Liebe Eltern, seid Vorbilder – auch online

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Über die Vorbildfunktion von uns Eltern hab ich ja schon einige Male geschrieben. Und das ist ja wahrlich kein leichtes Unterfangen:

Wasser predigen und Wein trinken.

So ist das nämlich ganz oft bei uns Mamas und Papas.

„He da! Nicht fluchen!“
Und dann selber dem Mann im schwarzen Golf „Arschloch“ hinterher rufen.

„Jetzt leg beim Essen mal einfach das Handy weg. Es nervt!“
Und selber bei jedem „PiepPiep“ aufs iPhönchen glotzen, weil man denkt es könnte ja was Wichtiges sein…

„Du weisst schon, dass wir jetzt dann grad essen? Jetzt gibt es nichts mehr vorher.“
Und selber noch schnell einen kleinen Babybel in den Mund stopfen.
Heimlich natürlich…

„Jetzt höööört man auuuf immer sooooo zu brüüüüllllleeeeennn!!!!!!!!
Der Satz ist selbsterklärend…

Ja wir geben uns Mühe.
Dass wir anständig reden, unsere Sachen wegräumen, am Tisch sitzen bleiben, andere ausreden lassen – dass wir die Dinge tun, die wir von unseren Kindern eben auch erwarten.
Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und versuchen nach bestem Wissen und Gewissen Vorbilder zu sein.
Im realen Leben.

Aber dann tauchen wir ab, in die virtuellen Welten. Wir twittern, kommentieren Foren-Beiträge und Online-Artikel, wir antworten auf Facebook Postings und kommunizieren auf Seiten und in Facebook-Gruppen.
Und was DA oft abgeht, hat mit Vorbildfunktion überhaupt gar nichts mehr zu tun.

Wie ist es möglich, dass wir von unseren Kindern verlangen, andere Meinungen zu tolerieren, anständig zu sein, in sozialen Netzwerken nicht einfach alles auszuplaudern, vorsichtig mit Informationen umzugehen, andere nicht zu beleidigen und auszulachen, wenn wir es selber tun?
Woher nehmen wir das Recht andere zu massregeln, zu belehren, zu beschimpfen und gar zu bedrohen? Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit wird gehetzt und gepöbelt, es werden Lügen verbreitet, Leute verunglimpft und gemobbt, man kann nur noch pausenlos den Kopf schütteln oder diesen Kopf, immer und immer wieder auf den Tisch sausen lassen.
Mit vollem Namen, Profilbild, oft gar mit der ganzen Berufsbezeichnung, wird völlig hemmungslos der eigene Frust abgeladen, immer begleitet von einem lustigen Smiley oder von den allseits beliebten Sätzen:

„Meine Meinung.“
„Das musst jetzt mal raus.“
„Selber Schuld, wer hier was postet muss halt auch mit Kritik umgehen.“
„Ist nicht persönlich gemeint“.

Was ist es dann, wenn nicht persönlich?
Abgeschrieben aus dem Freunde-Buch der Tochter? Kopiert von einer witzigen Sprüche-Seite?

Wie wollen wir Erwachsenen unsere Kinder in die virtuelle Welt begleiten, ihnen einen anständigen und freundlichen Umgang lehren, wenn wir selber uns in genau dieser Online-Welt so oft total daneben benehmen?
Wer schon in Mama-, Flohmarkt-, Sport oder Abnehmgruppen unterwegs war, weiss wovon ich rede.
Es ist manchmal wie bei einer ganz schrecklichen Trash-TV Sendung. Man schämt sich fast, kann es kaum fassen und kann trotzdem nicht weg schauen. Wie sich viele Leute dort aufführen (sehr oft auch grad die Mamas), ist einfach unfassbar.
Ein paar „Alphatiere“, die immer besonders giftig schreiben und unter dem Deckmäntelchen „Darf man hier denn nicht mehr seine Meinung sagen?“ unterwegs sind, übernehmen dann meistens das Szepter und sticheln so lange, bis das Ganze in wüsten Beschimpfungen ausartet.
Wird die Diskussion dann gelöscht, wird ganz schnell ein neuer mit dem Titel:
„Wurde der Post xy jetzt gelöscht?“ wieder eröffnet und die Pöbeleien gehen munter weiter.

Wir Eltern verurteilen Hänseleien und Mobbing und erwarten von unseren Kindern dass sie sich nicht nur offline sondern auch online anständig benehmen.
Und was tun wir?
Wir hänseln, schimpfen, beleidigen und mobben was das Zeug hält.

Es ist nur zu hoffen, dass sich unsere Kids immer mehr von den sozialen Netzwerken fern halten, auf denen WIR Erwachsenen uns bewegen.

Oder dass wir uns endlich mal ein bisschen am Riemen reissen und versuchen, unseren Kindern auch online die Vorbilder zu sein, die sie eigentlich verdient hätten.