Wie ist das jetzt eigentlich genau mit dieser Kindererziehung?

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Nein.
Es gibt sie nicht DIE EINZIG RICHTIGE Erziehung.

Es gibt viele verschiede Wege und Möglichkeiten, Kinder zu selbstständigen, lebensfrohen, selbstbewussten Menschen zu erziehen.
Wie wir das tun, ist immer Ansichtssache.
Ich möchte euch gerne MEINE EIGENEN Beobachtungen, Ansichten und Ideen zu diesem, doch nicht ganz einfachen Thema, noch mal kurz erläutern:

Es gibt Eltern die er“ZIEHEN“ ein bisschen mehr als andere.
Das heisst:
Sie stellen eigentlich fast nur Forderungen und Bedingungen auf.
Sie sind der Meinung, dass Kinder in erster Linie gehorchen müssen und dass sie das nur tun, wenn sie tagtäglich mehrere Drohungen hören.
„Wenn du dies oder jenes nicht tust, dann passiert das und das.“
Natürlich funktioniert das am Anfang recht gut, denn wer bedroht wird, der riskiert selten zu widersprechen. Kinder merken schnell, dass sie nur gehorchen müssen, wenn die Eltern bis 3 zählen, laut werden oder eine mehr oder weniger sinnlose Drohung aussprechen. Das führt schnell dazu, dass die Eltern wiederum ständig nur noch drohen und mögliche Konsequenzen aufzählen, damit das mehr oder weniger funktioniert.
Kindererziehung ist aber mehr als nur Konsequenzen aufzählen, drohen und Kinder dazu zu bringen Anweisungen und Regeln zu befolgen.
Kinder sind auch nicht grundsätzlich böse und ungehorsam.

Damit unser Alltag mit Kindern einigermassen funktioniert braucht es eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Eine gute Beziehung heisst nicht, dass die Eltern einfach nur die Kumpels der Kinder sind und ihnen alles durchgehen lassen müssen.
Wir sollten mit Kindern angemessen kommunizieren, sie nicht einfach nur mit vielen, unnötigen Anweisungen zu texten.
Wir müssen zuhören, Dinge erklären, sie ernst nehmen, ihnen etwas zutrauen, sie stärken, motivieren und immer wieder den Fokus auf die guten Dinge legen.
Kinder brauchen aber auch Rituale und Verlässlichkeit.
Das heisst, dass sie eben auch Leitplanken, Regeln und Abmachungen brauchen. Sie müssen wissen, WAS von ihnen erwartet wird, damit sie sich in diesem vorgegebenen Rahmen bewegen können und wir nicht ständig „Nein“ sagen müssen. Ein paar wenige, Regeln und Abmachungen sind also wichtig, damit wir nicht ständig über die gleichen Sachen streiten und diskutieren müssen.
Wenn sie noch kleiner sind, brauchen sie etwas mehr Vorgaben und Hilfestellungen, werden sie grösser können wir ganz viele Abmachungen und Regeln mit ihnen zusammen besprechen, aushandeln und dann auch aufschreiben.
Wenn Kinder in diesen Prozess miteinbezogen werden, dann funktionieren diese Abmachungen auch besser. Kinder sollten wissen was sie TUN und weniger was sie NICHT tun sollten.

Das hat nix mit „Wischi-Waschi“ zu tun. Es ist ein Lernprozess, damit Kinder Selbstkompetenz lernen und fähig werden, gewisse Probleme selbstständig zu lösen.
„Was braucht es, damit sich hier alle wohl fühlen?“
„Wie wollen wir das machen, damit du nicht immer vergisst deine Sachen wegzuräumen?“
Solche Fragen bringen oft mehr als eine Drohung wie:
„Wenn du die Sachen nicht wegräumst, dann schmeiss ich sie aus dem Fenster.“
Wenn sie noch kleiner sind, braucht es natürlich etwas mehr Hilfe, Führung und Anleitung.

Klar.
Manchmal sind gewisse Dinge einfach so, wie sie sind. Besonders dann, wenn es gefährlich ist oder jemand zu Schaden kommen könnte. Da braucht es keine langen Erklärungen.
Manchmal sind wir auch nicht in Stimmung und agieren dann eher nach dem Motto:
„Das ist jetzt einfach so und BASTA!“ :-)
Oft stolpern wir aber auch über unsere eigene Sturheit oder auch über zu hohe Erwartungen. Wir haben das Gefühl, dass MUSS jetzt einfach SO sein, warum auch immer, und die Kinder hätten es gefälligst genau so zu machen. Meistens artet es aber genau in den Situationen dann meistens aus.

Kinder befähigen, viele Dinge selber zu tun

Das ist ein Prozess, das braucht Zeit, Nerven und Geduld. Ihnen Angst zu machen, sie zu bedrohen und einzuschüchtern ist ein kurzfristiger Weg, der auf die Dauer nicht viel bringt, ausser Wut, Stress und Ärger. Für beide Seiten.

Ja. Ich bin auch der Meinung, dass es Abmachungen braucht. Gezielt ausgewählt, sinnvolle und durchsetzbare Regeln, die man aber auch immer wieder mal überdenken und überprüfen muss.
Kinder sind nicht unfehlbar und es ist normal und gehört zur Entwicklung dazu, dass sie diese Leitplanken immer wieder übertreten und wir als Eltern auch mal Konsequenzen einsetzen müssen.
Das ist anstrengend, oft auch nervig, ermüdend und braucht viel Energie.
Auch hier gilt:
Konsequenzen sollten keine drakonischen Strafen sein, die nix mit dem Problemverhalten zu tun haben. Vielmehr sollten sie zum Lernprozess beitragen.
Leider geht dies im hektischen Erziehungsalltag immer mal wieder verloren und wir fallen oft ins „altmodische“ Bestrafungsmuster zurück.
„Kind zu warst böse und ungezogen, also muss ich dir mit einer möglichst unlogischen Strafe zeigen, dass du etwas falsch gemacht hast, oder ich zieh dir einfach mal ein bisschen am Haar…“
Kinder beim Grösser und Erwachsen werden zu begleiten ist eine tolle, aber nicht ganz einfache Aufgabe. Es braucht viel Kraft, Energie und immer wieder einen Blick in den Spiegel. Wir müssen uns immer wieder selber reflektieren, selbstkritisch sein, denn die Kinder spiegeln das, was wir ihnen vorleben.

Es gibt in der Erziehung nicht einfach nur ein „schwarz oder weiss“.
Nicht einfach nur ein:
„Du musst den Tarif durchgeben, sonst tanzen die dir auf der Nase herum und wie wird das dann erst wenn sie im Berufsleben stehen?“
Oder ein:
„Mein Kind darf alles ganz alleine entscheiden und Abmachungen braucht es keine“.
Es gibt einen demokratischen Mittelweg.
Ein Begleiten, Bestärken, ein Führen an unsichtbarer Hand.

Kinder müssen und sollen viele Dinge selber tun, manchmal brauchen sie noch ein bisschen Hilfe und Unterstützung dabei, in Form von gewissen Abmachungen oder Hilfestellungen. Viele Dinge können sie aber auch schon alleine, da braucht es nur unsere Unterstützung und unser positives Feedback.

Wir müssen ihnen nicht alle Steine aus dem Weg räumen, sondern ihnen helfen es möglichst selbst zu tun.
Manchmal hilft es auch, wenn wir ein bisschen zurückstehen, nicht alles so persönlich nehmen, die Kids etwas ablenken und manchmal auch eine Alternative anbieten. Ein „Nein“ erscheint dann manchmal gleich etwas weniger „schlimm“ und die Situation bleibt unter Kontrolle.

Kindererziehung soll auch Spass machen

Sie ist kein böses, schwarzes Gespenst. Es geht nicht in erster Linie darum, die Kids auf das „harte“ Leben vorzubereiten, sondern ihnen eine unbeschwerte, sichere und möglichst tolle Kindheit zu ermöglichen.
So gut, wie wir es eben können.
Und jeden Tag haben wir eine neue Chance das zu versuchen.