11 901

0

11 901
Nein, das ist nicht mein Kontostand und auch nicht mein Monatslohn oder die Anzahl der Haargummis, die in unserem Haus irgendwo ein einsames Dasein fristen.

11 901, das ist die Zahl meiner Fotos, die ich im Moment auf meinem iPhönchen gespeichert habe.

Ich bin ein Fotojunkie, allerdings ein sehr unordentlicher.
Ich hab kein System. Nix ist nach Jahrzahl, Ort oder Lieblingsplätzen geordnet. Kein Foto hat je den Weg in ein teures Fotobuch gefunden und jeden Tag denke ich:
„Jesses Gott. So viele Bilder. Du bist ja völlig übergeschnappt! Jetzt muss ich dann mal Ordnung machen, das Zeugs sortieren und vielleicht doch mal so ein Buch in Angriff nehmen.“

Doch es bleibt beim Gedanken.
Stattdessen knipse ich munter weiter und fülle meinen Telefonspeicher.
Und für alle die sich jetzt grad fragen: JA! Natürlich ich mache regelmässig ein Backup, synchronisiere meine Bilder in die Dropbox.

Fotos machen geht heute so einfach von der Hand. Sogar einhändig
Wer noch die Zeiten ohne Smartphone erlebt hat, der erinnert sich bestimmt noch an die umständliche Fotografiererei von früher:
Einen Film kaufen, diesen richtig einlegen, das schwarze Döschen irgendwo aufbewahren, so dass man es dann wieder findet.
Dann die Fotos knipsen ohne zu wissen, ob der Angebetete, der Sonnenuntergang oder der Sandstrand auch wirklich scharf abgebildet war.
Immer im dümmsten Augenblick war natürlich der Film fertig und man musste ihn lange und umständlich wechseln und eben ins schwarze Döschen stecken und einschicken.
Erst nach Tagen gab’s dann per Post das Ergebnis zu sehen. Bei den Bildern des Angebeteten waren natürlich überall schwarze Filzstift-Streifen drauf, sozusagen das Feedback des Fotoversandes:

„Sorry, aber die Fotos sind total unscharf, Anfänger!“

Ausserdem waren die Sonnenuntergänge verwackelt, das Meer schräg, der Strand am Abend zu dunkel, beim Familienfoto fehlten die Beine und gekostet hat der Spass jeweils ein Vermögen.
Eine grosse Herausforderung war jeweils auch das Nachbestellen der Bilder.  Z.B von der Schülerdisco oder dem Skilager. *wisstihrnoch
Da stand man minutenlang am Fenster, hielt das Blatt mit den Negativen (diese braun-schwarzen Streifen mit kleinen Löchern an der Seite) gegen die Fensterscheibe und versuchte zu erraten, auf welchem Bild denn der Schulschatz am Schönsten lächelte. Jedes einzelne Foto, musste man mit einer Nummer in eine Liste eintragen, ein Riesenaufwand.
Und einkleben musste man die Fotos danach natürlich auch noch alle. In ein teures Fotobuch mit diesen unmöglichen Fotoecken, die überall kleben geblieben sind, nur nicht im Album.
Oder man hat sie einfach mal in eine Kiste gelegt und gedacht:
Sodeli. Ich leg die jetzt mal da hinein und wenn ich dann Zeit habe, dann klebe ich die alle schön säuberlich ein. Ich schwöre“.

Ja früher, da hat man sich jeweils wirklich noch vorher überlegt, was man denn fotografieren will und ob dieses Sujet den grossen Aufwand wert ist. Vielleicht hat man aber auch etwas mehr das „Hier und Jetzt“ genossen, nicht ständig die Kamera in die Höhe gehalten und nicht alle Events nonstop und in Serienmodus durch geknipst.
Früher sagte man auch noch ganz laut und lustig „Cheeeeese“ bevor abgedrückt wurde, machte kein „Duckface-Schnäuzchen“ sondern grinste übers ganze Gesicht.
(Was zwar auch sehr oft, sehr, sehr dämlich aussah…)

Wenn ich daran denke, werd ich manchmal fast etwas wehmütig, nehme mir immer wieder vor nicht ständig jeden Hüpfer, der um mich herum gemacht wird zu dokumentieren. Ich bräuchte eigentlich nicht noch mehr Sonnenuntergänge und Berggipfel, nicht noch mehr Blumenwiesen, Sonnenschirme und Strandpromenaden auf meinem Smartphone.
Wieder etwas mehr geniessen und weniger knipsen – das ging doch früher auch ganz gut.

Wenn ich die alten Fotografier-Geschichten meinen Kids erzähle, dann grinsen die meist nur müde und sagen leicht gequält:
„Jaaaaa, die Geschichte hast du schon hundert Mal erzählt.“

„Ehm, Mama.
Kannst du schnell von mir ein paar Bilder machen hier am Strand. Am besten grad eine Serie. Du weißt was eine Serie ist oder?
Ganz viele Bilder auf einmal.
Einfach mit dem Finger auf dem Knopf drauf bleiben…“