Teenies im Shopping-Rausch

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„Ich habe einfach keine Kleider!“
Der Teenie steht in seinem Zimmer, fuchtelt wild mit den Händen, die Stimme ist laut.
Mutti steht kopfschüttelnd daneben und zeigt mit dem Finger auf die Kleiderhaufen, die wie grosse Maulwurfshügel, kreuz und quer im Zimmer liegen und zieht fragend die Augenbrauen nach oben.
„Keeeine Kleider? Jetzt bist du aber ein bisschen übergeschnappt? Dein Zimmer besteht ja fast nur noch aus Kleidern! Und überhaupt könntest du auch wieder mal aufräumen und die dreckigen Sachen in den Wäschekorb legen. Und die Aufgaben? Hast du die Aufgaben gemacht? Und was macht dieser leere Joghurtbecher hier auf dem Pult? Du weisst ganz genau, dass du im Zimmer nicht essen darfst…“

Falls ihr auch Teenie-Girls zu Hause habt, dann kennt ihr wahrscheinlich diese Situation und diese Gespräche.

Teenies im Kaufrausch

„Jedes Mal wenn du von der Stadt nach Hause kommst, hast du wieder was Neues gekauft, dabei hast du doch schon 18 Kapuzenpullis!“
Wir Eltern können das Kaufverhalten der Teenies nicht wirklich nachvollziehen. Doch in dem Alter bedeutet das Kaufen eben mehr als nur die Befriedigung der Grundbedürfnisse. Shoppen bedeutet ein Stückchen Freiheit, einmal etwas entscheiden zu können, ohne dass die Erwachsenen drein reden.
Der eigene Kleidungsstil ist eine Form der Selbstdarstellung, auch wenn der sich immer wieder ändert. Jede Altersgruppe hat ihr „typisches Accessoire/ihren Style“, damit erlangt man die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, bekommt die Aufmerksamkeit von seinen Freunden.
Egal ob Michael Kors Taschen, Stan Smith oder Converse Schuhe, Boyfriend oder High Waist Jeans oder die Löcher mit ein bisschen Hosen dran, wer dazu gehören will, der muss sich in die aktuelle Teenager-Kluft werfen. Man trägt, was angesagt ist.
Das war schon in unseren Teenie-Jahren so. Auch wir hatten unsere „Modesünden“, die wir natürlich damals nicht als solche gesehen haben.
Ihr erinnert euch sicher noch:
Adicolor, neonfarbige Oberteile, Nietenarmbänder, Netzshirts und Strümpfe, Latzhosen, Rüebli-Jeans oder Jeans mit Streifen an den Seiten.
*schrecklichschrecklich

Verändert hat sich aber ganz klar die Quelle der Inspiration. Wir wurden damals vor allem durch unsere Lieblingsstars und Jugendmagazine wie BRAVO, BRAVO Girl oder MÄDCHEN inspiriert.
Heutzutage werden die Jugendlichen hauptsächlich durch Vorbilder aus der Werbung, durch Fashion-Bloggerinnen, Instagram- und YouTube Stars – sogenannten Influencern, zum Kauf von Kleidung und Produkten animiert.
Ganz oft sind es Gleichaltrige, die aus irgend welchen unerfindlichen Gründen Hunderttausende oder manchmal gar Millionen von Fans um sich versammelt haben. Ganz ungeniert und oft ohne richtige Kennzeichnung, posten und publizieren diese Influencer die verschiedensten Produkte, für die sie dann von den Firmen fürstlich bezahlt werden. Die Grenzen sind fliessend und für Kids und Jugendliche kaum wahrnehmbar.
Teure Uhren, Handtaschen, Schmuck, Kleider, Zahnbleeching-Streifen, Kosmetikprodukte, Handyverträge, Weichspüler – es gibt nichts womit die jungen Stars nicht Werbung machen…
Ganz verzückt liken und kommentieren die jugendlichen Fans dann die Werbebilder mit:
„Schönheit“, „WOW, du bist so süss!“, „Unglaublich dieser Look“, „Ich liebe dich“, „Wie kann man nur so schön sein?..“
Die Stars und Sternchen bekommen Streicheleinheiten für ihr Ego – die Firmen Reichweite für ihre Produkte.

„Mama! Ich brauche uuuunbedingt diese Limited Edition!“

Egal welcher YouTube, Snapchat- oder Instagram-Star irgend etwas in seine Story oder auf seinen Channel postet: Die Kids sind ganz wild darauf, verjubeln ihr ganzes Taschengeld oder die Eltern rennen für ihre Sprösslinge in die Läden und besorgen sich die Limited Editions von Bibi, Dagi, Mary und Co.
Die Kids werden nonstop angefixt: In Einkaufs-Hauls, in Daily V-Logs, in Follow Me Arounds, in Room-Tours, auf allen Sozialen Kanälen dieser Welt.
Sich in der Pubertät, also im Alter der allgemeinen Verunsicherung und Veränderung, dagegen zu wehren oder sich vernünftige Gedanken über die versteckten „Konsum-Anfixereien“ zu machen, ist fast unmöglich.

Wie kann man als Eltern richtig reagieren?

Einfach nur Grenzen zu setzen oder gar Verbote auszusprechen, funktioniert in diesem Alter nicht mehr. Die Jugendlichen werden dadurch noch mehr angestachelt und die Produkte werden noch reizvoller.
Wer Teenies verstehen will, der muss sich mit der „Materie“ auseinander setzen.
Lasst euch die YouTube, Insta-, Snapchat und musical.ly Welt erklären und euch die Stars eurer Kids zeigen, ohne immer gleich darüber zu urteilen.
„Was findest du toll? Was fasziniert dich? Warum möchtest du auch gerne so sein? Was denkst du, warum zeigt sie diesen Knoblauch, diese Strumpfhose oder diesen Haarfön? Warum postet sie dieses Bild? Warum sitzt sie am Strand mit einer Flasche Weichspüler? Was bedeuten diese #Hashtags?“
Redet mit euren Kids, stellt Fragen und Gegenfragen und lasst sie gewisse Erkenntnisse selber herausfinden. Seid kritisch, aber nicht bevormundend, klickt euch mit ihnen durch die Profile und Channels, ohne wertend zu sein.

Was tun, gegen die Konsumflut?

Wenn Kinder in die Pubertät kommen, dann stecken sie in einer grossen Identitätskrise.
Wer bin ich?
Was will ich?
Wer möchte ich sein?
Was zeichnet mich aus?
Wie kann ich dazu gehören?
So viele Fragen stehen im Raum und die Kleidung, das Aussehen und eben auch das Konsumverhalten sind da wichtige Katalysatoren.
Deshalb ist es auch gut möglich, dass ein Kleiderstil ganz plötzlich nicht mehr gefällt und das Kind sich über zu wenig Kleider beklagt, obwohl der ganze Schrank, resp. das ganze Bett und der ganze Fussboden voll davon sind.
Auch hier braucht es eine Diskussion und manchmal auch etwas Hilfe und Unterstützung.
Kleider die plötzlich nicht mehr gefallen oder nicht mehr „IN“ sind, kann man zum Beispiel gut mal zusammen ausmisten und einen Teil davon entweder der jüngeren Schwester, einer Nachbarin, Freundin verschenken (oder gar verkaufen), sie in eine Börse oder in einen Secondhand-Laden bringen oder sie einfach mal für eine gewisse Zeit in den Keller räumen.
Die Gelegenheit könnte man auch gleich nutzen, um vielleicht auch noch andere „Kindersachen“ zu sortieren oder mal wegzuräumen, die vielleicht seit Monaten/Jahren noch in den Schränken herum liegen.

Kleidertausch mit Freundinnen und Freunden kann den eigenen Kleiderschrank auch wieder etwas aufpeppen. Warum also nicht mal eine Jeans oder ein paar Shirts miteinander tauschen?

Mit einem Kleider-Wunschzettel oder einem eigenen Profil auf einer Plattform wie zum Beispiel „We heart It“, „Pinterest“ oder einer Online Shopping Seite, kann man die Kleiderwünsche auch etwas besser sortieren. Wenn man nämlich seine Lieblingsstücke erst einmal online begutachtet, etwas ordnet und sie in eine Liste packt, dann kann man seine Auswahl immer wieder überprüfen und etwas besser entscheiden, WAS man wirklich braucht. In dem man sich nicht immer jeden Wunsch gleich erfüllt, sondern vorher etwas Zeit verstreichen lässt, nimmt der Drang dieses Kleidungsstück JETZT und SOFORT zu besitzen, ganz oft ab.

Man muss als Eltern nicht jedes Kleidungsstück toll finden, aber man muss auch nicht ständig seinen negativen Kommentar dazu geben. Das ist nämlich eher kontraproduktiv.

Oft kann es auch helfen zusammen ein Budget zu erstellen und bei Kindern ab ca. 13 Jahren, den Jugendlohn einzuführen. Mehr dazu könnt seht ihr hier.
Erst dann, wenn Kinder und Jugendliche merken, was Kleider und Kosmetik wirklich kosten und auch selber die Sachen einkaufen müssen, lernen sie sparsam zu sein.

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Dieser Post ist eine bezahlte Zusammenarbeit mit MoneyFit von PostFinance und ist ein Teil der Serie „Umgang mit Geld“