Es muss nicht immer die Côte d’Azur sein…

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Ich habe sie geliebt – unsere Sommerferien damals an der Côte d’Azur. Das Meer azurblau, die Einheimischen freundlich und zuvorkommend, die Unterkünfte bezahlbar, die Campingplätze einfach aber unkompliziert.
Es gab damals noch Steh-Toiletten (Iiiiieeeks), Telefonkabinen beim Eingang mit langen Warteschlangen davor, am Abend spielte das süsse Schnulzen-Duo „Douce France“ – zwei langhaarige Typen mit Dauerwelle, Schnauz und Keyboard.
Südfrankreich war toll und ich freute mich jedes Jahr unglaublich auf diese Familienferien. Auf dem Rastplatz gab’s selbst gemachten Reissalat und am Strand assen wir die ersten 2 Tage unsere Haselnuss-Zwiebacks.

Meine „Côte d’Azur-Liebe“ war gross und stark und lange konnte sie nichts erschüttern. Sogar als das Chaos im Sommer immer grösser wurde, die Campingplätze teurer, die Parzellen kleiner, die Parkplätze voller und die Leute immer unfreundlicher, zog es uns in der Hauptsaison mit unseren zwei Kids immer noch anCôte.
Doch die Liebe wich der Ernüchterung, dann kam die Enttäuschung und danach der Bruch.
Der Sommer in Südfrankreich wurde nahezu unerträglich. Die Preise der Unterkünfte stiegen ins Unermessliche, die Campingplätze waren übervoll – nur wer ein Jahr vorher bucht bekommt einen einigermassen vernünftigen Platz, das Essen überteuert und schlecht, die Leute grimmig, unfreundlich, der Service schludrig. Alles war dreckig, laut, übervoll – man hatte wirklich das Gefühl: Die haben es echt nicht mehr nötig, sich ein bisschen Mühe zu geben.
Und deshalb war die Côte d’Azur im Sommer für uns keine Option mehr, sie war für lange Zeit passé.

Und doch vermissten wir Frankreich mit der Zeit halt doch ein bisschen. Und so kamen wir vor 3 Jahren auf die grandiose Idee:

Hey! Wir könnten doch mal ein anderes Stück Frankreich ausprobieren.

Es muss im Sommer ja nicht unbedingt die laute, unfreundliche Côte sein. Wir könnten doch mal ins Landesinnere fahren.
Und so stiegen wir in unser Sunlight-Wohnmobil und fuhren einfach drauf los. An der „Cher“, an der „Dordogne“ und der „Loire“ entlang. Hinein ins gemütliche, liebliche, freundliche Frankreich. Ohne Chaos, ohne Stress und OHNE RESERVIERUNG.
Kein Campingplatz den wir bis jetzt besucht haben war überfüllt, Platz findet man immer. Und falls es doch mal knapp werden sollte:
Keine Panik! Der nächste Campingplatz ist nicht weit und es gibt sooooo viele davon.

Lösen muss man sich vielleicht etwas von der Vorstellung, dass nur die teuren ADAC Campingplätze etwas taugen. Denn das stimmt definitiv nicht.
Ganz oft fährt man einfach an einem Platz vorbei, guckt schnell rein und findet so ein Bijou, das nirgends in einem Führer aufgelistet ist.
Auch Google Maps ist ein guter Freund und Helfer und man findet unzählige wunderbare Plätze, zwar ohne viel Schnickschnack, aber immer sauber und mit freundlichem Personal.

Camping Les Cochards in Seigny (Seigny liegt im Département Loir-et-Cher in der Region Centre-Val de Loire).

Zu empfehlen sind ganz oft auch die Camping Municipal. Sie haben zwar immer noch einen etwas schlechten Ruf, doch meistens zu unrecht. Viele Plätze, die etwas in die Jahre und heruntergekommen sind, haben nämlich in der Zwischenzeit eine Rundumerneuerung bekommen. Und die Plätze sind vergleichsweise günstig. Wir haben für die meisten Plätze in der Hochsaison zwischen 20 und 40 Euro bezahlt (pro Nacht, inkl. Strom und 2 Personen. Kids sind bis 11 oder 13 Jahre meistens gratis).

Es lohnt sich also immer mal einen Blick auf die Camping Municipal zu werfen. Am besten grad direkt vorbei schauen, die Webseiten der Plätze sind oft unterirdisch schlecht und langsam.
Eine Übersicht der Camping Municipal Plätze findet ihr hier.

Falls ihr etwas weniger abenteuerlustig seid und gerne auf Plätze geht, die ihr vom Namen her schon ein bisschen „kennt“, kann ich euch diese Brands hier empfehlen:

Camping INDIGO/Huttopia

Wunderschöne, naturbelassene Plätze, einfach und in schlichtem Design gehalten. Schöne Sanitäranlagen, wenig und angenehme Animation und es hat immer ein kleines aber feines Schwimmbad, eine Bar und einen Laden. Wirklich sehr empfehlenswert. Zum Teil heissen die Plätze noch „Indigo Campings“, zum Teil wurden sie bereits in „Camping Huttopia“ umbenannt. Man findet sie in ganz Europa und sie bieten nicht nur Stellplätze, sondern vermieten auch Zelte, Planwagen und tolle Holzhütten.


Hier geht’s zur Seite „Camping Huttopia“

Hier geht’s zur Seite „Camping INDIGO“

Flower Camping

Auch mit den Flower Campings haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Es gibt oft ein kleines Kinderprogramm (aber erträglich, also kein „Grande Spectacle“ mit DJ Ötzi und Co. Also auch für Leute geeignet, die mal ohne Kinder reisen).
Die Campings sind überschaubar, also keine riesigen Parks, sehr naturbelassen, einfach und sauber.

Hier geht’s zur Seite „Flower Campings“

 

Yelloh Camping


Wer mit Kindern und Jugendlichen reist und gerne ein bisschen mehr „Rambazamba“ hat, der ist auf einem der zahlreichen Yelloh! Campings gut aufgehoben. Hier gibt es Animation, Kids Club, viele Aktivitäten, Schwimmbad und oft ganze Badelandschaften mit vielen Wasserrutschbahnen.
Wer’s etwas ruhiger mag, der soll sich unbedingt vorher rasch die Bilder und die Bewertungsstimmen auf den Portalen angucken. Der Lärm und Animationspegel ist wirklich von Platz zu Platz sehr unterschiedlich. Grundsätzlich herrscht aber auf den Yelloh! Campingplätzen aber doch mehr Action als auf den Flower oder den Indigo Campings.
Achtung: Es gibt einige Yelloh! Anlagen, die vermieten nur Unterkünfte und bieten keine Stellplätze für Wohnmobile und Zelte an.
Unbedingt vorher checken!

Hier geht’s zu den „Camping Villages YELLOH“

Wer in der Hauptsaison schon im Süden Frankreichs unterwegs war der weiss:
Es führt kein Weg an einer Reservierung vorbei. Die Plätze muss man meistens schon dann buchen, wenn hier noch Schnee liegt, sonst hat man keine Chance auf einen einigermassen vernünftigen Platz oder ein Häuschen.

Doch wer wie wir zur Sorte „Wir wissen im Januar noch nicht genau, wo wir dann im Juli in die Ferien fahren wollen“ gehört oder wer einfach gerne so ein bisschen durch ein Land reist, ohne grosse Pläne, der ist im Landesinneren gut aufgehoben.

Wir haben auf unseren 3 Reisen, die wir bis jetzt im Landesinnern, im Südwesten Frankreichs,  und im Val de Loire oder am Atlantik unterwegs waren, immer einen Platz gefunden, ohne vorher zu reservieren.
Wenn man nicht gerade in die grossen Touristenorte geht, ist das auch im Hochsommer kein Problem.
Am besten ist es, wenn man so kurz vor dem Mittag oder am frühen Nachmittag eintrifft. Die Plätze müssen nämlich jeweils bis am 12 Uhr geräumt sein.
Achtung! In der Vor- oder Nachsaison, sind einige Rezeptionen erst ab 15 Uhr wieder geöffnet.
Wenn man trotzdem etwas unsicher ist, kann man auch gut während der Reise, also 1-2 Tage vor Ankunft etwas kurzfristig reservieren. Haben wir auch schon gemacht und hat super geklappt.

Falls ihr im Landesinnern, entlang der Flüsse, „Cher“, „Loire“, „Dordogne“ unterwegs seid und die Möglichkeit habt, nehmt unbedingt die Fahrräder mit. Oder mietet auf dem Camping oder in der Stadt welche.
Frankreich hat mittlerweile ein ganz tolles Velonetz aufgebaut und ist wahrlich ein Paradies für Radfahrer
Unter dem Namen „Véloroutes“ findet man in Frankreich bereits über 2500 Kilometer gesicherte und markierte Velowege auf verkehrsarmen Straßen.

Ausserdem gibt es noch ein tolles Angebot, das nennt sich  „Voies Vertes“. Das sind viele Wege, die völlig autofrei sind und auf denen man auch gut und sicher mit den Kindern fahren kann.

Alle Velowege von Voies Vertes findet ihr hier:


Es macht wirklich total Spass, wenn man von einem Dörfchen zum nächsten ganz gemütlich mit dem Velo radeln kann. Ganz oft führen die Wege durch Pinienwälder oder dem Strand entlang.

Ich kann euch wirklich empfehlen, etwas mutig zu sein und euch in der Hochsaison mal auf den Weg ins Landesinnere zu machen.
Es erwarten euch wunderschöne mittelalterliche Städtchen mit hübschen Cafés, mit Bars und super leckeren, kleinen Restaurants. Manchmal hat man echt das Gefühl, die Zeit sei ein bisschen stehen geblieben und „Belle“, ihr Vater Maurice oder der unflätige Gaston aus „Beauty & The Beast“ kämen gleich um die nächste Ecke gerannt.

Argentat (Liegt im Département Corrèze in der Region Nouvelle-Aquitaine.)

Das Essen ist unverschämt gut und:
Hey! Der Pastis und das Gläschen Weisswein kosten nur 3-4 Euro ;-)
*waswillmanmehr

Pastis in einem kleinen Café in Beynac-et-Cazenac (Liegt im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine.) Etwa 20 Minuten von Sarlat Le Caneda entfernt. Eines der schönsten Städtchen, das ich bis jetzt besucht habe.

Um euch noch ein bisschen neugieriger zu machen, hab ich euch hier mal ein Bilder von den letzten Reisen herausgepickt. Sie sind nicht geografisch geordnet, ich hab sie einfach so hochgeladen, wie sie mir grad in Erinnerung geblieben sind.
Es sind wirklich ein paar Geheimtipps, die ich eigentlich gar niemandem verraten wollte, aber weil ihr’s seid, mach ich jetzt eine kleine Ausnahme. ;-)
Voilà:

 

 

Noirmoutier (Die Île de Noirmoutier ist eine französische Atlantikinsel, die zur Region Pays de la Loire in Westfrankreich gehört)

Collonges-la-Rouge (Liegt in der Region Nouvelle-Aquitaine im Département Corrèze am westlichen Rand des Zentralmassivs.)

Beaulieu-sur-Dordogne (Liegt im Département Corrèze in der Region Nouvelle-Aquitaine.)

 

Beynac-et-Cazenac (Liegt im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine.)

Und wenn ihr jetzt denkt:

Hmm, ist ja alles schön und gut. Aber so ein bisschen Meerfeeling, wär im Sommer halt doch nicht schlecht. Der macht einfach noch einen Abstecher an den Atlantik.

Soulac-sur-Mer (Liegt im Département Gironde in der Region Nouvelle-Aquitaine, auf der Halbinsel westlich der Gironde-Mündung, im Médoc, an der Atlantik-Küste.)

Ja. Dort ist es ein bisschen wilder und auch etwas windiger und kühler als an der überfüllten Côte. Dafür muss man nicht am morgen den Strandabschnitt reservieren, es hat (fast) keine nervigen, hysterischen Touristen, oder wenn, dann fast nur Franzosen ;-) und es ist einfach super erholsam.
An den meisten Stränden darf man nur an den vorgegeben, überwachten Abschnitten baden. Ja, dort wo die Sexy-Baywatch-Typen (franz. Saveuteur de vie) auf ihren hohen Stühlen sitzen oder mit der Trillerpfeife und der gelben Boje im Wasser stehen und ständig rumbrüllen, pfeifen und winken.
Achtung! Wirklich NUR an diesen Stellen ins Wasser gehen. Die Wellen und vor allem die zum Teil starke Strömung, ist nicht zu unterschätzen und kann lebensgefährlich sein.
Wer noch kleine Kinder hat, der wartet am besten, bis Ebbe ist und das Wasser sich zurückgezogen hat. Dann nämlich, bilden sich am Strand kleine oder gar grosse „Wassertümpel“, in denen die Kinder dann plantschen und spielen können.
Es gibt so viele tolle Orte an der Atlantikküste, klein aber fein. Klar, auch ein bisschen touristisch, aber kein Vergleich zu den überfüllten Städten im Süden.

 

 

Die Frau Elternplanet am Strand von Le Porge (Liegt im Département Gironde in der Region Nouvelle-Aquitaine.) Jetzt wisst ihr auch, wo mein Instagram Profilbild entstanden ist…

 

So. Alles will ich euch dann aber doch dann nicht verraten. Ihr sollt ja schliesslich selber noch ein bisschen auf Entdeckungsreise gehen.

Und falls ihr noch nicht genug habt und noch ein paar Bilder mehr von unseren Reisen sehen möchtet, dann folgt einfach meinem Instagram Account Elternplanet.