Wenn Worte fehlen…

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Ja wir Eltern wir machen uns ständig irgend welche Sorgen.
Ob unser Kind genug Bewegung hat?
Ob ihm nicht doch vielleicht zu warm oder zu kalt ist?
Ob es sich wohl fühlt im Kindergarten?
Warum der Nachbars-Junge nicht mit ihm spielen will?
Ob dieser Pulli denn jetzt zu diesen Hosen passt?
Was wir den Grosseltern, Tanten und Onkeln denn sagen sollen, wenn sie nach dem Geburtstagswünschen unserer Kids fragen?
Warum es für diesen Test nicht eine bessere Note bekam, obwohl wir doch so gut geübt haben?
Ob wir rosarote oder dunkelgrüne Servietten für die Geburtstagsparty nehmen sollen?
Und ob es schlimm ist, wenn unser Kind Nägel kaut, manchmal einfach nicht die Zähne putzen und immer das letzte Wort haben will?

Fragen, die uns Eltern hier beschäftigen.
Jeden Tag.
Manchmal mehr, manchmal weniger.
Wir können uns den Kopf darüber zerbrechen, uns in Foren und FB Gruppen die Finger wund schreiben und uns stundenlang mit Freundinnen am Telefon, per WhatsApp oder beim Kaffeekränzchen darüber unterhalten.
Das ist legitim, denn die Meisten von uns, die gesunde Kinder haben, haben wahrlich keine wirklich grossen Probleme.


 
Und jetzt sind da diese Bilder.
Bilder von toten Kindern, die ganz in der Nähe von uns, an europäischen Stränden angeschwemmt wurden.
Ertrunken auf der Flucht vor einem Krieg, für den sie nichts dafür können.
Kinder, die eingepfercht in mickrigen Gummibooten waren, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Wir lesen diese Geschichten von den Familien, die alles verloren und sich mit letzten bisschen Hoffnung auf die gefährliche Reise wagten.
Wir hören diese Nachrichten, dass Kinder einfach über Bord geworfen wurden, weil sie zu laut und zu lange geweint haben. Geweint aus Angst und Panik vor dem Unbekannten.

Und dann sehen wir sie eben: Diese Bilder.
Von Kindern, die einfach nicht das Glück hatten hier geboren zu werden.

Es ist einfach unfassbar traurig.
Mir fehlen die Worte und was mir durch den Kopf geht ist schwer zu formulieren.

Wie muss es für die Eltern sein, die diese Reise auf sich nehmen und dann einfach alles verlieren? Nicht nur die Hoffnung, sondern auch ihre Kinder?

Wie muss es für die Männer sein, die ihre Frauen und Kinder in Flüchtlingslagern zurück lassen müssen, nicht weil sie zu faul sind, sie mitzunehmen, sondern weil sie keine andere Chance sehen. Oder weil sie sich davor fürchten, mit ihren Frauen und Kindern diese gefährliche Reise anzutreten.
Vielleicht reicht aber auch einfach das Geld nicht, dass alle einen Platz im mickrigen Boot bezahlen können.
Als einzige Verbindung zu den Familien bleibt oft das Handy.
Genau so ein: „WAAAAS, der Flüchtling hat auch so ein Ding? Ja DANN kann seine Situation wohl nicht so aussichtslos sein! Der Typ hat ein Handy. Ein HANDY! Wer ein Handy hat, der hat auch Kohle. Wer Kohle hat, der muss nicht flüchten“.

Ja unser Leben geht weiter.
Einfach so.
Wir werden uns auch weiterhin Sorgen machen um unsere Kinder und über unsere alltäglichen kleinen Sorgen, die in unserer Welt halt so anstehen.

Vielleicht werden wir aber auch ein bisschen dankbarer sein, dass es uns hier gut geht. Dass wir nicht täglich um unser Leben fürchten müssen.


Vielleicht werden wir verdammt noch mal auch endlich aufhören, über die Handys und die kostenlosen Zeltunterkünfte der Flüchtlinge zu schimpfen.

Vielleicht werden wir auch ein bisschen unsere Herzen öffnen und nicht über die Menschen urteilen, die einfach alles verloren haben.

Vielleicht werden wir einfach mal unseren Mund halten, keine dummen Kommentare abgeben und einfach mal dankbar sein, dass wir das Glück hatten, hier geboren zu sein.

Denn wären wir es nicht, dann könnten es auch unsere Kinder sein, die da tot an den Strand geschwemmt wurden.

 

 

 

 

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  • Diese Gedanken gehen mir auch schon lange durch den Kopf, wir reden und diskutieren mit den ewigen Motzern. Egal wo. Es würde uns so schlecht gehen, wenn wir nicht ein Mittel gefunden hätten um wenigstens etwas zu tun. Wir sammeln alles was geht und gehen zu unseren nächsten Flüchtlingunterkünften. Wir haben eine tolle Lehrerin, die auch sehr aktiv ist – und unterstützen mit allen, was jeder geben kann. Wenn wir das nicht tun würden, ich glaube ich würde hoffen, dass diese Arten von Menschen, die kaltherzig, unsozial und und und sind – sich einfach auflösen….