„Jetzt mach mal vorwärts und bleib nicht immer stehen!“

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V wie vorwärts machen

Ihr kennt das vielleicht auch:
Da ist man gemütlich mit den Kindern auf einem Spaziergang oder auf dem Heimweg vom Einkaufen und plötzlich geht gar nix mehr. Das Kindlein kann kein Bein mehr bewegen, es hat plötzlich überall Schmerzen, Hunger, Durst: Ein Weiterlaufen ist UNMÖGLICH.


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Es sitzt dann einfach auf den Boden, bewegt sich keinen Zentimeter mehr oder noch besser:
Es schreit Zetermordio, wie doof doch alles sei und dass es eh nie auf diesen blöden Spaziergang mitkommen wollte und dass es sowieso jetzt in diesem Moment seine Lieblingsfernsehsendung und ein Nutella Brot essen will.
Und dann steht man da und versucht es zuerst auf die nette Tour, mit einer säuselnden Stimme und in der 3. Person Einzahl:
„Komm mein Schätzchen, Mami möchte dass du jetzt aufstehst. Schau du wirst sonst dreckig und Mami muss doch jetzt dann das Mittagessen kochen.“

Dann versucht man’s mit Bestechung und danach mit absurden Drohungen:
„Wenn du jetzt nicht sofort aufstehst, dann gehen wir am Nachmittag nicht ins Schwimmbad, dann gibt’s aber am Abend kein YouTube Filmchen, darf der Silvan heute nicht zum Spielen kommen, dann gibt’s kein Dessert.“
Und solche Drohungen, ihr wisst es bestimmt schon, zeigen meistens überhaupt keine Wirkung und es passiert, was passieren muss:
Das Kind liegt jetzt flach auf dem Boden, schreit noch lauter und irgendwo guckt schon eine genervte Frau aus dem Fenster.
Am Schluss läuft es meistens darauf hinaus, dass man selber total genervt, das Schreibündel packt, unsanft in den Kinderwagen setzt (wenn man noch einen dabei hat) und im Stechschritt auf einem Schleichweg nach Hause läuft.

Was tun?

Weniger ist mehr

Nehmt euch nicht zu viel vor. Macht nicht zu lange Spaziergänge, achtet wenn immer möglich, dass die Kinder nicht Hunger haben oder müde sind. Besprecht mit den Kindern auch immer vorher kurz, wohin ihr geht, wie lange und was ihr von ihnen möchtet.

Was in solchen Situationen auch ganz oft fehlt, sind die nötige Kreativität, der Humor und die Fantasie um z.B eben solche Spaziergänge einigermassen gut über die Runden zu bringen.
Und deshalb gibt es hier von der Frau Elternplanet ein paar Tipps dazu:

Geschichten erfinden

(Geht nirgends besser als auf Spaziergängen oder auf dem Nachhauseweg). Ihr könnt z.B auch eine Geschichte mit einem Drachen, einem Bären, einer Prinzessin erfinden und diese Figur gibt dann jeweils vor was zu tun ist. Also je nach dem was ihr erzählt, muss das Kind auf einem Bein hüpfen, eine Hand in die Höhe strecken, sich die Nase zu halten, den Kopf schütteln usw.

Singen

Lieder erfinden, vorsingen, Lieder erraten

Marschieren wie ein:

König, ein Drache, ein Riese, ein Soldat, ein Bodybuilder, eine Prinzessin, eine Ballerina, ein Zauberer, ein Löwe, eine Katze, ein Elefant)
(Immer abwechselnd wird entschieden, wen man nachahmt und dann z.B immer 20 Schritte gehen und danach darf der Andere wieder einen Vorschlag machen.)

Namen raten

Falls ihr auf eurem Weg an vielen Häusern vorbei kommt, versucht einfach mal zu raten, wer denn in welchem Haus wohnt: „Ich glaube hier wohnt der Herr Weiss, und hier wohnt die Frau Fluri“). Ihr könnt natürlich auch lustige Fantasienamen erfinden wie z.B: Frau Fingernagel, Herr Gurkensalat usw.

Hänsel und Gretel

Ihr nehmt eine Handvoll kleine Steine in die Hand und immer nach 10 Schritten, schmeisst ihr einen Stein auf den Boden, wie Hänsel und Gretel, damals beim 1. Versuch, als sie noch etwas cleverer waren als beim zweiten Anlauf mit dem blöden Brot…)
So könnt ihr den Kids sagen: „Schau, wenn wir alle Steinchen verteilt haben, dann sind wir zu Hause.“

Zwischenziele setzen

Manchmal kann ein kleines Päuschen Wunder bewirken. Sagt den Kindern vorher, wo ihr kurz Pause macht und dann könnt ihr ja z.B ein paar kleine Gummibärchen, 3 kleine Smarties oder selbstverständlich auch etwas Gesundes aus eurem Taschentuch zaubern.
Singen:
Genau so wie Geschichten erzählen, kann auch singen eine kleine Motivation sein, die letzten Meter weiterzugehen ohne zu murren. Je nachdem wo ihr euch gerade befindet, singt ihr einfach ein bisschen lauter oder leiser.

Sachen platzieren

Auf dem Hinweg immer wieder einen kleinen Gegenstand (z.b einen grossen, auffälligen Stein, ein paar Tannzapfen, einen kleinen Stock usw.) platzieren und dann auf dem Nachhauseweg schauen, ob er noch da ist.
„Jetzt geht’s nur noch ein paar Meter, bis dort zu dem Baum. Dort haben wir den grossen Stein hingelegt. Komm, wir schauen jetzt ob er noch da ist.“

Pantomime mit einem Stock

Wenn ihr am Wandern seid, sucht euch einen etwas längeren Stock und versucht mit diesem verschiedene Dinge pantomimisch darzustellen. z.B ein Einhorn, einen Dirigenten, einen Unihockeyspieler, eine Bodybuilder, einen Verletzten mit Krücke, eine Turnstange mit der man Klimmzüge machen kann, eine Flöte, eine Geige (resp. den Geigenbogen) usw. Nehmt den Stock in die Hand, macht etwas vor und das Kind muss dann versuchen zu erraten, worum es sich handelt und umgekehrt.

Pferd oder Hund spielen

Eines der Lieblingsspiele von kleinen Kindern. Nehmt ein lange, dicke Schnur oder ein langes Elastikband, legt es dem Kind vorne um den Bauch und haltet es dann je an einem Ende fest. Das Kind resp. der Hund oder das Pony darf dann ein bisschen knurren und bellen, galoppieren, hüpfen oder schön gemütlich vorwärts gehen. Je nach Galopp-Intensität ist es dann auch noch grad ein kleines Fitnessprogramm… :-)

Ratespiele

„Ich sehe was, was du nicht siehst“, jemand gibt eine Farbe vor und man muss alle Dinge aufzählen, die man auf dem Weg in dieser Farbe sieht.  Ein Wort vorgeben „Sonnenschirm“ und der nächste muss mit „Schirm“ ein neues Wort bilden. usw

Steinfussball spielen

Einen Stein suchen und diesen dann versuchen so lange wie möglich weiter zu kicken.
(Vorher mit den Kindern absprechen, dass der Stein nur auf dem Trottoir bleiben darf. Wenn er auf die Strasse gekickt wird, muss man einen neuen suchen).

Vielleicht werdet ihr jetzt denken:
„Um Himmelswillen! Ist die Frau Elternplanet noch bei Trost? Wenn ich nach dem Einkaufen ständig mit meinen Kindern solche Spiele spielen muss, komme ich ja nie rechtzeitig nach Hause.“
Stimmt.
Das alles braucht ein bisschen Zeit. Zeit, die wir ganz oft nicht einplanen und deshalb gestresst sind. Kinder merken das ganz schnell und sind dann meistens noch viel weniger kooperativ.
Deshalb mein Tipp:
Genug Zeit einplanen und sich auch immer bewusst sein: Es gibt noch einen Heimweg…

Denkt daran: Auch schimpfen, drohen und die Kinder antreiben braucht Zeit. Warum also nicht lieber die Zeit für etwas Positives, Kreatives nutzen?
Am Schluss seid ihr wahrscheinlich schneller zu Hause.
Und erst noch viel entspannter.