Warum ich heute vor meinen Kindern geweint habe

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Als Eltern versucht man tagtäglich sein Bestes zu geben.
Man ist Tröster, Zuhörer, Erklärbär, Streitschlichter, Geschichten-Erzähler:
Eine wandelnde Wundertüte sozusagen.

Für fast jede erdenkliche Situation können Eltern irgend etwas mehr oder weniger pädagogisch Wertvolles aus ihren Hüten zaubern. Mit ein bisschen Übung ist man mit der Zeit sogar recht gut darin. Und ganz oft bleibt man dabei auch ziemlich besonnen, ruhig und entspannt.
Manchmal ist der Erziehungsalltag aber auch wie eine sehr kalte Dusche. Man fühlt sich einfach unwohl, überfordert, traurig.
Man versucht dann so schnell wie möglich, die „Temperatur“ wieder auf „lauwarm bis warm“ zu stellen und wenn einem das nicht gelingt, so lässt man sich zumindest nichts anmerken.
Man beisst die Zähne zusammen, hofft ständig, dass alles vielleicht doch nur „eine Phase“ ist oder weint sich vielleicht ab und zu am Abend in den Schlaf.

Man möchte so gern alles im Griff haben, zeigen dass man eine gute Mama/ein guter Papa ist.
Schwäche zeigen gilt nicht und schon gar nicht vor den Kindern.
„Wenn wir mal schwächeln, unsere Überforderung zeigen, dann tanzen uns die Kinderlein erst recht auf der Nase herum“, das ist die weitläufige Meinung.
Und so schlucken wir tapfer unseren Ärger und unsere Tränen runter, machen ein bisschen gute Miene zum bösen Spiel und uns gleichzeitig auch etwas vor:

Wir Eltern müssen nicht immer perfekt sein.

Wir brauchen kein hohes Ross, von dem wir den Anderen ständig zu winken und allen demonstrieren müssen, dass wir ALLES im Griff haben.
Auch unsere Kinder dürfen mal merken, dass wir die Schnauze voll haben, dass wir genervt, sauer oder traurig sind.
Wir sind schliesslich nicht nur Eltern, sondern ganz normale Menschen, die auch mal an ihre Grenzen stossen.

Und genau das ist mir heute mal wieder passiert.
Es war einfach grad alles zu viel – die Teenie-Fraktion hat vorher alle Register gezogen.
Uff!
Ich hätte einen Kaffee trinken oder eine Tafel Schoggi mampfen können. Ich hätte mich auf die Terrasse zurückziehen, oder ein bisschen auf Facebook rumsurfen können.
Stattdessen bin ich einfach an den Tisch gesessen und habe geweint.
Zuerst nur kurz, leise und unauffällig. Und dann hab ich sogar noch ein bisschen laut geschluchzt.
Es ging einfach grad nicht anders. Und manchmal ist das auch gut so.
Die Lautstärke im Haus hat schlagartig um 70 Dezibel abgenommen, die Drohung „Ich komme nach der Schule dann im Fall, eh nicht mehr nach Hause“ wurde kurz ausgesetzt, stattdessen gab es leicht entsetzte Blicke:

„Mama weint?“

Ja. Sie weint.
Auch wenn sie meistens weiss was zu tun ist, geduldig ruhig und abgeklärt ist.
Heute ging’s nicht.
Der Berg war zu hoch, der Frust zu gross.

Es war vielleicht nicht unbedingt hoch pädagogisch, aber halt menschlich.

Und deshalb trotzdem irgendwie wertvoll.