„Nicht mit Fremden reden und schon gar nicht mit ihnen mitgehen!“

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Diesen Satz habt ihr euren Kids wohl auch schon einige Male eingetrichtert, stimmts?
Mit grossen Augen plappern sie uns diesen Satz dann einfach nach. Und wir sind dann, zumindest ein bisschen, beruhigt.
Doch was tun Kinder wirklich, wenn ein Fremder auf sie zu kommt, vielleicht noch ein lustiges Hündchen dabei hat und fragt, ob sie nicht mitkommen wollen?
Den Satz der Eltern aufsagen?
Wegrennen?

Weit gefehlt.
Joey Salads hat auf seinem YouTube Kanal ein kleines Experiment gestartet und genau das getan und das Ganze dann gefilmt.

Schaut mal, wie schnell es geht und kleine Kinder beim Anblick eines netten jungen Mannes und einem Hündchen, alle Warnungen der Eltern, schwupps, einfach vergessen:

Kinder leben im Moment.
Was gestern war, war gestern.
Was gestern galt, gilt heute nicht mehr.
Was Eltern vor kurzem gesagt haben, ist längst vergessen.

Diese Tatsache macht es nicht grad eben leicht, den Kids begreiflich zu machen, dass sie NIE mit jemandem mitgehen sollen.
Es gibt keine Garantie und auch keine Patentlösung, um Kinder vor dieser Gefahr zu schützen.
Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ihr beachten könnt. Ich hab euch die Mal zusammen gestellt.

1. Kinder beaufsichtigen und immer wissen wo sie sind und wer bei ihnen ist.
Sagt euren Kindern schon ganz früh, dass sie euch immer kurz Bescheid geben sollen, wenn sie zum Beispiel draussen im Quartier spielen und dann plötzlich zu einem Freund rein gehen wollen.
Klappt das nicht, dann nehmt eure Kids einen Moment hinein und erklärt ihnen warum:
„Schau, wir haben abgemacht, dass du mir immer sagst wenn du zu jemandem rein gehst. Ich will wissen wo du bist, damit ich mir keine Sorgen machen muss. Das hat jetzt nicht geklappt. Ich habe dich gesucht, hatte Angst und wusste nicht wo du bist, deshalb musst du jetzt einen Moment mit mir ins Haus kommen.“
Gebt den Kindern nach ein paar Minuten wieder die Gelegenheit das „richtige Verhalten“ zu üben:
„So. Jetzt darfst du wieder hinaus gehen zum Spielen und das nächste Mal, kommst du rasch zu mir und sagst mir wo du bist.“
Wenn ihr Kinder habt, die das immer und immer wieder vergessen, dann könnt ihr ihnen z.B auch ein kleines Symbol, ein Smiley, ein Ausrufezeichen auf die Hand malen, als kleine Erinnerung.

2. Ständige Wiederholungen
Wichtig ist auch, dass man das Thema immer mal wieder aufgreift. Während dem Mittagessen, beim Spazieren, auf dem Spielplatz. Es gibt immer wieder gute Momente und Situationen, in denen man sich darüber austauschen kann.

3. Fragen und Gegenfragen stellen
Kinder können Gefahren eher verstehen, wenn sie SELBER, Antworten auf mögliche Fragen der Eltern geben. Sagt ihnen also nicht einfach was sie nicht tun sollen, also nicht:
„Du darfst NIE mit jemandem mitgehen! Du darfst NIE von jemandem etwas annehmen!“

Stellt Fragen und Gegenfragen und lasst eure Kids selber mögliche Antworten darauf geben:
„Was denkst du, warum sollte man nicht mit jemandem reden, den man nicht kennt?“
„Was denkst du, warum soll man immer den Eltern sagen, wo man hingeht?“

Wichtig ist auch, dass ihr den Kindern nicht einfach nur sagt, was sie NICHT tun sollen. Lasst sie aufzählen, was WICHTIG ist, welche Verhaltensregeln braucht es denn?
„Was könntest du tun, wenn dich ein Erwachsener um Hilfe bittet?“
„Was machst du, wenn ein Auto langsam neben dir her fährt?“

„Was sagst du, wenn jemand dich fragt, ob du seine Kätzchen anschauen willst?“
„Was tust du, wenn es dir in der Gegenwart von jemandem unwohl ist? „
„Wie und womit kannst du auf dich aufmerksam machen?“

Besprecht das immer mal wieder in Ruhe miteinander und lasst eure Kids nach möglichen Antworten suchen.

Achtung:
Es geht um Lösungsmöglichkeiten suchen und aufzählen, nicht ums Angst machen!

4. Rollenspiele machen
Wenn ihr Kinder auf mögliche Gefahren aufmerksam machen wollt, dann übt diese immer mal wieder mit ihnen zu Hause, damit sie wissen WAS genau sie sagen und WIE sie reagieren könnten.
Auch hier gilt: Sagt ihnen nicht einfach die Antworten vor, sondern lasst sie selber überlegen und mögliche Lösungen finden. Lasst sie selber auch mal in die Rolle des „netten Mannes mit dem Hund“ schlüpfen.

Manchmal können auch Bilderbücher eine Hilfe sein, das Thema zu besprechen.

5. Ein „Nein“ Ernst nehmen
Kinder müssen sich abgrenzen dürfen. Akzeptiert auch mal ein „Nein“, wenn Kinder mal nicht schmusen oder der Tante Olga zur Begrüssung kein Küsschen geben wollen.
Wenn Kinder unsicher sind oder sich in gewissen Situationen unwohl fühlen, redet ihnen diese Angst und Unsicherheit nicht aus, sondern versucht miteinander zu überlegen, was es braucht damit sie verschwindet.
Mehr Tipps dazu findet ihr in diesem Video. 

6. Nicht in Panik verfallen
Nicht hinter jedem Baum lauert ein böser Kinderschänder, nicht in jedem Auto welches neben der Schule anhält, sitzt ein perverser Kinderentführer.
Vorsicht ist gut und wichtig, aber Panik hilft niemandem.
Auch das Teilen von diesen Warn-Flyern auf Facebook ist nicht unbedingt hilfreich, vor allem dann nicht, wenn die Quelle nicht bestätigt ist.
Lieber immer mal wieder mit den Kindern das Thema ansprechen, als alle 3 Monate in Panik geraten und Warnhinweise posten.

7. Aufmerksam sein 
Die meisten Übergriffe an Kindern werden nicht von Fremden verübt, sondern von Menschen aus dem näheren Umfeld.
Deshalb gilt:
Seid wachsam und stets aufmerksam. Habt stets ein offenes Ohr, pflegt eine positive und liebevolle Beziehung zu euren Kids, so dass sie euch ihre Sorgen und Ängste anvertrauen dürfen.
Hört ihnen zu und schimpft nicht grad immer mit ihnen, wenn sie mal eine Dummheit angestellt haben.

8. Die Sache mit dem Passwort
In Sozialen Netzwerken wird immer wieder die Idee mit dem Passwort kommuniziert und verbreitet. Vor- und Nachteile eines solchen Passwortes, hab ich in diesem Blogartikel hier erläutert.

 

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