibunterlage, für ein spannendes Buch oder einen neuen Regenschirm!“

Da man sich genau bewusst ist, WIE die Reaktionen nach solch gut gemeinten Vorschlägen ausfallen werden, ist man in den meisten Fällen still, sagt gar nix und hofft irgendwie, dass die Kinder bis zur Kasse wieder vernünftig werden.
Manchmal rollt man auch einfach ganz theatralisch mit den Äuglein und kann sich ein:
„Muss das wirklich sein?“ oder ein: „Nein, diesen Schwachsinn kaufst du jetzt nicht wirklich?“ nicht verkneifen.

Natürlich möchte man den Kids die Freude an ihren Wünschen eigentlich nicht verderben und in den Internet-Ratgebern hat man doch schliesslich auch schon mehrmals gelesen, dass die Kinder doch mit ihrem Geld kaufen können was sie möchten.
Und doch stellt man sich jedes Mal wieder die Frage:

Wie viel Verantwortung im Umgang mit Geld kann ich meinen Kindern zutrauen?

Wie weit soll, kann, darf ich als Mama oder Papa über den Einsatz des Geldes mitbestimmen?

Wann sind Kinder alt genug, um zu entscheiden was sie kaufen dürfen?

Diese Fragen sind auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so schwer zu beantworten. Die Meisten werden wohl sagen:
„Klar, mein Kind soll und darf das selber entscheiden. Wenn es SEIN Geld ist, dann ist es auch SEINE Entscheidung!“
Und doch sieht es dann manchmal im Alltag etwas Anders aus. Nämlich dann, wenn der 9-Jährige einen Pulli mit einem sehr grossen Hanfblatt in den Einkaufswagen legt, die 12-Jährige sich den schwarzen Lippenstift aussucht oder der 14-Jährige ein Paar Militärhosen mit zur Kasse nimmt.
Hand aufs Herz: Da ist man schon manchmal geneigt, von den eigenen Prinzipien etwas abzuweichen. Man versucht ganz streng zu gucken, den Kindern (mit lieblich säuselnder Stimme) ihre Einkaufswünsche wieder auszureden oder man spricht ein Verbot oder eine Drohung aus.

„Du der Lippenstift kann ganz schreckliche Allergien auslösen. Hab ich grad gestern auf Facebook gelesen!“
„Die Hosen wurden in Bangladesh von Kindern hergestellt.“
„Wenn du mit diesem Pulli das nächste Mal ins Training gehst, wirst du grad angezeigt und aus dem Club geworfen“

Wie umgeht man dieses Dilemma?

Um solche Diskussionen zu verhindern macht es durchaus Sinn, dass man das einmal miteinander bespricht.

Es gibt vielleicht durchaus ein paar kleine Einschränkungen, die man aber wirklich besser ganz am Anfang miteinander ausformuliert.
Vielleicht möchtet ihr ja nicht, dass die Kinder jedes Mal einen neuen Goldfisch oder täuschend echte Maschinengewehre kaufen, wenn sie in der Stadt unterwegs sind.

Damit Kinder aber wirklich lernen, ihre eigenen Kaufentscheidungen zu treffen und diese auch zu reflektieren ist es ganz wichtig, dass sie früh den Umgang mit Geld lernen (dazu hab ich euch hier den Artikel „Was kostet eigentlich?..“ verfasst)  und dass man sie eben auch selber entscheiden lässt.

Man kann den Kindern vielleicht seine Gedanken zu dem bevorstehenden Kauf mitteilen, die Entscheidung dann aber ihnen überlassen.
„Mir persönlich gefällt diese Farbe jetzt nicht so. Ich überlege mir jeweils vor einem Lippenstift kauf auch, zu welchen Kleidern er denn passen würde und zu welchen Gelegenheiten ich ihn tatsächlich auch tragen kann.“
Wenn man seine „Meinung“ kundtut muss man einfach immer etwas aufpassen, dass man nicht abwertend oder abfällig wird.
Denn diese ablehnenden Aussagen können Kinder und Jugendliche erst recht bestärken, sich etwas zu kaufen, weil wir Erwachsenen es furchtbar doof und daneben finden.

Die Kinder vor Fehlkäufen bewahren?

Jeder von uns hat wahrscheinlich im Konsumrausch schon mal etwas über die Stränge geschlagen, sich von Aktionen, Werbebotschaften oder Marketinggags überrumpeln lassen und Dinge gekauft, die man im Nachhinein total schrecklich, unnötig, überflüssig oder überteuert fand.

Genau diese Erfahrung sollen, dürfen, müssen unsere Kids auch machen.
Wir können noch so sehr predigen, moralisieren oder sie davor warnen:
Der Verlust des Taschengeldes für ein angeblich tolles Spielzeug, welches schon nach ein paar Tagen kaputt geht oder an dem man das Interesse verliert, kann man nur nachvollziehen, wenn man es eben selber erlebt hat.

Wie sagte schon der schlaue Konfuzius:

Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:
Erstens durch Nachdenken,
das ist der edelste
Zweitens durch Nachahmen,
das ist der leichteste
und drittens durch Erfahrung,
das ist der bitterste.

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Dieser Post ist eine bezahlte Zusammenarbeit mit MoneyFit von PostFinance und ist ein Teil der Serie „Umgang mit Geld.“

Die weiteren Beiträge aus dieser Serie sind:

„Waas? Ich muss euch etwas von meinem Lehrlingslohn abgeben?“

Ein Ferienjob muss her!

Brauchen Kinder Taschengeld?

Teenies im Shopping-Rausch

 „Was kostet eigentlich?..“ – Mit Kindern über Geld reden

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Artikelbild: shutterstock.com/rohappy