Wenn die Leichtigkeit aus dem Erziehungsalltag verschwindet…

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Kinder sind anstrengend, laut, quengelig, frech, haben immer das letzte Wort. Sie trotzen, schreien, brüllen, widersprechen, laufen weg, hören nicht zu und tun ganz oft überhaupt nicht das, was Erwachsene von ihnen wollen.
Hört man Eltern aufmerksam zu, dann hat man oft das Gefühl dass für viele das Zusammenleben mit Kindern ein einziger K(r)ampf ist.

„Ich kann nicht mehr.“
„Ständig läuft sie weg.“
„Ich kann sagen was ich will, er hört mir nie zu.“
„Er haut und brüllt die ganze Zeit, ich mag schon gar nicht mehr mit ihm raus gehen.“

Diese Sätze signalisieren eigentlich:
„Ich habe versagt.“
„Ich komme nicht weiter.“
„Ich weiss nicht was ich falsch gemacht habe, bei anderen klappt das doch auch.“
“ Ich bin unfähig, müde, ausgelaugt.“
„Der Alltag mit meinen Kids macht mir ganz oft einfach keinen Spass mehr.“
„So habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Und genau hier beginnt eine Negativspirale, aus der man selber oft nicht mehr raus findet. Der Fokus liegt plötzlich nur noch auf den Dingen, die nicht gut klappen. Man schimpft, nörgelt, motzt und beginnt dann ständig „Eeeeins, zweeeei….“ zu brüllen und wilde Drohungen auszustossen.
Und Kinder merken schnell, dass sie plötzlich fast nur noch Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie ihre „schlechten“ Angewohnheiten zeigen.
Und genau das passiert dann meistens auch und so dreht sich die Spirale weiter und weiter und die Leichtigkeit, die Freude, der Spass, der Humor und die Fantasie bleiben auf der Strecke.

Nicht alles was Kinder tun, tun sie um uns zu ärgern

Ganz oft empfinden wir Eltern das Verhalten unserer Kinder als unmöglich, frech, beleidigend und unterstellen ihnen, dass sie das extra machen.
„Sie wollen mich nur ärgern, mich zur Weissglut treiben und extra herausfordern.“
Oft vergessen wir aber dass Kinder von ihrer Entwicklung her noch gar nicht in der Lage sind, gewisse Dinge zu tun und Erwartungen von uns zu erfüllen.
Wenn aus Babys Kleinkinder werden, dann werden sie immer wieder mit verschiedenen Gefühlen konfrontiert: Wut, Enttäuschung, Angst, Frustration. Diese Gefühle zu erkennen, einzuordnen und zu benennen ist ein Lernprozess, der manchmal bis ins hohe Erwachsenenalter andauert…
Oft sind es Kleinigkeiten, welche die Kinderlein völlig aus dem Konzept bringen und die dann zu einem wirklich grossen Wutanfall ausarten.
Und JA: Das kann durchaus schon mit 10/11 Monaten anfangen.

Alle Kinder trotzen

Das heisst:
Alle Kinder durchlaufen die Autonomiephase (auch Trotzphase genannt). Sie gehört zur Persönlichkeitsentwicklung dazu. In dieser Entwicklungsphase bildet sich das Ich-Bewusstsein heraus. Die Kinder nehmen sich plötzlich als eigenständige Persönlichkeiten wahr, und haben andere Vorstellungen von gewissen Dingen, als wir Eltern.
*jadasistsehrnervenaufreibendundanstrengend

Wir müssen alle da durch

Nicht nur die Kinderlein – auch wir Eltern.
Die Phase kann man nicht überspringen (so wie die Pubertät leider auch nicht…) und deshalb sind viele Verhaltensweisen die unsere Kinder zeigen ganz normal.
Wenn wir Eltern unseren Kindern einfach so und ohne Vorwarnung etwas wegnehmen oder verbieten, dann übernimmt der emotionale Teil des Gehirns die Führung: Die Vernunft wird ausgeschaltet, das Kind wird von seinen Emotionen überwältig, rastet aus, brüllt, schreit, spuckt oder haut.
Nervig aber eben: Ganz normal

Das Kind ist deshalb nicht böse oder ungezogen und wir Erwachsenen sind deshalb keine schlechten Eltern. Diese Erkenntnis hat mir selber schon ziemlich oft geholfen.
Einfach zu wissen:
Hey! DAS was hier gerade passiert, ist völlig normal!
(Und zwar auch mehrmals am Tag ;-)

Gerade in solch herausfordernden Situationen hilft es oft schon, wenn man einen Schritt zurück steht, den kleinen Trotzkopf (oder das Pubertierchen) aus den Augenwinkeln beobachtet und sich bewusst ist, dass diese Reaktion dem Alter des Kindes entspricht.
Man kann dadurch nämlich seine EIGENE Reaktion etwas besser steuern, in dem man eben selber nicht auch laut wird, schimpft und droht.

Natürlich gibt es eine ganze Menge Tipps, Ratschläge und Ideen, wie man denn um Himmelswillen solche Trotzanfälle einigermassen gelassen überstehen kann und welche vorbeugenden Möglichkeiten es gibt, dass sie vielleicht nicht ganz so oft vorkommen.
Ich habe euch deshalb hier ein ganzes AUTONOMIE- UND TROTZPHASEN Special zusammengestellt.

Als Eltern vergisst man oft eine gewisse Gelassenheit in bestimmte Situationen zu entwickeln. Es gibt eine Frage die man sich dabei immer wieder stellen sollte:

„Ist das jetzt wirklich soooo schlimm?“
Oder anders gefragt:
„Ist es lebensgefährlich?“

„Lebensbedrohlich?“
„Muss man es GENAU SO machen, wie man es als Eltern verlangt oder gäbe es vielleicht eine Alternative?“

Manchmal braucht es auch einfach von allem ein bisschen WENIGER.

WENIGER reden
WENIGER kommentieren
WENIGER schimpfen
WENIGER drohen
WENIGER predigen

Denn weniger ist ganz oft einfach mehr.

Dafür braucht es aber im Alltag mit den Kindern etwas mehr Spass und Humor, mehr Fantasie, der Wille, sich in die Kinder hineinzuversetzen und die Welt wieder mehr mit Kinderaugen zu sehen.
Doch genau das geht im stressigen Alltag ganz oft verloren.

„Ich habe ein Brett vor dem Kopf“

„Habe keine Fantasie, mir kommt in der Situation einfach nichts Kreatives oder Lustiges in den Sinn“, dieses Feedback bekomme ich ganz oft von Eltern zu hören.
Bei den Meisten ist die Kreativität und der Humor zwar in den Grundzügen vorhanden, aber ganz oft ist er unter den vielen strengen Befehlen und Ermahnungen etwas zugeschüttet.
Versucht einmal, das „Spielerische“, den Humor und das Kreative aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken.
Ganz oft braucht es nämlich gar nicht viel. Ein paar Ideen und Vorschläge, die aufzeigen, wie man das Ganze etwas weniger stur, streng und böse angehen kann.
Und das möchte ich in nächster Zeit hier auf dem Elternplanetchen immer mal wieder tun. Euch in einer neuen Rubrik, ganz konkrete, alltagstaugliche, fantasievolle und kreative Tipps aufzeigen, wie man Kinder dazu bringen kann sich anzuziehen, das Gesicht zu waschen, die Zähne zu putzen, das Zimmer aufzuräumen, vorwärts zu machen, weniger wegzulaufen, sich einzucremen, selber zu essen…
(Die Liste lässt sich noch beliebig verlängern).
Ihr findet die Tipps in der Rubrik: TIPPS VON A-Z

Damit vielleicht wieder etwas mehr Ruhe und die Leichtigkeit in euren Erziehungsalltag zurückkehrt.

 

 

Artikelbild: shutterstock.com/Sofiaworld