„Und war’s schlimm?“

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Hat eine Frau gerade ein Kind geboren, dann hört sie EINE Frage ganz besonders gern:
“Na, wollt ihr noch ein Zweites haben?”

Wer kurz vorher unter höllischen Schmerzen auf einem Maja-Hocker, einem Gebärbett oder in der Gebär-Badewanne gelegen, drei, vier oder zehn, elf Stunden dieses Kind auf die Welt gepresst und einen herrlichen Dammschnitt bekommen hat, der wird diese Frage mit einem:
“Spinnst du?“
„Bist du völlig bekloppt, total hinüber, von allen guten Geistern verlassen?” 
beantworten.

Obwohl die Freude übers Neugeborene überwiegt, fragt man sich still und heimlich:
Will ich mir diese Qualen wirklich noch ein zweites Mal antun?
Nie und nimmer.
Unter keinen Umständen.
Vergiss es.
EIN Kind. Das reicht völlig.

Im Übrigen ist das eine saudoofe Frage.
Fast so doof, wie wenn jemand fragt:
“Und? War’s schlimm?”
Natürlich war es das.
Schlimm, schmerzhaft, qualvoll.
Hätte man das vorher gewusst, dann hätte man auf die Frage: „Willst du mal Kinder?“ wahrscheinlich gesagt: “Ehm, nein danke.
Dann doch lieber nur einen Hund.”

So ging’s mir auf jeden Fall nach dem ersten Kind. (Ok. Einen Hund wollte ich nie…)
Nach der Geburt gab’s Komplikationen, viel Aufregung, ein paar Wochen später noch eine Not-OP.
“Nein danke, bleibt unsere Tochter halt ein Einzelkind”, hab ich damals gedacht.

Und dann plötzlich, ganz schleichend kam dieses Gefühl:
“Ein zweites Kind, wär halt doch nicht sooo schlecht.”
Die Erinnerungen waren zwar noch frisch, aber der Gedanke: “Die erste Geburt hast du ja auch überlebt und soooo schlimm war das jetzt auch wieder nicht”, schlich sich mehr und mehr in mein Hirn.
Obwohl es schon schlimm war.
Klar auch schön, aber eben auch schlimm.
Aber das vergisst man irgendwie, man verdrängt es, blendet es aus, drängt es in den Hintergrund.
Wenn man so die Augen schliesst, dann weiss man ganz genau, wie sich der Schmerz anfühlt, wenn man sich zum Beispiel in den Finger schneidet, die Hand einklemmt oder am Bügeleisen verbrennt.
An die Wehenschmerzen, die direkt aus der Hölle kommen, an die kann man sich echt nicht mehr erinnern.

Erst wenn man dann zum zweiten Mal auf dem Maja-Hocker, dem Gebärbett oder in der Gebär-Badewanne liegt und die Hebamme mit beruhigender Stimme sagt:
“So, dann geht es ja jetzt auch los bei Ihnen. Sie wissen ja schon wie es ist.”
Oh ja.
Dann – genau dann, weiss man es wieder.