„Aufräumen, Hilfe! – muss das sein?“

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Manchmal wärs schon toll, wenn man so ein kleines „Tarn-Mäntelchen“ hätte. So ein kleines, schwarzes, unscheinbares.
Das könnte man dann einfach über alles drüber werfen, was grad nervt:

Über motzende, laute, ausfallende, augenrollende Teenies.

Über besserwissende Supermuttis auf dem Spielplatz oder im Babyschwimmen.

Über Wäscheberge, die seit Tagen rumliegen und man schon längst bügeln sollte.

Über unaufgeräumte Kellerregale.

Über den amerikanischen Präsidenten.

Über den unausgeräumten Geschirrspüler.

Über die grauen Haare auf dem Kopf.

Und vor allem über:

Unaufgeräumte, sehr chaotische Kinder- und Teeniezimmer.

Ich glaube so ein Mantel, der ein ganzes Kinderzimmer Chaos im Schwuppdiwupp-Modus in eine aufgeräumte Bude verwandeln könnte – DAS wäre der Renner schlechthin.
Ich kenne nämlich praktisch niemanden, der sich nicht mindestens 3 Mal am Tag über den Saustall in den Stuben seines Nachwuchses aufregt.
Oder gehört IHR etwa zu der sehr seltenen Spezies?

Warum eigentlich?
Warum regen wir uns Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr über unaufgeräumte Zimmer auf?
Warum nimmt die Aufregung nicht ab, sondern mit fortschreitendem Alter der Kinderschar nur noch mehr zu?
Warum schaffen wir es nicht, ohne zu husten, zu murren, zu predigen durch ein Kinder- und Teeniezimmer zu marschieren?
Warum kommt, obwohl wir uns so fest Mühe geben und auf die Zähne beissen, immer ein:

„Ach herrje, wie DAS hier wieder aussieht?“
„Gell, das räumst du dann schon noch auf bis heute Abend?“
„Warum haben wir eigentlich einen teuren Schrank gekauft, wenn eh immer alle Kleider am Boden und auf dem Stuhl liegen?“
„Wie kann man sich SO nur wohl fühlen?“
„Wenn das der Samichlaus sieht…“

Oder sehr merkwürdige Drohungen wie:
„Wenn du jetzt nicht aufräumst, dann ………“

„Gibt’s dann nix mehr zu Weihnachten, wenn du immer so ein Puff hast.“
„Ruf ich den Osterhasen an, dass er alles mitnimmt.“
„Darfst du erst ins Bett, wenn wieder Ordnung ist…“
„Schmeiss ich alles zum Fenster raus.“

Was genau ärgert uns an dieser Unordnung, die in den allermeisten Kinderzimmern dieser Welt herrscht?
Haben wir Angst, dass die Kinderlein mal keinen Job finden, auf der Strasse landen, Drogen nehmen?
Haben wir Angst, dass wir unsere Wohnung verlieren, sich der Mann scheiden lässt, uns eine hässliche, schwarze Warze am Kinn wächst?
Haben wir einfach Angst, dass unsere Kids immer und ewig unordentlich bleiben, nie und nimmer ein eigenständiges Leben führen können und gar unter einer Brücke landen, wenn wir jetzt nicht die Ordnungs-Peitsche schwingen?

Unordnung Chaos Bürotisch Kinder aufräumen streng sein

„Es gehört dazu. Kinder müssen lernen ordentlich zu sein!“

Eine weit verbreitete Meinung, die man immer wieder hört und liest.
Und wisst ihr was?
Ich lass mich auch ab und zu davon einlullen. Wenn man mal wieder die Zimmertüre fast nicht aufmachen kann, wenn der Kleiderhaufen wieder mal so gross ist, dass man einen Gollum dahinter verstecken könnte, wenn alle Schrank- und Schubladentüren offen stehen.
Wir kriegen Schweissausbrüche, wenn da Legos rumliegen und Puppen, Bilderbücher, Röcke, Kartonschwerter und 25 Taschen, vollgestopft mit Plüschtieren, Zauberstäben, Feuerwehrautos und Plastiktierchen.
Aber warum?
Weil WIR unsere Vorstellung haben, WIE etwas sein muss. Und grad beim Thema „Ordnung“, deckt sich diese Vorstellung in den wenigsten Fällen mit denen von unseren Kindern.
Sie haben definitiv eine ganz andere Vorstellung als wir.
Nicht selten kommt es nämlich vor, dass wir sie beauftragen aufzuräumen und wenn sie dann freudestrahlend, meist nach sehr kurzer Zeit, zurück kommen und uns ihr Zimmer zeigen, stehen uns die Haare zu Berge:
„Waaas, das soll aufgeräumt sein?“ ist dann jeweils der erste Gedanke. Der zweite kommt dann meist in Form eines Befehls, einer Predigt oder einer Drohung:
„Du nein. Also, ehm, das ist ja noch überhaupt nicht ordentlich. Das sieht ja noch genau so aus wie vorher.“
Was dann kommt, wisst ihr alle. Das Kind widerspricht laut und deutlich, es erklärt, dass es doch die zwei roten Autos in die Kiste geräumt hat und fängt dann an auf dem Boden zu hüpfen, zu schreien oder, wenn es sich um einen Teenie handelt, euch aus dem Zimmer zu scheuchen und die Türe zuzuschlagen.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt:

Was um Himmelswillen sollen wir denn tun? Wir haben es doch gerne ordentlich!

Genau das ist ein entscheidender Punkt. IHR habt es gerne ordentlich, oder einfach so, wie ihr es bei euch im Wohn- und Schlafzimmer oder in der Küche habt. IHR habt das für EUCH so entschieden.
Stellt euch vor, eure Nachbarin würde einmal am Tag bei euch ins Haus platzen und sagen:
„Duuu. Also diese Haargummis, diese Blätter, diesen Wäschekorb, diese Kaffeetasse, diese Kabel, die Zeitschriften, diese Nagelfeile die MUSST du jetzt subito wegräumen. Wenn du das nicht tust, dann ruf ich deinen Vermieter an.“
Eure Nachbarin hat vielleicht ein ganz anderes Ordnungsempfinden als ihr. Ihr fühlt euch bei euch zu Hause wohl, so wie es ist. Sie ist lieber in ihren eigenen vier Wänden.

Die Frage die sich bei diesem Thema immer wieder stellt ist:

Welche Erwartungen haben wir und warum?
Warum ist es uns sooo wichtig?
Warum betonen wir den Kindern gegenüber immer wieder: Es ist DEIN Reich, dein Zimmer und meckern dann ständig, wenn es nicht genau so aussieht, wie wir uns das vorstellen

Dass wir sie nicht vom ersten Tag der Geburt bis zu dem Zeitpunkt bis sie ausziehen, nicht ein einziges Mal aufräumen lassen, mit ihnen ausmisten und Ordnung schaffen, ist ja auch klar.
Die Bedürfnisse der Kinder ändern sich ja regelmässig, neue Möbel kommen dazu, alte werde ausgewechselt, es gibt neue Spielsachen, neue Spielmöglichkeiten und dadurch kommt auch immer mehr Leben in die Bude, sprich: Mehr Chaos und mehr Unordnung.

Aus eigener Erfahrung kann ich euch diese Dinge empfehlen:

1. Spielerisch aufräumen mit Fantasie und Humor

Funktioniert vor allem in den ersten Kinderjahren recht gut. Verwerft nicht jedes Mal die Hände über dem Kopf und ruft laut:
„Um Himmeslwillen! Was ist denn hier wieder passiert. Das sieht ja aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das dauert ja wieder ewig, bis wir hier fertig sind.“

Solche Ankündigungen rauben den Kids von Anfang an sämtliche Motivation.
Kommt rein, scannt rasch das Zimmer ab und gebt den Kindern klare Anweisungen.
„Das Zeug am Boden aufräumen, die Sachen die hier rumliegen…“, solche Anweisungen sind zu vage. Sagt ihnen genau, was sie tun sollen oder gebt ihnen eine Auswahlt:
„So Captain Nemo, räumst du die Flugzeuge in die Kiste oder lieber die Autos?“
Motiviert die Kinder dabei, überlegt euch ein paar lustige Spiele, wie zum Beispiel:

Motivationsmusik
Lasst eine laute Musik laufen und schaut, ob ihr es bis zum Ende des Songs schafft, dass alles aufgeräumt ist. Dass kann auch immer das gleiche Lied sein, welches dann euer „Aufräumsong“ wird.

„Piratenschätze verstecken“
Stellt euch vor, dass ihr Piraten wärt und möglichst schnell alle „Goldstücke“ in die Kisten wegräumen müsst, weil nämlich draussen schon die Räuber lauern, die euch das Gold stehlen wollen. Legosteine, Autos, Playmobil, Holzblöcke, was auch immer rum liegt, verschwindet so viel schneller am sicheren Ort.

„Treffsicherheit üben“
Stellt die Kisten in einer Reihe auf und versucht, von einer geringen Distanz, die Legos, Spielsteine, Bauklötze in die Kisten zu treffen. Möglichst so, dass es fast keinen Lärm macht… Jedes Mal, wenn man getroffen hat, könnt ihr mitzählen und am Schluss schauen, wer wieviele Punkte hat.

„Ich schliesse meine Augen…“
Manchmal kann man Kinder auch motivieren in dem man sagt:
„Sooo, jetzt bin ich ja mal gespannt: Ich schliesse jetzt mal meine Augen und zähle bis 20 und dann schauen wir mal, ob diese Legos hier plötzlich alle in der Kiste sind.“

Seid fantasievoll, lasst euch was einfallen, helft mit und überfordert die Kinder nicht.
Achtet auch darauf, dass ihr den richtigen Zeitpunkt erwischt. Nach der Lieblingssendung zum Beispiel, wenn alle schon müde sind und nach dem Aufräumen nichts Spannendes mehr kommt, ist der Zeitpunkt sicherlich nicht ideal.

2. Die eigenen Erwartungen überdenken

Warum muss das picobello aufgeräumt sein, wenn sie am nächsten Tag ja eh wieder weiter spielen?

Manchmal hilft es auch, einen Kompromiss zu finden. z.B die Legos auf ein grosses Tuch legen, dieses dann etwas zusammen legen und auf die Seite schieben, so dass man in der Nacht nicht drüber stolpert, man aber trotzdem am nächsten Tag ganz einfach mit Spielen weiter fahren kann.

Warum stört es mich, wenn die Kleider auf dem Stuhl liegen?
Weil ich sie in mühsamer Arbeit gebügelt habe?
Dann macht einen Kompromiss. Ihr gebt nicht mehr ständig euren Senf dazu, bügelt aber die T-Shirts einfach nicht mehr oder zeigt den Kindern (ab einem gewissen Alter wie das geht, dann können sie es selber machen).
Wenn euch gewisse Dinge wirklich wichtig sind, dann diskutiert die vorgängig mit euren Kindern und besprecht auch ein paar Regeln und Abmachungen. (Aufschreiben und aufhängen).
Manchmal ist es auch hilfreich, wenn man den Kindern immer mal wieder Hand bietet, mit ihnen gemeinsam das Zimmer etwas auszumisten und aufzuräumen. Gerade bei Teenies kann das manchmal Wunder wirken und auch massgeblich zu einer etwas besseren Stimmung beitragen.
Ihr glaubt es nicht?
Dann lest mal hier „Das Zimmer- und Seelenaufräumprogramm“

3. Ein gutes Sortier-/Aufbewahrungssystem finden

Der Schrank ist zu klein, im Pult kann man nirgends etwas verstauen, in den Boxen liegt alles wild durcheinander?…

Ein schlaues System kann Kindern beim weg- und aufräumen auch etwas besser helfen. Ihr könnt z.B Bilder auf die Boxen kleben, dann sehen sie immer, was wo rein kommt. Macht es nicht zu kompliziert und räumt auch immer mal wieder Spielsachen, die nicht mehr so oft gebraucht werden auf die Seite, in den Schrank oder den Keller.
Ganz oft, haben die Kids einfach viel zu viel Zeugs, so dass sie fast ein bisschen den Überblick verlieren.

4. Türe zu!

Versucht eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln. *ichweissdasistsauschwer
Weniger ist auch hier mehr. Seid nicht zu pingelig und macht, wenn es euch sehr stört, einfach die Türe zu.

5. Kreative Menschen sind unordentlicher!

Ein schwacher Trost – aber es einer. :-)

6. Freunde einladen

Das Kleinkind oder noch besser: Das Teeniekind will Freunde einladen?
Sagt ganz laut und fröhlich:
„JAAAA, mein Schatz! Lade ganz viele Freunde ein, ganz oft und regelmässig. Ich freue mich immer sehr, wenn du Besuch hast.“
Und ganz leise könnt ihr dann denken:
„…. denn DANN räumst du immer deine Gläser weg, leerst den Korb mit der dreckigen Wäsche, machst dein Bett, räumst deine Klamotten weg, saugst deinen Teppich, staubst das Regal ab, öffnest mal wieder die Fenster und machst die Schranktüren zu.