Das kleine Teufelchen

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Vom Teufel geritten.

Kennt ihr diese Redensart?
Kennt ihr sie vielleicht auch erst so richtig gut, seid ihr Kinder habt? :-)
Merkt ihr auch manchmal, mitten in einer Situation:
„Jetzt, genau jetzt, passt diese Redensart ganz prima!“
Man tut etwas und weiss eigentlich ganz genau, dass es totaaal daneben ist.
Aber man kann nicht anders.
Man kann einfach nicht aus dieser Haut schlüpfen und tut genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich sollte. Genau das Gegenteil auch von dem, was in allen sehr schlauen Erziehungsratgebern steht und auch genau das Gegenteil von dem, was die Frau Elternplanet immer in ihren Blogartikeln und auf Facebook so schreibt. :-)
Man steht dann so da und brüllt und schimpft und kritisiert und droht und spricht unmögliche Strafen aus und plötzlich hört man sich selber zu und könnte sich nur noch schämen und ärgern und in den Boden versinken.

Das kleine Teufelchen sitzt da auf der Schulter

Und eben – Man kann nicht anders:

„Nein, jetzt bist du schon wieder am iPad obwohl ich dir vorhin gesagt habe du sollst aufhören, dass ist einfach total unmöglich mit dir, nie kannst du dich an das halten, was ich sage, egal ob es für die Schule ist, ist mir schnurz. Und überhaupt wie sieht nur wieder dein Zimmer aus, das sieht ja aus wie in einem Saustall und dann diese Kleiderhaufen, da kann ja kein Mensch mehr durch und wenn das so weiter geht, dann wasche ich deine Kleider nicht mehr und anbrüllen musst du mich jetzt im Fall auch nicht, stimmt ja gar nicht, ICH brülle überhaupt nicht, ich reg mich nur auf und das kann man halt nicht leise und du bist doch jetzt schon gross und vernünftig und nein deine Serie heute Abend ist gestrichen.“
Voilà,

Oder wollt ihr noch ein anderes Beispiel?

„Jetzt hört einfach mal auf euch ständig zu ärgern und zu hauen, das ist so kindisch und du lässt jetzt mal seine Sachen in Ruhe, sonst mach ich dir auch einfach mal deinen Turm kaputt, würdest du das lustig finden, hä? Und wenn ihr jetzt nicht endlich mal aufhört, gehen wir dann nicht in die Skiferien und der Oliver darf am Wochenende auch nicht bei uns übernachten, wenn das der Papa hört heute Abend, wird er gaaaar nicht Freude haben und dieses T-Shirt sollst du doch nicht im Winter anziehen, das ist nur ein Sommer T-Shirt und überhaupt warum hat es hier Farbe am Boden?“
Da könnte man jetzt noch 13 Seiten so weiter schreiben.
Aber ihr wisst was ich meine oder? :-)

Ja und ich könnte euch jetzt sagen, dass eine solche Reaktion total doof ist, dass ihr das niemals tun solltet, weil eure Kids dadurch nix lernen, weil ihr sie als Person schlecht macht, weil ihr keine klaren Ansagen macht, weil ihr unnötige Drohungen aussprecht, die ihr wahrscheinlich eh nicht einhalten könnt und ich könnte euch fragen:

Warum tut ihr das?

Ihr wisst es nicht?
Ich sag’s euch:
Weil man das einfach manchmal tun muss.
Man kann nicht immer und jederzeit alles tip top nach dem Erziehungsbüchlein machen. Man kann nicht immer und überall die Nerven bewahren, niemals ausflippen, immer besonnen und vorausdenkend sein.
Das geht nicht.

Wir geben uns Mühe, dass wir unser Bestes geben, aber manchmal geht es einfach nicht. Wir merken es meistens schon wenn wir die ersten zwei Sätze gesagt haben, dass wir uns in eine Einbahnstrasse manövrieren, dass unser Geschwafel hier keinen Sinn macht und vor allem nix bringt.
Aber es ist, als würde uns ein kleines Teufelchen reiten: Wir können einfach grad nicht anders.

Sind wir unsere unnötige Predigt dann los geworden, geht es uns meistens nicht besser oder wenn, dann nur kurz. Denn die Reaktion der Kids kommt dann nämlich postwendend.
Sie werden wütend, traurig, sie brüllen zurück, sie toben, trotzen, fluchen, beschimpfen uns und wir können von Glück reden, wenn das Ganze dann nicht vollständig eskaliert.

Trotzdem:
Manchmal gehört das einfach dazu, dieser „Trial and Error“ (Versuch und Irrtum). Damit wir merken, dass wir auf dem Holzweg sind, merken, dass wir es eigentlich anders machen sollten und auch könnten. Man muss sich dann nämlich schnell den Spiegel vorhalten und überlegen:
„Moment, was lief hier gerade schief und was könnte ich das nächste Mal besser machen?“

Und das nächste Mal kommt bestimmt.
Und dann machen wir es einfach wieder.
Und dann besser.

  • Marisa Liviero

    Vielen Dank…es tut so gut zu hören, das man nicht perfekt sein muss…und vorallem, das zuzugeben! Danke!!

  • Gisèle

    Es tut einfach so gut! Genau das habe ich mir gedacht, als das auch so gute Mail mit den Vorsätzen kam. Ich hab dann gedacht, dass ich einfach manchmal nicht aus meiner Haut kann und dann wieder so vieles zunichte mache.
    Und dann kommt da dieses Teufelchenmail. und tut einfach in erster Linie nur gut. Ich habe herzlich gelacht und wieder mal gesehen, dass es den meisten mal so geht. Und das wird mich sicher beim nächsten Mal erinnern und schon kann ichs wieder besser machen! Tausend Dank für die immer wieder so treffenden und lebensnahen Worte. Die tun so gut!