Jedes Kind ist einzigartig

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Wir Menschen haben das Vergleichen ja irgendwie im Blut.
Etwas neidisch schauen wir in Nachbars Garten, weil der einen viel schöneren Rasen, ein grösseres Trampolin und vielleicht sogar ein hübsches Biotop hat. Wir vergleichen Lebensmittel- und Möbelpreise, vergleichen unsere Häuser, Kinderwagen, Stirnfalten, Bauchumfänge, Kleidergrössen, unsere Handyabos, Fingernägel, Ferienpläne, das „Weiss“ unserer Zähne, unsere Autos, unseren Lifestyle UND

Unsere Kinder

Wenn wir das tun, dann immer so ein bisschen mit der Hoffnung:
Bitte lieber Gott, lass doch bitte mein Kind in der „Was-der-Nachwuchs-in-seinem-Alter-schon-alles-kann“-Skala, ganz weit oben stehen.
Natürlich würde das so niemand zugeben, denn jeder in der Eltern-Community weiss:
Angeben ist total verpönt.

Früher war das lustige „Kindervergleichen“ verhältnismässig kompliziert. Man musste nämlich extra Eltern mit Kindern einladen oder irgendwo hingehen, wo sich Vergleichsobjekte befinden:
Auf Spielplätze, an Kindergeburtstage, in Kindergärten, Kitas, ins Kinderturnen, in Malkurse oder Krabbelgruppen. Dort musste man die Kinderschar zuerst gut beobachten, mit anderen Eltern ins Gespräch kommen und sie ein bisschen ausfragen:
„Oh, der Kleine ist aber auch schon gut zu Fuss unterwegs. Wie alt ist er denn?“
„Sie spricht aber auch schon recht viel für ihr Alter, ist sie auch schon trocken?“

Heute, im Zeitalter von Social Media ist das Vergleichen viel einfacher geworden:
Ein kleines Filmchen vom 10 Monate alten Baby, das die ersten Schritte macht, hochladen und schreiben:
„Ach, Mamis, ich muss meine Freude mit euch teilen.“
Am besten noch grad das Alter dazu notieren, erzählen, dass das Kindlein das schon länger kann und der Vergleichsmarathon ist gestartet.

„Oh ja, das macht meiner schon seit er 6 Monate alt ist.“

„Mein Kind hat sich mit 4 Monaten schon hochgezogen“.

„Meiner spielt sogar noch Blockflöte dazu.“

„Ja, meine 1-Jährige fährt schon Skirennen.“

„Mein süsser Spatz konnte das schon mit 8 Monaten und dazu hat er mir auch noch gleich ein französisches Lied vorgesungen.“

Ganz beliebt ist auch das Posten von Kinderzeichnungen:
„Schaut mal diesen Schneemann, hat man Kleiner gezeichnet *ganzstolzbin
Was denkt ihr, wie alt ist er?“

Auch hier überbieten sich die Eltern mit abenteuerlichen Altersangaben, posten Bilder von Kunstwerken und erzählen von unglaublichen Talenten ihrer Knirpse:

„Mein Sohn hat schon mit 2 Jahren dieses naturgetreue Pony gemalt“

„Meine Tochter malt mit 11 Monaten schon täglich 3 Mandalas aus, ohne dass ein Strich daneben geht.“

Wer kein solches Wunderkind zu Hause hat, der erfindet einfach ein paar aussergewöhnliche Fähigkeiten (nachprüfen kann das ja eh niemand) oder bekommt einen Komplex und denkt sich:

„Was stimmt mit meinem Kind nicht?
Hab ich was falsch gemacht?
Mein Kind liegt immer noch gemütlich auf seiner Krabbeldecke herum und hat überhaupt keinen Bock aufzustehen oder Purzelbäume zu machen.
Und Geige spielen kann es auch immer noch nicht.“

Versteht mich nicht falsch.
Ich find’s toll, wenn Eltern stolz auf ihre Kinder sind, wenn sie sich über Fortschritte freuen, wenn sie ihre Kinder motivieren, unterstützen, ihnen positives Feedback geben.
Eltern dürfen und sollen stolz sein, sich auch mal von Anderen ihre Seele streicheln lassen und ein paar Komplimente abholen. Das tut gut und hilft, den stressigen Elternalltag etwas besser zu bewältigen. Vor allem Mütter, sind ganz oft etwas einsam und haben wenig Bestätigung und Anerkennung für ihren Erziehungsjob.

Eltern sein ist kein Wettkampf

Es geht nicht darum, welches Kind besser, schneller, schöner, flinker, anständiger, hübscher, genauer, verständlicher spricht, turnt, zeichnet, sich anzieht, vorliest, läuft, krabbelt, isst, liest oder singt.


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Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich unterschiedlich schnell.

Das unglaubliche 2-jährige Zeichnungstalent, spricht vielleicht noch nicht so verständlich. Das 4-jährige angebliche Mathegenie hat vielleicht im sozialen Bereich noch etwas mehr Defizite.
Durch diese ständigen Vergleichen in den sozialen Netzwerken, wachsen die Erwartungen an die eigenen Kinder, aber auch an sich selber immer mehr. Man setzt sich unter Druck, will alles perfekt machen, kein Versager sein und genau so tolle Anekdoten und Geschichten über seinen Nachwuchs erzählen können, wie das alle Anderen tun.
Das führt dazu, dass man stets das Gefühl hat:
„Bei den Anderen läuft alles viel besser, reibungsloser, ruhiger und harmonischer. Ich lese und sehe ja ständig, was die anderen Kinder alles schon können.
Nur bei uns klappt das irgendwie alles nicht.“

Lasst euch nicht von Anderen verrückt machen, unter Druck setzen und in Schubladen stecken. Behaltet euren gesunden Menschenverstand, beobachtet eure Kinder, seid für sie da, helft ihnen, viele Dinge selbst zu tun.
Freut euch mit euren Kindern über die Dinge, die sie schon können und ärgert euch nicht über das, was noch nicht so gut klappt.

Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind
Manche fliegen höher als andere,
aber alle fliegen so gut wie sie eben können.

Jeder ist Anders
Jeder ist etwas Besonderes
Und jeder ist wunderschön, so wie er ist.