„Waas? Ich muss euch etwas von meinem Lehrlingslohn abgeben?“

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Neulich irgendwo an einem Küchentisch:
„Mein Kollege hat grad seine Lehre angefangen und der verdient im Fall mehr als 700 Stutz im Monat. Sein eigenes Geld. Der kann jetzt machen was er will. Oh ich freu mich sooo, wenn ich dann in zwei Jahren auch endlich so viel Kohle bekomme. Dann kann ich mir alles kaufen was ich will.“

Euphorisch wedelt der Teenager mit seinen Händen, ist ganz aus dem Häuschen und die Äuglein strahlen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Mutti das Wort übernimmt und zu einer kleinen Predigt ansetzt:
„Du also, so läuft dann das nicht. Du kannst dann dein Geld nicht einfach so verjubeln. Du musst dann dein Bahnticket zahlen, brauchst Geld fürs Essen am Mittag und:

„Du musst einen Beitrag an uns für Kost und Logis zahlen“

Dem Teenie fällt vor lauter Schreck das Smartphone aus den Händen, er wird bleich und ruft entsetzt:
„Waaas? Ich muss euch etwas von MEINEM Lohn abgeben?
Damit ich hier wohnen und essen darf?
Geht’s noch?

Ja das geht.
Das Schweizer Gesetz (ZGB, Art. 323) hält zwar fest, dass der eigene Verdienst den Jugendlichen gehört und dass sie ihr Geld selber verwalten dürfen, allerdings dürfen Eltern verlangen, dass sich die Kids mit einem „angemessenen“ Betrag an ihren Lebenskosten beteiligen
Wortwörtlich heisst es dort:

Art. 323 ZGB
1 Was das Kind durch eigene Arbeit erwirbt … steht unter seiner Verwaltung und Nutzung.
2 Lebt das Kind mit den Eltern in häuslicher Gemeinschaft, so können sie verlangen, dass es einen angemessenen Beitrag an seinen Unterhalt leistet.

Was heisst denn „angemessen“?

Zugegeben, das ist ein sehr schwammiger und dehnbarer Begriff.
Entscheidend ist dabei sicher, wie hoch der Lehrlingslohn ist und wie viel Geld man als Eltern allgemein zur Verfügung hat. Als Richtlinie schlägt die Budgetberatung Schweiz einen Betrag im Rahmen von 15 bis 20% des Lehrlingslohnes vor.
Das ist aber natürlich nur ein Richtwert. Man kann jetzt nicht einfach den Lohn nehmen und davon frisch fröhlich 20% abziehen, denn die Lehrlingslöhne, gerade im ersten Lehrjahr, sind sehr unterschiedlich.
Wer also zum Beispiel nur 400 Franken im Monat verdient, der kann sich logischerweise etwas weniger an den Kosten beteiligen, als jemand, der 1000 Franken verdient.

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Zusammen ein Budget erstellen

Auch wenn das vielleicht jetzt ein bisschen „unsexy“ klingt und eure Teenies bei diesem Vorschlag erst einmal die Augen verdrehen und laut jammern, ist das ein wichtiger Schritt für ein friedliches Zusammenleben. Ihr müsst dann nämlich nicht ständig übers „Wieso? Warum?“ und übers „Wie viel“ diskutieren und streiten.
Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen sehen, was ihr Leben eigentlich jeden Monat so kostet.

Richtlinien und Budgetpläne findet ihr übrigens hier auf der Seite der Budgetberatung Schweiz 

Jugendliche sollen Verantwortung übernehmen

Dass die Jugendlichen am Anfang nicht gleich einen Freudentanz aufführen ist ganz normal. Wer will schon gerne von seinem hart verdienten Geld, irgendwem, irgendetwas abgeben?
Viele Teenies werden am Anfang murren, sich viellicht auch über die Abgaben aufregen oder gar versuchen den Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen:
„Ich bin doch euer Kind, ihr müsst für mich sorgen. Warum soll ich jetzt plötzlich etwas bezahlen? Alle anderen müssen auch nichts abgeben.“

Ich finde es wichtig, dass den Jugendlichen klar wird, dass eben aus dem „Eltern-Kind-Verhältnis“ eine Art „Erwachsenen-WG“ geworden ist. Das ist ein neuer Abschnitt für die Kids aber auch die Eltern und am Anfang ist das gar nicht so leicht damit umzugehen.
Es geht in erster Linie gar nicht darum, WIE VIEL die Jugendlichen jetzt abliefern müssen, sondern dass sie lernen, einen Teil der Verantwortung für ihre Lebenshaltungskosten selber zu übernehmen.
Ein wichtiger Schritt, auf dem Weg in die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

„Und sie? Voll fies, sie muss nichts abgeben?“

Nicht immer ist es so, dass beide Kinder eine Lehre machen. Wenn ein Geschwisterteil eine weiterführende Schule besucht, dann empfindet es der andere oft als besonders „fies und gemein“. Er, der Lehrling, muss Geld abliefern und der „Schüler“ nicht.
Auch das ist grundsätzlich erlaubt. Es besteht nämlich ein Recht auf Ausbildung, aber kein Recht auf finanzielle Gleichstellung. Diese Tatsache führt aber trotzdem ganz oft zu bösem Blut, zu Ärger und Streit.
Wenn die Kinder also unterschiedliche Ausbildungen anfangen, dann kann es durchaus sinnvoll sein, sich zu überlegen, wie eine mögliche Ausgleichszahlung aussehen könnte. Vielleicht ermöglicht man ja dem Kind, welches eine weniger lange oder weniger teure Ausbildung gemacht hat, später noch einen Sprachaufenthalt oder eine andere Weiterbildung.
Verpflichtet dazu ist man als Eltern aber nicht.
Vorher eine Diskussion darüber zu führen, wie man das am besten machen könnte, ist aber zu empfehlen.
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Dieser Post ist eine bezahlte Zusammenarbeit mit MoneyFit von PostFinance und ist ein Teil der Serie „Umgang mit Geld“

 

 

  • Miriam

    Ja das haben wir auch hinter uns. Wir haben es so geregelt dass Junior sein Handy, Kleider, Coiffeur und einen Teil vom Mittagessen selbst bezahlt. Er muss uns nichts abgeben dafür aber einen fixen Betrag auf sein Sparkonto überweisen. Zudem spart sein Arbeitgeber mit. 10% vom Lohn werden direkt vom Lohn abgezogen und mit einem guten Zinssatz gespart. Nach den 4 Jahren Lehre hat er einen dchlnen Batzen auf der Seite