Und dann stolpern wir doch immer wieder über unsere zu hohen Erwartungen…

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Habt ihr euch damals, als ihr noch keine Kinder hattet auch immer wieder so vorgestellt wie es denn sein würde:
Das Leben mit Kindern?
Friede, Freude, Eierkuchen.
Das perfekte Glück.
Jeden Tag Sonnenschein, tolle Spaziergänge, Kastanien sammeln und jeden Tag mit dem Kindlein schöne Sachen basteln. Ausgeglichenheit, Ruhe, auf dem Wochenmarkt gemütlich einkaufen, nur gesunde Sachen kochen, jeden Tag aus einem Apfel oder einer Karotte ein tolles Tierlein schnitzen, ein hübsches Kinderzimmer mit pädagogisch wertvollen Spielsachen, das Wohnzimmer gemütlich aufgeräumt. Auf dem Spielplatz einen selbst gebrauten Grüntee trinken und dazu das Kindlein friedlich spielend im Sandkasten beobachten. Einen schönen Blumengarten haben, immer mal wieder alleine ein bisschen Zeit mit dem Partner verbringen.

Habt ihr auch manchmal andere Eltern beobachtet und gedacht:
„Ha. Also das würd ich ja NII-IIEEE machen, wenn ICH mal Kinder habe.“

„Dem quengelnden Kind ein Traubenzucken in den Mund stopfen, damit es ruhig ist und an der Kasse nicht den ganzen Laden zusammen schreit.“

„Die Glotze als Babysitter? Ne – niemals, auch nicht für 5 Minuten, so was von daneben und ganz und gar nicht pädagogisch.“

„Gummistiefel, einen grünen Rock und diese Bluse? Welch schreckliche Kombination – so was würd ich mein Kind nie anziehen lassen.“

„Hui! Haben die aber ein Ghetto im Wohnzimmer, das käme dann bei mir nicht in Frage, das Kind wird dann immer schön brav im Kinderzimmer spielen.“

„Das Baby wird nach dem Stillen immer schön brav ins Bettchen zurück gelegt, damit es lernt selber einzuschlafen.“

„Warum schreit die Frau im Supermarkt jetzt ihr Kind an? Hallo? Man muss doch auf das Kind eingehen, seine Bedürfnisse achten, ruhig und gelassen bleiben und schon gar nicht drohen. Das hab ich extra in den schlauen Erziehungsbüchern gelesen.“

Ha! Gell!
So oder ähnlich haben wir gedacht. Damals, als wir noch keine Kinder hatten.
Voll die hohen Erwartungen, die wir da abgespeichert haben.

Und dann sind die Kinder da und alles ist ein bisschen anders. Die Wohnung ist halt nicht mehr immer tip top aufgeräumt, (ok, leichte Untertreibung), unter dem Esstisch liegen nasse Sabberlätzchen, Legos und Little Ponys, das Haar könnte mal wieder eine Frisur vertragen, das Gesicht ein Peeling, der Fussboden eine Komplett-Reinigung.
Für die Kids gibt’s immer mal wieder Fischstäbchen und Pasta und die Sätze:
„Wenn du jetzt nicht, dann…“ und „Ich zähle jetzt bist drei und dann..“ haben sich im Erziehungsalltag festgesetzt.

Wir wollten doch nie so werden, es sollte doch irgendwie alles ein bisschen entspannter laufen und einfacher. Wir hatten doch so viele Ziele, die wir umsetzen wollten, doch jetzt klappt irgendwie nur grad die Hälfte davon, wenn’s gut läuft.
Hohe Erwartungen hatten wir und die haben wir auch gleich beibehalten.

Dann ständig die Vergleiche mit Freundinnen, Nachbarn, mit anderen Mamis und Papis aus den unzähligen Facebookgruppen und Foren.
Deren Kinder können schon das chinesische ABC, das Rad schlagen, bis 100 zählen.
Die backen ihren Kindern Regenbogentorten zum Geburtstag und produzieren 23 kleine Hefezöpfe für die Kindergartenfreunde.
Sie posten Bilder von aufgeräumten Wohnzimmertischen, durchgestylten Wohnungen und posten 3 Mal in der Woche: „Teile dieses Bild wenn du eine glückliche Mama bist.“
Und ihr hockt da und denkt:
„Ich sollte noch, ich müsste und DAS wollte ich nie so haben, das ist einfach nur frustrierend. Die Kinder schreien und toben, schlafen tun sie auch nicht richtig, gehorchen schon gar nicht und für den Haushalt wart ihr auch schon motivierter.“

Und wieder stolpern wir über diese Erwartungen: Diese Erwartungen, an uns selber, an unsere Kinder. Erwartungen, die weder wir noch sie tagtäglich erfüllen können. Es ist einfach nur Stress und setzt uns so unter Druck, dass wir manchmal fast ein bisschen vergessen, dass dieses „Familien-Ding“ doch eigentlich auch Spass machen sollte. Dass wir nicht alles perfekt machen müssen, auch wenn wir uns das in unseren Träumen mal so vorgestellt haben.

Schauen wir doch unsere Kids immer mal wieder an und überlegen uns, WAS sie denn eigentlich alles schon gut können. Wie viele tolle Momente es am Tag denn so gibt, das sind nämlich so einige.
Diese hohen Erwartungen frustrieren und bringen unseren Alltag so dermassen durcheinander, dass wir manchmal fast daran ersticken.

Ja. Wir könnten vieles besser machen, vielleicht auch so, wie wir uns das einmal vorgestellt haben, damals als wir noch keine Kinder hatten.
Wir können aber auch immer mal wieder innehalten und uns an dem freuen, was gut läuft. Wir können versuchen, die hohen Erwartungen etwas abzulegen und uns ab und zu ein bisschen auf die Schulter klopfen und zu sagen:
„Hey. Ich hab’s gut gemacht. So gut, wie ich es eben konnte.
Und morgen versuch ich’s wieder.
Und übermorgen auch.“

Wenn wir unsere Erwartungen verringern,
werden wir Zufriedenheit erfahren.
(Dalai Lama)