„Schöööön teilen, Kinder!“

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Hach ja.
Wenn man ein Kindlein hat, denkt man manchmal voller Vorfreude daran, wie toll es dann sein wird, wenn mal ein Geschwisterchen da ist:
Wie schön die zwei zusammen spielen werden, ihre vielen Spielsachen teilen und immer schön fragen, wenn sie vom anderen was brauchen möchten. Man malt sich aus, wie man währenddessen gemütlich auf dem Sofa liegt und einen Latte Macchiato schlürft.
Wer noch nicht grad an ein zweites Kind denken mag, der stellt sich vor, wie das Kindlein zum Beispiel mit dem Nachbarsmädchen einen tollen Spielnachmittag in seinem Zimmer verbringen wird. Und auch hier die romantische Vorstellung von:
„Ja, wenn sie dann etwas grösser ist, dann können sie prima zusammen spielen.“
Ha!
Dann SIND sie etwas grösser, (das Geschwisterchen oder das Nachbarsmädchen sind Realität) und dann sieht das leider, leider etwas anders aus.
Das Kind bockt und brüllt, will die Lena oder den Johannes nicht einmal ins eigene Zimmer lassen, versteckt sich unter dem Bett, wirft mit Spielsachen um sich und TEILEN?
Nö, Fehlanzeige.
Kaum hat das andere Kind irgend etwas nur mit den Augen fixiert, wird das SOFORT in Beschlag genommen oder in den Schrank versteckt. Puppen, Autos, Plüschtiere, Lastwagen – einfach alles wird dem Anderen subito aus den Händen gerissen. Sogar die Spielsachen, die seit Tagen, was sag ich: SEIT WOCHEN unbenutzt rumliegen, werden in Beschlag genommen und sind plötzlich wieder interessant.
Man hat selber keine ruhige Minute, ist nur am schimpfen, am trösten, am schlichten und kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Man denkt sich:
„Was um Himmelswillen hab ich mir dabei gedacht? Wir wären lieber heute Nachmittag alleine geblieben?“
„Ich hab ja total versagt. Mein Kind ist ein kleines Biest, es mag anderen überhaupt gar nix gönnen. Was hab ich nur falsch gemacht?“
„So können wir ja niiiie wieder, jemanden einladen.“
„Es ist einfach nur peinlich. Nur mein Kind benimmt sich so daneben.“

Man droht dem Kind dann ein paar unmögliche Sachen an, wie Fernsehverbot oder dass es keinen Nachtisch geben wird, in der Hoffnung, es würde Einsicht zeigen und schön brav seine Sachen teilen.
Aber nix dergleichen passiert. Das Kind wird nur noch bockiger, fühlt sich noch mehr bedroht und man ist froh, wenn endlich Abend ist und der Besuch nach Hause geht.

Was also soll man tun?
Niemanden mehr einladen? Jedes Mal eine Magen-Darm-Grippe vortäuschen? Den ganzen Nachmittag bei den Kindern im Kinderzimmer sitzen oder einfach nur in Facebook Mami-Gruppen ein bisschen jammern?

Also. Die Frau Elternplanet hat euch hier mal ein paar Tipps zusammengestellt.

1. Gut vorausplanen

Egal ob man Besuch bekommt oder selber zu Besuch geht:
Sagt euren Kindern VORHER, was ihr vorhabt, wohin ihr geht, wie lange und was ihr dort macht.
Sprecht vorher auch über ein paar Regeln und Abmachungen.
„Was ist denn wichtig? Was tun wir, wenn wir zur Türe rein kommen? Was kann man tun, wenn man keine Lust mehr zum Spielen hat? Oder man etwas nicht hergeben möchte?“
Zum Vorausplanen kann z.B auch gehören, dass die Kinder ein paar ihrer Lieblingsspielsachen mitnehmen, so dass sie im Fall eines streitlustigen Gegenübers trotzdem ein paar Sachen dabei haben.
Es ist auch ok, wenn die Kinder vorher, ein paar von ihren Spielsachen wegräumen und nur die Dinge im Zimmer lassen, mit denen auch der Besuch spielen darf. Besprecht das vorher in Ruhe miteinander. Versucht auch hier positiv zu formulieren.
Also nicht:
„Ich will nicht, dass du ihm die Spielsachen aus der Hand reisst“, sondern:
„Ich möchte, dass du den Florian mit diesen Spielsachen auch spielen lässt.“

Bei Geschwisterchen bietet es sich ausserdem an, eine Kiste zu machen, in der explizit die Spielsachen drin sind, die z.B dem Älteren gehören, also die, die es nicht teilen möchte.
Es ist nämlich voll ok, wenn man nicht alles teilen möchte…
Wichtig ist dabei aber auch, dass die Kinder wissen, dass aber dann die anderen Gegenstände BEIDEN gehören.
Oftmals vergisst man auch, dass die älteren Kinder ihre lieb gewonnenen „Babyspielsachen“ einfach so und plötzlich dem Jüngeren überlassen sollen.
„Ach, jetzt gib das doch der Julia, dafür bist du doch jetzt zu gross“.
Das ist für viele Kinder nicht ganz einfach, weil sie selber vielleicht lange damit gespielt haben.

2. Realistische Erwartungen haben

Kleine Kinder sind noch gar nicht in der Lage, eine längere Zeit mit jemandem zusammen zu spielen. Wenn sie es trotzdem immer mal wieder tun: Glück gehabt. :-)
Erst so ab dem 3. Lebensjahr fängt das gemeinsame Spiel langsam an, vorher spielen sie vor allem nebeneinander und auch das oft nur für einen kurzen Moment. Am Anfang sind andere Kinder vor allem Konkurrenten, man muss sich verteidigen und dafür sorgen, dass sie einem nicht alles wegnehmen…
Manchmal haben wir Eltern da auch etwas zu hohe Erwartungen. Auch Geschwister müssen nicht immer und ständig mit einander spielen.
„Aber jetzt spiel doch mit ihm. Hilf ihm doch jetzt mal. Lass sie doch mithelfen, sie möchte doch auch mit dir spielen.“

3. Neue „Spielvarianten“ suchen

Wenn ihr merkt, dass es beim Spielen immer wieder Krach und Ärger gibt, dann lasst euch etwas einfallen. Manchmal klappt es zum Beispiel auf „neutralem“ Boden etwas besser. Also raus in den Wald, auf den Spielplatz, vors Haus, ins Schwimmbad oder auf einen Spaziergang. Keines der Kinder muss dann sein eigenes „Revier“ verteidigen und es klappt dann oft viel besser.
Sucht spannende Beschäftigungen, z.B mit wertlosem Material, Dingen die ihr im Haushalt findet. Lasst die Kinder viele Sachen entdecken, ausprobieren, gebt ihnen Inputs und regt ihre Fantasie an.

4. Weniger ist mehr

Lieber kürzere Besuche mit weniger Kindern, als stundenlange Exkursionen mit vielen Spielpartnern. Manche Kinder sind damit schnell überfordert und fühlen sich sehr schnell „bedroht.“
Gerade bei Geschwistern bietet es sich an, dass es einen „Rückzugsort“ gibt.
Gebt den Älteren auch immer mal wieder die Gelegenheit, sich zurück zu ziehen und mal etwas alleine zu machen.

Und was, wenn es doch nicht klappt?

Auch wenn man alle Vorkehrungen getroffen hat, alles vor besprochen wurde, gibt es trotzdem immer mal wieder Momente, in denen es einfach nicht klappt. Dann können euch diese Tipps vielleicht weiterhelfen.

Nicht immer gleich eingreifen.
Oftmals können die Kinder das untereinander auch selber regeln. (Auch wenn es vielleicht im ersten Moment grad nicht so aussieht…)
Falls ihr doch eingreifen müsst, versucht nicht als Polizist, sondern eher als Vermittler in die Situation rein zu gehen und überlegt mit den Kindern gemeinsam, wie ihr dieses Problem jetzt lösen wollt.
„Hmm. Was können wir jetzt tun, wenn beide jetzt mit dem GLEICHEN Auto spielen wollen? Habt ihr eine Idee?
Lasst die Kinder da selber nach Lösungen und Ideen suchen, dann sind sie meistens kooperativer, als wenn ihr einfach die Türe aufreisst und ihnen sagt, was sie jetzt tun sollen.
Wenn die Kinder noch zu klein sind, und noch nicht so gut selber einen Lösungsansatz finden können, dann macht ihr einen Vorschlag:
„Wir können im Keller noch die anderen Autos holen.“
„Wir könnten eine Uhr stellen und dann nach Ablauf der Zeit, darf der Andere das Auto für eine gewisse Zeit brauchen.“
Manchmal hilft es auch, wenn man ihnen z.B auch einen kleinen „Spiel-Input“ gibt und der Streit legt sich dann wieder.
„Hey, schaut mal, die Autos brauchen doch noch eine Garage. Hier habt ihr zwei Kartonschachteln, dann könt ihr die Autos dort parkieren.“

Einen „Ortwechsel“ machen
Geht mit den Kindern nach draussen, macht im Wohnzimmer zusammen ein Spiel oder vielleicht esst und trinkt ihr zusammen etwas Kleines und die Situation entspannt sich schnell wieder.

Ihr müsst euch nichts beweisen
Wenn man merkt, dass es einfach nicht so richtig läuft, dann ist es manchmal besser einen Besuch auch mal etwas abzukürzen. Getreu nach dem Motto: Weniger ist manchmal mehr.
Am besten noch bevor es richtig eskaliert.
Es gibt auch Konstellationen, die einen Moment lang einfach nicht harmonieren und dann bringt eine kleine „Pause“ oftmals mehr.
Bilderbücher können auch hilfreich sein und die Kinder fürs Thema sensibilisieren.
Ihr findet hier ein paar Ideen und Vorschläge.

Denkt daran:
Mit anderen zurechtzukommen, sich auszutauschen, zu teilen, zu spielen, angemessen miteinander umzugehen ist eine grosse Herausforderung. Daran scheitern übrigens nicht nur Kinder, sondern oft auch viele Erwachsene…

Kinder müssen das „Spielen und Teilen“ erst lernen, dafür brauchen sie viel Übung.
Von uns Eltern braucht das viel Geduld, Nerven aber auch Motivation. Vergesst nicht, ihnen immer mal wieder ein positives Feedback zu geben, wenn es denn mal klappt.
Manchmal wartet man mit dem Lob und dem Feedback einfach zu lange, sie fangen bereits wieder an zu streiten und wir geben dann schon wieder nur eine negative Rückmeldung.

Alles klar?
Dann gutes Ausprobieren!