Der kleine Auswahl-Trick

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Ja es kann immer mal wieder vorkommen, dass unsere Kinderlein nicht alles genau so machen wollen, wie wir Eltern das gerne hätten.
Ist ja auch irgendwie logisch.
Denn viele Dinge die wir von unserem Nachwuchs erwarten, sind ja auch ganz schrecklich doof.

Zähne putzen?
„Ui nein. So was unnötiges.
Ausserdem ist die Bürste total kratzig und mit der elektrischen Zahnbürste kitzelt es so blöd in der Nase.“

Aufräumen?
„Hat hier irgend jemand etwas von aufräumen gesagt?
Wozu das denn?
Ist ja gar keine Unordnung? Und morgen muss ich ja eh wieder spielen und alles wieder hervor nehmen.“

Hausaufgaben?
„Nö. Also wirklich jetzt. Oder habt ihr Erwachsenen gerne Hausaufgaben gemacht?
Eben.“

Nach Hause gehen?
„Neeeein. Es war doch soooo schön! Und wir haben gerade sooooo toll gespielt?
Nach Hause gehen ist so was von total ätzend. Und dort muss ich dann eh wieder alle die Dinge machen, die ich total doof finde.“

Pyjama anziehen?
„Völlig unnötig und anstrengend.
Ausserdem bin ich noch überhaupt gar nicht müde.“

Wir könnten jetzt hier noch Seiten füllen mit diesen „Doofen-Anweisungen-die-Kinder-überhaupt-nicht-mögen-aber-die-Erwachsene-ständig-von-ihnen-verlangen“.
Ich glaube ihr wisst was ich meine.

Ja und ganz oft läuft das dann etwa so ab:

  • Ein Überraschungsangriff der Eltern, ohne Vorwarnung und von hinten.
  • Eine leicht mürrische, nicht sehr motivierende, sehr oft auch als Frage formulierte Anweisung:
    „Hey, würdest du jetzt die Zähne putzen, die Aufgaben machen, endlich den Tisch decken, rein kommen?“
  • Ein ebenso mürrisches und lautes :
    „Nein“, was bei der Frageform ja schliesslich auch ganz logisch ist.
    (Denn: Wenn du mich etwas fragst, dann sage ich entweder „Ja“ oder „Nein“, also meistens sag ich nein.
    Ist doch logisch.)
  • Ein noch mürrisches und noch lauteres: „Was hab ich jetzt gesagt? Ich zähle jetzt bis drei, wenn du nicht….“ (dann kommt irgend eine sehr unlogische Drohung) und schon ist man mitten im grössten Streit.

Und so geht das oft Tag für Tag.
Sehr unbefriedigend und mühsam.
Und deshalb braucht man manchmal einen kleinen Trick.
Den hier zum Beispiel:

Der „Auswahl-Trick


Gerade bei Kindern, die noch etwas kleiner sind, funktioniert der in vielen Fällen ganz prima.
(Nicht selten hat man auch immer wieder bei Teenies Erfolg damit). :-)

Kinder lieben es nämlich, wenn sie selber immer mal wieder etwas entscheiden und auswählen dürfen.
Sie mögen es so sehr, dass sie dann manchmal grad vergessen, dass sie ja eigentlich am Anfang die Anweisung überhaupt gar nicht befolgen wollten…

Und deshalb kommt man mit diesen Sätzen hier manchmal schneller zum Ziel, als mit Drohungen („Wenn du jetzt nicht sofort, dann…“), mit lautem Gebrüll oder mit schimpfen:

„Willst du mir die Hand geben oder selber laufen?“

„Soll ICH vor gehen oder willst DU zuerst gehen?“

„Soll ICH die Türe aufmachen oder willst DU das grad tun?“

„Soll ICH dir schöpfen oder willst DU dir grad selber nehmen? (bei unliebsamem Gemüse z.B)

„Willst DU deinem Bruder den Bagger zurück geben oder soll ICH das tun?“

„Willst DU die Zahnpasta selber auf die Zahnbürste drücken oder soll ICH das gleich machen?“

„Willst du den Pyjama bei dir im Zimmer anziehen oder lieber hier bei mir im Wohnzimmer?“

„Willst du jetzt grad anfangen mit den Aufgaben oder noch schnell eine kurze Pause machen?“

„Willst du mir das iPad grad geben oder willst du es selber in die Schublade legen?/Willst du es grad selber ausschalten oder soll ich es tun?“

Wenn Kinder die Wahl haben zwischen zwei Dingen, dann wählen sie meistens auch eine der beiden Möglichkeiten aus.
Für uns heisst das:
Sie haben unsere Anweisung erfüllt, aber auf ihre Art. Und das spielt ja eigentlich dann auch keine Rolle, Hauptsache es ist erledigt.
Manchmal braucht es zusätzlich noch ein bisschen Motivation, manchmal auch etwas Humor und Fantasie und dann klappt es sogar noch ein bisschen besser.
Nicht nur Kinder mögen das. Auch wir Erwachsenen entscheiden gerne, wie und wann wir etwas machen. Nur können wir Grossen das viel öfter tun, als die Kleinen. Denn wir treffen ja meistens für sie die Entscheidung und sagen ihnen, was sie zu tun haben.

„Ich kann doch nicht ständig hier den Kasper spielen und mein Kind entscheiden lassen!“

Das werden vielleicht einige von euch jetzt denken.
„Mein Kind muss doch auch lernen, dass es jetzt einfach diese Dinge machen muss, ohne dass irgend etwas zur Auswahl steht.“

Natürlich. Man kann nicht immer und überall, von morgens bis abends nur eine Auswahl geben.
Aber darum geht es ja auch nicht.
Das „Entweder-oder?“, das „So-oder-so?“ bietet sich vor allem in den Situationen an, in denen es eh schon grad etwas schwierig ist.
Also zum Beispiel:

  • Wenn sie müde oder quengelig sind.
  • Wenn sie Hunger haben.
  • Wenn sie sich lange mit etwas beschäftigt, viele Eindrücke gesammelt haben und nicht mehr so aufnahmefähig sind.
  • Wenn sie krank sind.
  • Wenn sie unmotiviert und lustlos sind.

Dann kann man mit so einer Auswahlfrage tip top dafür sorgen, dass die Situation nicht ausartet und die Sachen erledigt werden.
Da fällt einem kein Stein aus der Krone, denn manchmal spielt es einfach keine Rolle, WIE genau Kinder etwas machen.
Fragen wie: „Willst du A oder B?“, „Oben oder unten?“, „So oder so?“ zeigen Kindern, dass sie auch ein bisschen mitentscheiden dürfen. Auch bei Anweisungen oder Situationen, die eigentlich nicht sooo toll sind.

Wenn man sich das ab und zu eingesteht, etwas weniger stur ist, dann klappt das viel besser und macht allen auch noch viel mehr Spass.