Bitte liebe Eltern, passt auf eure Kinder auf!

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Kaum sind unsere Kinder auf der Welt, fragen wir uns ständig, ob sie warm genug haben, wie lange wir das Gemüse kochen sollen, damit es genug Vitamine hat, wir schauen alle paar Minuten nach ihnen, sind übervorsichtig, besorgt, aufmerksam.
Wir pürieren Äpfel und Karotten, wir kochen Schnuller mit Zitronenwasser aus, wir schützen Schubladen, Treppen und Ecken, damit sie sich nicht verletzen.
Wir beschützen sie auf Spielplätzen, auf Kindergarten- und Schulwegen. Wir begleiten sie, machen Passwörter mit ihnen aus, damit keine bösen Menschen sie ins Auto ziehen, wir schimpfen mit Nachbarskindern oder Schulkollegen, wenn diese unsere Kinder ärgern oder mobben.
Wir tun alles, damit es unseren Kindern gut geht, dass sie in einem geschützten Rahmen aufwachsen, dass ihnen niemand etwas Böses antut.

Eines Tages, kommen sie mit der virtuellen Welt inBerührung

Zuerst ist alles noch recht harmlos, die Kids sind begeistert von den Apps und Spielen und eben auch beschäftigt, (praktisch für uns). Schnell wird es aber auch anstrengend: Unsere Kinderlein sind oft kaum mehr von den kleinen Glotzgeräten wegzubringen, schliesslich müssen Schlumpfbeeren geernet, Schlachten gewonnen oder Häuser gebaut werden.
Ja und irgendwann kommt der Eintritt in den Chat- und Social Media Zirkus:
Kik, Facebook, Instagram, Snapchat, musical.ly, YouNow und wie sie alle heissen.
Und genau hier, hören wir Eltern oft auf, uns zu kümmern.
Wir kennen die online Spielplätze nicht mehr, wissen nicht, wo sich unsere Kinder virtuell austauschen und verabreden. Wir verlieren sie in der virtuellen Welt einfach aus den Augen.
Dabei wäre es so wichtig, dass wir genau jetzt da sind. Hinschauen, zuhören, Fragen stellen, uns kümmern, diskutieren, austauschen.

Verbote sind kontraproduktiv

Viele Eltern reagieren einfach mit Verboten und hoffen, dass sich das Problem dann von selbst löst. Doch genau durch diese Verbote, bekommen Kinder und Jugendlichen gar nicht erst die Chance den richtigen Umgang damit zu lernen. Am Schluss tun sie es dann einfach trotzdem – heimlich halt.
Kennen wir Eltern uns mit der Materie nicht mehr aus, dann dürfen wir das nicht als Ausrede benutzen. Wir MÜSSEN uns diese Infos eben selber holen. Google hat eine ziemliche gute Suchmaschine, dort findet man einfach A L L E S.
Wir müssen die Apps und Plattformen kennen, wir müssen uns selber dort anmelden, nachschauen und auch kontrollieren.

Es ist wichtig, unsere Kinder auf diese virtuelle Herausforderung vorzubereiten und mit ihnen bereits darüber zu reden, wenn sie noch gar nicht auf all diesen Plattformen angemeldet sind.
Wir müssen das tun, weil es unsere Aufgabe ist.
Wir wollen unsere Kids zu verantwortungsvollen Menschen erziehen und genau deshalb, müssen wir sie begleiten, ihnen Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie sie sich in der realen Welt aber auch in der virtuellen Welt zurechtfinden können.
Wir können unsere Kids nicht 100%-ig beschützen. Wir können nicht verhindern, dass sie vielleicht mal mit dem Fahrrad hinfallen, oder beim Fussgängerstreifen nicht nicht nach links und rechts gucken . Aber wir können ALLES dafür tun, dass sie mögliche Gefahren erkennen und lernen vorauszuschauen. Wir können sie immer und immer wieder damit konfrontieren, die Abläufe üben und ihnen damit Sicherheit geben.
Genau das müssen wir in der virtuellen Welt auch tun.

Wir müssen sie mit den Gefahren konfrontieren, wir müssen mit ihnen darüber reden, Fragen und Gegenfragen stellen:

„Warum solltest du nicht deinen richtigen Namen angeben? „

„Warum solltest du bei Instagram NICHT die Ortungsfunktion einschalten?“

„Warum in der Biografie bei Snapchat und Co. nicht schreiben, dass man in Hamburg wohnt und im Volleyball Club xy ist?“

„Wie kann man wissen, dass Max_13 wirklich Max heisst und 13 Jahre alt ist?“

„Warum keine Leute annehmen, die man nicht auch im richtigen Leben kennt?“

„Was hat man davon wenn man mehr als 1000 Follower hat, von denen man 820 nicht aus dem richtigen Leben kennt?“

„Warum soll man bei Minecraft oder Clash Of Clans, nicht mit fremden Leuten chatten?“

„Was tun, wenn man via Chat angeschrieben wird und Fremde plötzlich anfangen Komplimente zu machen oder sich mit einem treffen wollen?“

„Wie kann man sich in der realen Welt Anerkennung verschaffen, so dass man auf die Anerkennung in der virtuellen Welt gar nicht mehr so dermassen angewiesen ist?“

„Was tun, wenn man belästigt wird, wenn plötzlich Bilder und Filme von einem in einem Gruppenchat auftauchen und man das nicht möchte?“

Solche und viele andere Fragen sind wichtig, damit wir mit unseren Kids und Jugendlichen in Kontakt bleiben.
SIE SELBER sollen mögliche Antworten suchen und verschiedene Möglichkeiten finden, WIE sie sich auf Facebook, YouTube, Kik, WhatsApp, Snapchat und YouNow verhalten sollen. Wenn Kinder selber die Antworten finden, dann ist die Chance viel grösser, dass sie sich eher daran halten, und vielleicht ihr „Wissen“ auch an andere, Gleichaltrige, weitergeben.
Es ist unsere Pflicht, das zu tun.

Ich bin entsetzt, wütend, traurig und sprachlos, wenn ich um 22.45 zwei 13-jährige Mädels auf YouNow sehe, die in ihrem Kinderzimmer vor 1043 wildfremden Menschen über ihre Hobbies und ihr Privatleben plaudern und dann, ACHTUNG! Haltet euch fest: IHRE HANDYNUMMER ÖFFENTLICH BEKANNTGEBEN.
Ich bin noch schockierter, wenn plötzlich der Onkel der beiden ins Zimmer kommt und ohne mit der Wimper zu zucken sagt: „Um Mitternacht müsst ihr dann im Bett sein!“
Und ich bin vollkommen fassungslos, wenn ich sehe, dass in den nächsten 35 Minuten -zig fremde Leute, Männer, Jungs (oder wer auch immer), diese Mädchen anrufen und mit ihnen plaudern, so lange, bis es denn Mädchen dann doch unheimlich wird und sie den Stream abbrechen.
Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn sich ein 14-jähriges Girl um 01:45 auf YouNow unglaublich freut, weil es 5000 Likes von wildfremden (wohl meist Männern, über 30 oder noch älter) bekommt.
Ich verliere wirklich ein bisschen den Glauben an die Menschheit, wenn das Mädchen sich während dem Stream überlegt, eine Facebook Fanpage zu machen, weil es ja jetzt „fame“ ist. Ich kann kaum hinschauen, wenn das Mädchen von den geilen Typen immer wieder aufgefordert wird, aufzustehen, sich zu drehen und ihren „knackigen Po“ zu präsentieren, der in engen, schwarzen Leder-Leggings steckt, und sie es dann auch noch tut – mehrmals.
Mit den Infos zu ihrem Privatleben, die sie im Chat preisgegeben hat und den Infos aus ihrem Instagram und Facebook Account, ist es unglaublich einfach, in 4 Minuten den Namen ihrer Eltern und ihre Wohnadresse rauszufinden.
So etwas darf einfach nicht passieren!
Wir müssen Vertrauen schaffen, uns kümmern, hinschauen, zuhören, beobachten, kontrollieren und DA sein.

Seid wachsam und gebt auf eure Kinder acht.

Schaut euch immer wieder die Smartphones eurer Kids an, habt den Mut zu kontrollieren, welche Apps sie nutzen, mit wem, wo, wie oft sie chatten und wie sie ihre jeweiligen Accounts eingestellt haben. Niemand muss wissen, wie eure Kinder mit richtigem Namen heissen, wo sie wohnen, welche Hobbies sie haben und wie alt sie sind.
Achtet darauf, dass ihre Profile auf „privat“ gestellt sind und dass sie nur Leute annehmen, die sie wirklich kennen.

Schaut hin und nicht weg.

Sprecht mit ihnen früh genug, lernt ihnen Selbstkompetenz und helft ihnen, einen vernünftigen Weg in diesem irren, virtuellen Dschungel zu finden. Sie sollen lernen diese Medien vernünftig zu nutzen, damit sie Spass haben und wir nicht eines Tages Kerzenbilder auf Facebook für sie posten müssen…
Wir sind verantwortlich für unsere Kids, müssen sie schützen und begleiten.
Sie sind das Wichtigste, was wir haben.

Bewusst und reflektierend miteinander leben und wachsen,
die Kinder einfühlend begleiten, Entfaltung ermöglichen, auch mal etwas fordern und begrenzen,
mehr aber bestärken und ermutigen,
vor allem aber grundsätzlich akzeptieren, möglichst lieben.
Das ist die beste Erziehung – oder besser, Be-ziehung.

 

  • jenni claudia

    Dankeschön für diesen Beitrag! Das ist die reale Welt vor der wir unsere Kids schützen müssen! Informieren und nochmals informieren bis man selber weiss um was es eigentlich geht.

  • Marisa Liviero

    Schluck…verrückt diese Welt, und du hast so recht! Verbieten bringt überhaupt nichts, denn der beste Freund hat schliesslich auch ein smartphone…lieber miteinander als verbieten! Toller Artikel, den ich sehr gerne teile!!