Smartphone, Tablet, Games, Snapchat und Co. – Herausforderungen mit Kindern und Jugendlichen

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Kaum wissen wir, dass ein Kind unterwegs ist, fängt sie an:

Diese Angst und Unsicherheit, dass wir nichts falsch machen und dass es unserem Nachwuchs gut geht.
Ist das Kind erst auf der Welt, machen wir uns erst Recht immer Sorgen:
Ob es nicht zu warm oder zu kalt hat, ob es genügend trinkt und isst und warum es nicht schlafen will.
Diese Sorgen lassen uns nicht mehr los, sie begleiten uns Tag und Nacht.

Mit bestem Wissen und Gewissen versuchen wir, unsere Kinder auf die Welt da draussen vorzubereiten. Wir leiten sie an, wir unterstützen und motivieren sie und versuchen, ihnen möglichst gute Vorbilder zu sein.
Manchmal gelingt uns das sehr gut, manchmal auch überhaupt nicht.
Denn es hat sich etwas verändert:
Wir müssen unsere Kids nicht nur für die reale Welt fit machen, sondern auch für die digitale. Wir müssen ihnen zeigen, wie sie sich online zurechtfinden können, welche Möglichkeiten das Netz und all die sozialen Medien bieten, aber auch welche Gefahren lauern.

So lange sie noch ganz klein sind, gelingt uns das meistens noch ganz gut. Wir bemühen uns, sie wenn immer möglich von Tablets und Smartphones fernzuhalten. Wir beobachten, was sie spielen, mit wem und wie lange.
Wir lassen sie am Abend vor dem ins Bett gehen nicht mehr stundenlang auf Bildschirme glotzen, wir erzählen ihnen Geschichten und spielen mit ihnen lustige Gesellschaftsspiele und versuchen die Tablet-Zeit auf ein minimum zu beschränken.
Wir haben für uns und unsere Kids Prinzipien aufgestellt.
Zum Beispiel dass wir trotz iPad & Co, immer noch die Malbücher und Stifte mit ins Restaurant nehmen, dass sie nur gamen dürfen, wenn wir in der Nähe sind und dass wir mit allem, was sie online tun, vertraut sind. Wir schauen penibel darauf, wie lange sie sich denn mit ihrer Lieblings-App beschäftigen und sind ebenfalls darauf bedacht, dass sie viel draussen sind und Bewegung haben.

Und genau diese Prinzipien werfen wir dann nach einer gewissen Zeit, immer öfter über den Haufen. Das iPad kommt halt doch mit ins Restaurant, damit Mama und Papa auch noch in Ruhe ein Glas Wein trinken können, wir lassen die plötzlich auch nach dem Essen noch ein bisschen auf den Tablets herum drücken und manchmal sind wir einfach froh, wenn sie nach einem anstrengenden Tag noch ein paar Filmchen auf YouTube anschauen.

Ganz langsam verlieren wir die Kontrolle.

Wir lockern unsere Abmachungen immer ein bisschen mehr, wissen plötzlich nicht mehr ganz genau mit welchen Apps sie sich tagelang beschäftigen und wir haben keinen Plan mehr, wie lange sie eigentlich mit dem Smartphone auf ihrem Bett liegen. Sie sind jeweils plötzlich nach dem Essen einfach verschwunden, sind mehr auf Instagram und Snapchat, als mit uns im Wohnzimmer.
Erst dann wird uns bewusst:
„Oha, da läuft etwas falsch.
Mein Kind trägt häufiger einen Game-Kopfhörer mit Headset  als einen Velohelm und bewegt sich plötzlich mehr durch virtuelle Welten als durch den heimischen Wald.“


Ganz langsam ist unser Nachwuchs vom Kind zum Teenager mutiert und bewegt sich viel mehr in der Online-Welt, als uns eigentlich lieb ist.
Und wir tun das, was Eltern meistens tun, wenn sie Angst haben oder sich Sorgen machen:
Wir runzeln die Stirn, rollen mit den Augen, seufzen tief und setzen dann zur Moralpredigt an. Wie schädlich das doch alles sei und dass man viereckige Augen bekäme, alle Freunde verlieren und in der Schule schlechte Noten schreiben würde. Wir sind hilflos, vielleicht auch ein bisschen sauer, dass wir es so weit haben kommen lassen. Plötzlich werden wir konfrontiert mit Sexting, Mobbing und mit Suchtverhalten.
Unsere Kids sind von den Geräten kaum mehr weg zu kriegen, der Streit ist vorprogrammiert. Und wir fragen uns:

Wie konnte das passieren?

Warum haben wir nicht besser aufgepasst, sie beschützt und begleitet?
Uns besser informiert, Regeln aufgestellt und diese dann auch durchgesetzt?

Vielleicht seid ihr mit euren Kids noch weit von diesem Szenario entfernt.
Vielleicht seid ihr erst ein bisschen vorgewarnt, von Schulvorträgen, von anderen Eltern von TV-Dokumentationen. Vielleicht beobachtet ihr diese Entwicklung einfach mit ein etwas Sorge und das ist auch gut so.
Der Grat ist aber sehr schmal. Aus Sorge wird sehr schnell Hysterie, aus Beobachtung wird Kontrolle.

Wie können wir unsere Kinder begleiten, ohne sie zu bevormunden?
Wie können wir Interesse zeigen, ohne peinlich zu wirken?

 

1. Sich mit den Kindern weiter entwickeln.

Wenn unsere Kinder älter werden, dann müssen wir uns auch weiterhin informieren, wir müssen auch weiterhin beobachten, diskutieren und dürfen nicht den Anschluss verlieren.
Was tun sie?
Welche Apps benutzen sie?
Welche Plattformen und was läuft da genau ab?
Informiert euch im Netz, seid offen und neugierig und lasst euch Apps oder Games auch mal von euren Kindern erklären. Fangt aber nicht erst damit an, wenn die Kids schon mitten in der Pubertät stecken und sie eh alles was ihr tut peinlich finden. Begleiten, beobachten, sich kümmern und weiterentwickeln hört eigentlich nie auf. Bleibt an dem Thema dran, am besten schon bevor es für die Kinder interessant wird.

2. Sich mit anderen Eltern austauschen

„Die ANDEREN dürfen dies und jenes. Die ANDEREN, nur ich nicht, das ist einfach so gemein.“
Solche Aussagen verunsichern Eltern oft und deshalb werden sie von den Kids immer wieder eingesetzt.
Wer in Kontakt mit anderen Familien steht, merkt schnell mal, dass er nicht alleine ist mit seinem Problem. Sich mit anderen Eltern über Online-Regeln und Abmachungen auszutauschen kann helfen, eine realistische Erwartung zu entwickeln oder aber auch eine Bestätigung sein, dass man auf dem richtigen Weg ist.

3. Regeln und Abmachungen fest legen

Auch wenn es bis zu einem gewissen Alter oft ohne Regeln funktioniert, ganz ohne funktioniert es wirklich nur äusserst selten. Setzt euch mal in einer ruhigen Minute zusammen, bezieht die Kinder mit ein und versucht miteinander ein paar Lösungen zu finden. Sprecht auch über logische Konsequenzen. Also was passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.
Ganz wichtig ist, dass ihr diese dann positiv formuliert und aufhängt. Lasst die Regeln von allen unterschreiben und vergesst nicht, die Abmachungen immer wieder mal zu kontrollieren.

3. Ein gutes Vorbild sein

Und DAS ist eine ganz harte Knacknuss. Den Kindern ständig predigen, dass sie endlich mal ihr «blödes» Smartphone weg legen sollen und dann selber ständig und überall auf dem Ding herum drücken…
Nur wer selber ein gutes Vorbild ist, kann von den Kindern verlangen sich an gewisse Regeln zu halten. Sonst wird das Ganze sehr schnell unglaubwürdig…

4. Nicht alles so persönlich nehmen

Kinder und vor allem Jugendliche wollen und müssen sich von ihren Eltern abgrenzen. Das ist heute gar nicht mehr so einfach, sind Eltern ihren Kinder heute doch oft viel ähnlicher, als unsere Eltern es bei uns waren. Also seid nicht immer gleich eingeschnappt, wenn Kinder sich halt gerne in ihren Gruppenchats aufhalten oder die Instagram Accounts von ihren Freunden interessanter finden als eure Gesellschaft. So lange die Abmachungen eingehalten werden, ist das zwar ein bisschen traurig, aber ganz normal.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit «enter», dem Ratgeber für digitale Medien. Dort findet ihr praktische Tipps zur Medienerziehung
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