„Neeeiiinin! Nicht dieses Buch, nicht dieses Lied, nicht dieses Spiel!..“

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Als Eltern macht man ja so Einiges mit und man tut plötzlich Dinge, die ehm, sagen wir mal eher gewöhnungsbedürftig sind, aber man tut sie halt, weil man sie tun muss.
Ihr wollt ein paar Beispiele?
Voilà:

Die äusserst künstliche, unglaublich süsse und bereits halb geschmolzene, rosarote Einhorn-Glacé essen. Das Kindlein, hat sie, (wie man ja vorher schon vermutet und ihm auch angekündet hat: „Die hast du sicher nicht gern, ich weiss es. Nimm lieber die kleine mit Schoggi“) natürlich nicht gern und drückt sie dir deshalb nach einem Schleck bereits in die Hände…

Im Autoverlad-Tunnel in den Kofferraum kriechen, das Töpfchen suchen und dem Kindlein mit süsser Stimme erklären, dass es jetzt bitte sein grosses Geschäft nicht auf den Autositz, sondern in das grüne Plastikding machen soll.

Im Auto ganz laut und zum 125 Mal die sehr nervige Kinder-CD abspielen. Und zwar so laut, dass ein Gespräch mit dem Beifahrer nicht mehr möglich ist und das Kind von hinten trotzdem immer ruft:
„Mama, mach ein bisschen lauter, ich höre fast nichts.“
Nun.
Das sind nur 3 kleine Beispiele von Dingen, die wir Eltern manchmal tun, ja tun müssen. Und weil wir ja alle unglaublich professionell im „Eltern-sein“ sind, merkt man uns den Unmut, den solche Situationen auslösen, gar nicht an. Wir überspielen ihn einfach ganz gekonnt, weil wir wissen:

Gehört halt zum Job und Gott sei Dank, kommt es ja nicht soooo oft vor.

Aber dann gibt es noch die Dinge, die man als Eltern einfach fast nicht aushalten kann, weil sie einfach so unglaublich nerven.

Jeder den ich kenne hat so ein paar Beispiele parat:

Das können sehr nervige oder auch ganz langweilige Bilderbücher sein, die man einfach überhaupt nicht gerne vorliest, die aber aus unerfindlichen Gründen zur Lieblingslektüre der Kinder gehören. Oder sehr doofe Spiele, die man am Liebsten gar nie mehr spielen möchte, weil niemand so richtig die Regeln begreift oder weil es immer Streit und Diskussionen gibt.
Schon wenn man daran denkt, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken und der einzige Gedanke ist jeweils:

„Nein. Bitte nicht schon wieder!
Ich will nicht diesen Tanz machen, dieses Buch erzählen, dieses Lied singen.
Nein, nein, nein. Einfach nein!“

Und natürlich kommt das Kindlein jedes Mal mit genau diesem Buch angewatschelt, will genau dieses Spiel spielen oder dieses Lied singen.
Jedes, aber auch wirklich jedes Mal.

Manchmal gelingt es einem dann auch standhaft zu bleiben, das Elend abzuwenden, das Kind vielleicht abzulenken oder auch ehrlich zu sein und zu sagen: „Nein du, darauf hab ich jetzt echt keine Lust!“
Aber ganz oft knickt man eben doch ein. Man schaut in die grossen Kulleraugen, sieht die überschäumende Freude und dann haben sei einen doch wieder um den Finger gewickelt und man lässt sich überreden, obwohl man eigentlich überhaupt gar keinen Bock hat dazu.

Ich habe euch hier mal meine Top 5 der verhassten Dinge, die ich aber trotzdem immer wieder für meine Kinder getan habe, aufgelistet:

1. Das „Bob der Baumeister“ Buch erzählen

Keine Ahnung wer uns damals dieses Buch geschenkt hat oder ob ich mir den Schlammassel sogar selber eingebrockt habe. Die Geschichte, so dünn, fast ohne Inhalt und langweilig, dass ich jedes Mal aufpassen musste, dass ich nicht kurz einnicke. Wir haben so viele tolle Kinderbücher, aber es musste immer diese „Bob hat Geburtstag“ Story erzählt werden. Fuuuurchtbar!
Aber schaut selber:


2. In der Wohnung verstecken spielen

Ich oute mich als „Versteck-Spiel“ Hasserin.
Dieses lange Zählen und die Augen zu halten. Und wenn man zwei Kinder hat, dann brüllt mindestens eines immer:
„Du guuu-ckst! Nicht guu-uucken! Maaaamaaaa! Sie guuu-uuuckt! So helfe ich nicht mehr mit!“
In der Zeit war ich hinter dem Vorhang oder unter der Bettdecke schon nass geschwitzt oder hab mir unter dem Bett meinen Fuss eingeklemmt.
Nein. Verstecken spielen im Haus ist definitiv nicht mein Lieblings-Spiel!

3. Quartett spielen

Laaaaangweilig.
Einfach immer nur Karten ziehen. Und dann gibt’s immer genau ein Lieblings-Sujet, dass natürlich ganz klar immer alle Kinder ziehen möchten. Und wer es nicht hat, spielt die beleidigte Leberwurst.

4. Bügelperlen aufbügeln

So toll, wie sie sich immer Mühe geben. Stundenlang diese kleinen runden Dinger auf die Plastikunterlage stecken. (Ich selber hätte ja niemals so viel Geduld).
Und dann irgend einmal ist es so weit:  Alle Unterlagen sind voll, die Kinderlein erschöpft und dann kommt’s!
„Mamaaa! Kannst du mir das bügeln? Aber jetzt sofort.  Biiiitte!“
Spontan hab natürlich immer gleich „JA“ gesagt.
*wastutmannichtalles
Mir aber dann immer gleich ganz viele Ausreden überlegt.
„Also ich mach’s dann grad, aber das Bügeleisen ist noch grad sehr heiss, es muss noch ein bisschen abkühlen.“
„Oh, ich muss zuerst hier ein bisschen aufräumen.“
Und hab ich mich dann tatsächlich aufgerafft, ist bestimmt jedes Mal irgend eines dieser Bilder kaputt gegangen, abgeknickt oder ich hab die Unterlage aus lauter Schusseligkeit umgeworfen und alle Perlen sind auf den Boden gefallen.

5. Friseur spielen

Dann hat man endlich seine Haare mal wieder einigermassen glatt gebügelt, die Frisur so zurecht gerückt, dass man damit durchaus auch mal wieder das Haus verlassen könnte und dann kommt die Frage aller Fragen:
„Maaamaaaa? Darf ich dich frisieren?“
Und du so:
„Ehm, Schätzli, weisst du, ehm Mama hat jetzt grad die Haare schön.“
„Guuut. Ich mach sie dir noch schöner. Mit dieser Bürste und den vielen Haarspangen.“
Und das Kindlein grinst dich an, klimpert mit den Wimpern und du sagst:
„Ok, so ganz kurz nur. Einfach durch die Haare fahren.
Und dann sitzt du da, fällst vor lauter Schmerzen (weil die Bürste, sich dir in die Kopfhaut bohrt und zudem ganz viele Haare ausreisst), fast vom Stuhl. In den Haaren hast du 32 Haarspangen, dazu einen auftoupierten Hinterkopf, und rechts und links zwei dicke Rastazöpfe, leicht verfilzt.
Und du denkst dir:
„Das nächste Mal erzähl ich lieber wieder ein Buch.
Auch wenn’s Bob der Baumann ist.“